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Wie die Natur das nur macht

MORBACH. (urs) Seit 20 Jahren hat den Morbacher Josef Mettler die Sammelleidenschaft gepackt. Seine Mineraliensammlung zählt mittlerweile schätzungsweise 400 Exemplare 350 verschiedener Sorten.

Wer das Esszimmer von Josef Mettler betritt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auf dem Kaminsims und in diversen Vitrinen wetteifern Minerale in allen Farben und aus den verschiedensten chemischen Substanzen zusammengesetzt um die Gunst des Betrachters. Mal ist es ein Fluorit (Flussspat), der fluoreszierend auf sich aufmerksam macht. Mal zieht ein durchscheinender Bergkristall die Blicke an, weil in seinem Inneren wie eingeschlossenes Gras aussehende Schörlnadeln zu sehen sind. Wann immer der Morbacher Geschäftsmann seine Steine betrachtet, beschäftigt ihn die Frage, "wie die Natur das nur macht". Dabei seien Minerale eigentlich nur nicht schön genug, um ausgebeutet zu werden, ist er dafür dankbar. Doch nicht nur unbearbeitete Exemplare ziehen ihn in ihren Bann. Denn so faszinierend ein Halit (Steinsalz) ist, der sich, in Wasser gelegt, aufzulösen beginnt, so hat doch auch die Kunst des Schleifens und Gravierens ihren Reiz. Ein von Hand geschaffenes Prachtexemplar ist etwa der tunesische Achat, dessen "roter Knubbel" zu einem stattlichen Maikäfer wurde. Ein Blickfang ist aber auch die aus einem eher schlichten Stein kunstfertig herausgearbeitete Eule. Eines von Mettlers Lieblingsstücken ist die hauchdünne Platte einer Quarzrose. Das Faszinierendste an einer Mineraliensammlung ist jedoch, dass sich einem die wahren Besonderheiten oft erst bei genauem Hinsehen erschließen. Was ist schließlich schon Außergewöhnliches an einem schmutzig grauen, runden Stein? Dennoch ist er einzigartig, weil sich in seinem hermetisch abgeschlossenen Innern noch eine Flüssigkeit befindet: "Da ist noch das Urwasser drin", erklärt Mettler. Dabei hält er die dünnwandige Kugel gegen das Licht, um mit leichtem Schütteln deren schwappenden Inhalt sichtbar zu machen. Andere unscheinbare Exemplare mausern sich auf wundersame Weise binnen Sekundenbruchteilen vom schlichten Stein zum Edelstein - und das nur, weil sie aus einer nur um Millimeter abweichenden Perspektive betrachtet werden. Für den Morbacher sind seine schätzungsweise 400 Steine aber mehr als bloße Anschauungsobjekte. "Ich glaube auch an die Heilkraft der Steine", verrät er, selbst auch einen Anhänger zu tragen. Der rote Granat soll ihn vor Demenz bewahren. Doch die Steine, von denen er etwa 350 verschiedene Sorten in den verschiedensten Größen zusammengetragen hat, haben auf den Sammler ohnehin eine positive Wirkung. Geht es ihm beim Nachhausekommen zum Beispiel einmal nicht so gut, ist das schnell vergessen: "Dann geh' ich zu meinen Steinen, und in zwei Minuten geht's mir wieder besser.""Und so hat das angefangen"

Begonnen hatte Mettlers Sammelleidenschaft mit einer Amethyst-Druse. Als er diese vor etwa 20 Jahren geschenkt bekam, sah sein Esszimmer wie viele andere aus. Doch das sollte sich rasch ändern. Denn die schon etwas größere Druse mit ihren violetten Innenwänden erweckte wohl den Anschein als wollte sie Gesellschaft haben. Erst habe er nur gedacht, "jetzt musst du noch einen Rosenquarz dazubekommen und vielleicht einen grünen Malachit", erinnert er sich. Doch dann sah er da noch ein paar andere Steine: "Und so hat das angefangen."SAMMLER AUFGEPASST: Haben Sie eine ungewöhnliche Sammelleidenschaft und wollen Ihre Sammlung vorstellen? Melden Sie sich per E-Mail mit ein paar Stichworten zu Ihrer Sammlung bei d.schommer@volksfreund.de Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.