Wie die Polizei ihren Nachwuchs ausbildet

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Polizeiarbeit Teil 5 : Wie die Polizei ihren Nachwuchs ausbildet

In Wittlich gibt es viele Polizeieinheiten, die es sonst in der Region an keinem anderen Standort gibt. In diesem Teil der TV-Serie geht es darum, wie die Polizeischüler dort für alle möglichen Einsätze fit gemacht werden.

„Stehen bleiben, Polizei! Lassen Sie das Messer fallen!“ Die Rufe von knapp 100 Stimmen füllen die Turnhalle der Polizeischule in Wittlich-Wengerohr aus. Das Stimmengewirr schwappt über die Polizeibeamten, die gerade durch die Tür hereingekommen sind. Sie bleiben direkt am Eingang stehen und beobachten das Szenario. Die Lautstärke erlaubt beinahe keine Unterhaltung. Es stehen sich immer je zwei Polizeischüler gegenüber und simulieren einen Angriff mit einem Übungsmesser. Nach einer gebellten Anweisung verstummen sie und versammeln sich in Gruppen.

Robert Kirchen, Leiter des Schieß- und Einsatztrainingszentrums auf dem Gelände der Polizei in Wittlich-Wengerohr, erklärt: „Wir üben hier in der Turnhalle natürlich nicht mit echten Waffen, sondern zum Beispiel mit Messerattrappen oder sogenannten Rotwaffen.“ Er zeigt auf einen Karton, der voll mit solchem Übungsmaterial ist. Die Rotwaffen haben ihren Namen von ihrer Farbe, sie sind nämlich tatsächlich rot – so sind sie von den echten, schwarzen Dienstwaffen gut zu unterscheiden.

Während Robert Kirchen spricht, blickt er auf die Schüler in der Halle. „Hier haben wir gerade 98 Studenten aus drei Studiengruppen.“ Derzeit studieren an der Hochschule insgesamt rund 1600 angehende Beamte. Nach einer kurzen Besprechung geht es in der Halle weiter mit anderen Übungen – links wird mittlerweile eine körperliche Auseinandersetzung mit einem Angreifer simuliert. Die Schüler stehen mit Kopfschutz und schwarzen Polizeiwesten auf Polstermatten, die sie auf dem Boden ausgelegt haben.

Der Bachelorstudiengang an der Hochschule der Polizei (HdP) dauert drei Jahre, danach kann der Polizeidienst losgehen. Außerdem gibt es dort auch den Masterstudiengang Polizeimanagement. Die zwei wichtigen Säulen der Ausbildung sind laut Kirchen das Studieren der Verfassung, also zum Beispiel das Beherrschen des öffentlichen Dienstrechts, des Strafrechts oder auch des Tierschutzgesetzes. Die Schüler lernen also vereinfacht gesagt, was sie als Polizeibeamter tun dürfen und auch sollen, und was nicht. Die zweite Säule ist der taktische und praktische Teil, der meist in den Außenstellen stattfindet. Wittlich ist zum Beispiel so eine Außenstelle. Der Hauptstandort ist am Flughafen Hahn im Hunsrück, wo ein Großteil der Theorie gelehrt wird. Eine weitere Außenstelle gibt es in Enkenbach-Alsenborn bei Kaiserslautern.

Auch auf Kampfsituationen am Boden müssen sich die Polizeischüler in ihrem späteren Beruf einstellen. Im Unterricht lernen sie, entsprechend zu reagieren. Foto: TV/Marlene Bucher

Beim praktischen Training üben die Schüler oft unter Stress, damit sie später auf die Einsätze im Berufsleben vorbereitet sind. Die erste praktische Einheit stehe in der Ausbildung zum Polizisten nach sechs Monaten an, erklärt Kirchen. „Wir haben zum Beispiel Trainingswohnungen, in denen wir trainieren können“. Die Schüler klingeln dann beispielsweise bei einem sogenannten Festnahmetraining an einer Wohnungstür und müssen dann auf das, was danach passiert, entsprechend reagieren. „Das machen wir dann auch mal mit einer lauten Geräuschirritationen, weil man im echten Leben ja auch oft abgelenkt ist. Zum Beispiel, wenn in einer Wohnung ein Baby schreit“, sagt der Leiter.

Die Stressresistenz sei also auch ein wichtiger Faktor, der bei einem angehenden Polizisten vorhanden sein sollte. Die Übungen sollen den baldigen Beamten Handlungssicherheit geben – denn je häufiger sie solche Situationen durchspielen, desto besser sind später auch die automatisierten Abläufe auf einem richtigen Einsatz.

An der Hochschule stehen auch ab und zu schriftliche Prüfungen an. „Eine Aufgabe kann da zum Beispiel so aussehen, dass ein Vorgehen bei einem Einsatz beschrieben wird, und dann muss rechtlich bewertet werden, ob das Vorgehen richtig oder falsch war, bezogen auf die Verhältnismäßigkeit“, erklärt Kirchen.

Auch das Schießtraining können die Polizeischüler auf dem Gelände in Wengerohr absolvieren. Dafür üben sie entweder mit ihren eigenen Dienstwaffen oder mit Laserpistolen. Die Leinwände im Schießstand können die Laserstrahlen beim Training erfassen – dadurch können die Schüler sofort sehen, ob sie richtig gezielt haben. Außerdem gibt es bei jedem abgegebenen Laser-Schuss ein Schuss-Geräusch per Lautsprecher.

Neben der Ausbildung der neuen Polizisten kommen aber auch die schon fertig ausgebildeten Beamten nach Wittlich, um Fortbildungen und praktische Übungen zu machen. Denn nicht nur die Außenstelle der Polizeihochschule hat in der Säubrennerstadt ihren Sitz, sondern auch viele weitere Einheiten und Dienststellen der Polizei (siehe Info). Die Trainingseinheiten zur Auffrischung gibt es laut Kirchen für die Polizisten in der Region in regelmäßigen Abständen, damit sie immer auf dem neuesten Stand bleiben.

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