Wie der Tatort früher endet

Die rheinland-pfälzischen Polizisten ermittelten in Wittlich-Wengerohr ihre Besten im Laufen, Springen und Werfen.

Wittlich-Wengerohr Sonntagabend, 20.15 Uhr Krimizeit in Deutschland. Ein Tatort-Kommissar rennt mit schwerfälligen Schritten dem Gauner hinterher - und muss keuchend, einer Herzattacke nahe, aufgeben. So läuft es zwar nicht immer, und am Ende gewinnt ja sowieso das Gute. Bei den Polizisten, die jetzt in Wittlich-Wengerohr ihre Leichtathletik-Landesmeister kürten, wäre der Krimi aber wahrscheinlich schneller aus gewesen.
100 Meter in 11,67 Sekunden wie Joshua Laux muss man nämlich erst einmal rennen. Auch wenn der angehende Kommissar der Gejagte seiner Kollegen war: Armun Safic war ihm so dicht auf den Fersen, dass das Zeitmessteam Detektivarbeit leisten musste. Eine Hundertstelsekunde Unterschied machten der Vorsitzende des Leichtathletikkreises Bernkastel-Wittlich Hans-Peter Schon (Bengel) und sein Stellvertreter Claus Reyheller (Piesport) aus. Über solche und weitere gute Leistungen, wie zum Beispiel den 42,07 Metern im Speerwurf der ehemaligen deutschen Jugendvizemeisterin Lena Bottlender, freute sich Klaus Klein bei dem zum wiederholten Mal auf dem Sportplatz der Zweiten Bereitschaftspolizei-Abteilung (2. BPA) in Wengerohr ausgetragenen Landestitelkämpfen. "Es ist eine Aufbruchstimmung zu spüren", sagt Klein, für den es die ersten Landesmeisterschaften als Leichtathletik-Fachwart der rheinland-pfälzischen Polizei waren. Viele Studenten der Hochschule der Polizei seien diesmal dabei. Das merke man an der Stimmung. Bei den abschließenden Läufen stehen diejenigen, die gerade nicht dran sind, auf dem Rasen und feuern ihre Kollegen lautstark an.
1991 waren sogar schon einmal die deutschen Polizei-Meisterschaften in Wengerohr zu Gast. "Da hat die Bahn quasi noch gedampft", erinnert sich Jochen Borchert an den ersten großen Wettkampf auf Wittlichs ältester Kunststoffrundbahn. Seit 1996 kümmert sich Borchert hauptamtlich um die Ausbildung von Leistungssportlern, die bei der Polizei arbeiten.
Natürlich hätte er es gerne gesehen, wenn der Zehnkampf-Olympia-Vierte Kai Kazmirek auf der Bahn, auf der er 1978 unter der Anleitung von BPA-Sport-Urgestein Matthias Grüber die ersten Lauf-ABC-Schritte gemacht hatte, gestartet wäre. Aber erstens hat sich Kazmirek am vergangenen Wochenende verletzt, und dann stünden natürlich die Weltmeisterschaften in London statt der Polizei-Landestitelkämpfe im Fokus, erklärt Borchert. Übrigens genauso, wie der Sport hintenanstehe, wenn es um dienstliche Aufgaben gehe. So kamen von den 130 gemeldeten Polizisten am Ende nur etwa 120. Etliche mussten kurzfristig zu einem Einsatz.
Extra: POLIZISTEN UND SPORTFÖRDERUNG


"Jeder Polizeibeamte hat die Möglichkeit vier Stunden Sport pro Monat als Dienstzeit einzubringen", erklärt Polizei-Leichtathletik-Fachwart Klaus Klein. Das sei gegenüber anderen Berufen Luxus, sagt Dietrich Viebranz aus Brodenbach, der bereits seit Jahrzehnten an den Polizei-Landesmeisterschaften teilnimmt. Allerdings sei es im Dienstalltag angesichts der Arbeitsbelastung oft auch graue Theorie, gibt der zeitweise in Bernkastel-Kues lebende Pensionär Dieter Schottes zu bedenken. Für Spitzensportler gibt es in Kooperation mit Hessen die Möglichkeit zu einem auf viereinhalb Jahre gestreckten Studiums (normal drei Jahre) mit Ziel Polizeikommissar, wie es beispielsweise Kai Kazmirek absolviert hat.