Wie die Wehlener zu ihrem Spitznamen kommen

Wie die Wehlener zu ihrem Spitznamen kommen

Bald erschallt im kleinen Moselort wieder der Karnevalsruf "Wehlener Eulen Uhuu". Die Eule ist der Neckname der Wehlener, das nachtaktive Tier ziert den gleichnamigen Dorfbrunnen; und fast an und in jedem Haus ist die Eule in jeglicher Größe anzutreffen. Der Karnevalsverein und ein Spielplatz tragen ihren Namen. Da stellt sich die Frage: Wie kamen die Wehlener zu ihrem Necknamen?

Bernkastel-Kues/Wehlen. Sie steht nicht nur auf der Akropolis in Athen, auch im beschaulichen Wehlen an der Mosel ist die Eule gern gesehen. Stolz sind die Dorfbewohner auf ihren Necknamen "Eule". Denn wie sonst ist es zu erklären, dass diese als klug und weise geltenden Vögel im kleinen Weinort allgegenwärtig sind. Sie stehen in Stein gemeißelt an Haustüren und begrüßen den Besucher, sie verstecken sich hölzern im Vorgarten oder zieren als gläserne Exemplare Wohnzimmer-Vitrinen. Und als Pärchen schauen sie in Bronze verewigt vom Dorfbrunnen herab.
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Zu necken und zu spotten ist eine menschliche Eigenschaft, die es zu allen Zeiten gab. Als man noch dörfliche Gemeinschaften kannte, blieb es nicht aus, dass man Leute aus anderen Ortschaften ein wenig necken wollte. Das war früher besonders im Wirtshaus eine beliebte Beschäftigung. Zuweilen bezogen sich die Spitz- oder Necknamen auf Begebenheiten in einer bestimmten Ortschaft. Oft waren auch landwirtschaftliche Bedingungen, bestimmte Produkte oder eine geschichtliche Besonderheit der Grund für den Necknamen.
Wie die Wehlener zu ihrem "Spitznamen" kamen, darüber weiß Chronist Hans-Ulrich Praus zu berichten. "Die Eule ist die scherzhafte Bezeichnung für uns Ortseinwohner, die wir aller Wahrscheinlichkeit nach den Graachern von der gegenüberliegenden Moselseite zu verdanken haben", sagt Praus mit einem Schmunzeln. Und das habe sicher mit der geografischen Lage zu tun. Denn der Gleithang oberhalb des Ortes Wehlen bietet seit jeher Raum für Natur und Tiere. Schleiereulen, Wald- und Steinkauz sind bis heute hier beheimatet und zuweilen in den Bäumen zu sehen. Graach liegt am Fuße eines Steil- oder Prallhanges. Aufgrund des überwiegenden Westwindes konnten die Graacher seit jeher die Schreie der überaus stimmfreudigen Eulen besonders gut hören. So kamen nach dem gerne zitierten Satz: "Hörst du sie wieder, die Wehlener Eulen", die Dorfbewohner zu ihrem Necknamen.
Steingewordenes Denkmal für die "Eule" ist der gleichnamige Brunnen in Wehlen, der im August 1982 eingeweiht wurde. Er steht an der Hauptstraße an der Abzweigung zur Brückenstraße. Die aus grünlichem Dolomit geschaffene Brunnenanlage mit mehreren Becken und gekrönt von zwei aus Bronze gegossenen Eulen, ist ein Werk des heimischen Steinmetzes und Bildhauers Bernd Wendhut. Er schuf im Auftrag der Stadt Bernkastel-Kues dieses Werk, dessen Kosten 70 000 Mark betrugen, berichtete der Trierische Volksfreund. Der Laufbrunnen wird gespeist vom Wasser des "Weiherborn", einem Vorgängerbrunnen. Den oberen Teil ziert ein Kranz aus Trauben mit dem Ortswappen von 1936. Dieses zeigt im oberen Drittel die Rose als Merkmal des alten Gerichts- und Schöffensiegels. In den beiden unteren Dritteln sind links die Traube und rechts der Apfel als Hinweise auf die landwirtschaftlichen Einnahmequellen des Ortes Wehlen abgebildet.
Auf Vorschlag von Praus schaut von ganz oben das Eulenpärchen auf die Besucher herab: "Damit haben wir unseren Necknamen auf wunderbare Weise verewigt". Die damaligen Stadtoberen, Stadtbürgermeister Heinz Grundhöfer und Wehlens Ortsvorsteher Willi Weins, freuten sich über diesen "neuen Mittelpunkt für Jung und Alt". Mag sein, dass hier am Eulenbrunnen auch schon oft über die besondere Sammelleidenschaft der Dorfbewohner geschwätzt wurde. Denn die Eulensammlung im Ort und in den Häusern ist beachtlich. Doch in Abwandlung eines bekannten Sprichwortes macht es durchaus Sinn, noch mehr "Eulen nach Wehlen zu tragen".
Extra

Die Eule gilt seit jeher in vielen Kulturen als Tier der Weisheit. Eulen haben - im Gegensatz zu anderen Vögeln - starr nach vorne gerichtete Augen. Da sie die Augenlider von oben nach unten über den Augapfel ziehen können, erscheint ihr Gesicht sehr menschlich. So werden der Eule Intelligenz und Weisheit zugeschrieben und sie wird daher oftmals mit Doktorhut und Talar oder auf Büchern sitzend abgebildet. Die Eule (Steinkauz) war in der Antike die Begleiterin und Symbol der Göttin Athene. Die Vorderseite der damaligen attischen Silbermünzen zierte Athenes Kopf, auf der Rückseite war der Steinkauz zu sehen. Diese Münze nannte man "Eule". "Eulen nach Athen tragen" galt damals (und ist auch heute noch Sinn der Redensart) als überflüssige Tätigkeit, da Athen eine sehr reiche Stadt war. mbl

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