1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Wie ein Wittlicher Unternehmen Nester des Eichenprozessionsspinners entfernt

Kampf gegen giftige Raupe : Wie ein Wittlicher Unternehmen Nester des Eichenpro­zessionsspinners entfernt (Fotos)

Ein Wittlicher Unternehmen entfernt Nester des Eichenpro­zessionsspinners. Der TV hat Mitarbeiter bei der Arbeit begleitet.

Über Mangel an Arbeit kann sich Julius Mann derzeit nicht beklagen. „Momentan habe ich einen 15-Stunden-Tag, sechs Tage die Woche“, sagt er. Mann ist Inhaber des Baumpflegebetriebs Baumkonzept in Wittlich. Der Grund seiner guten Auftragslage ist das verstärkte Auftreten des Eichenprozessionsspinners in der Region. Zwischen vier und sechs Personen sind in seinem Auftrag täglich in Zweierteams unterwegs, um Nester und Raupen des Falters zu entfernen. Denn die feinen Brennhaare der Raupe können schwere allergische Reaktionen auslösen.

In der Stadt Wittlich, der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, dem Landkreis Trier-Saarburg und in der südlichen Eifel stehen Eichen, an denen Mann und seine Leute den Eichenprozessionsspinner bereits bekämpft haben. „Dieses Jahr war ich bestimmt schon an 1000 Bäumen aktiv“, sagt der Unternehmer. Besonders stark betroffen in diesem Jahr ist der Raum Wittlich, wo die Raupen des Falters laut dem Klausener Förster Alois Meyer im Vorjahr erstmals aufgetaucht sind. Die Stadt Wittlich habe ermittelt, dass sie rund 70 Eichen im Stadtgebiet habe, sagt Mann. „Das war denen bisher gar nicht bewusst.“

An diesem Tag ist der Unternehmer mit seinem Mitarbeiter Dennis Wolf in Trier im Einsatz. Eine Adresse ist ein Seitengässchen des Domfreihofs, wo sechs junge Eichen stehen. Ein Baum ist von der Raupe befallen und mit Hilfe von Mülltonnen und rot-weißem Flatterband abgesperrt. „Schauen Sie mal nach oben –  an den Ast“, zeigt Mann hoch. Dort sind angefressene Blätter zu erkennen. „Das ist ein Anzeichen, dass der Baum befallen ist“, sagt er. „Nachts prozessieren die Raupen und fressen, tagsüber ziehen sie sich in ihre Nester zurück.“ Zwei Raupengespinste machen die beiden hier aus. In Schutzkleidung – einem Astronautenanzug ähnlich – nähert sich Wolf dem Baum, um diese zu beseitigen. „Jetzt sind die Raupen verklebt und lassen sich nicht mehr absaugen“, erklärt Mann. Wolf zückt eine Spraydose, um das erste Nest zu verkleben. Anschließend sammelt er das netzartige Gespinst per Hand ein und steckt es in einen Plastikbeutel, der etwas stärker ist als ein Mülleimerbeutel. Wieder sprayt Wolf die Stelle mit dem Kleber ein, um die nicht sichtbaren Reste zu fixieren, sie anschließend mit einem Gasbrenner abzuflämmen und sie so zu beseitigen. Denn das Gift der rund 0,3 Millimeter großen Brennhaare, die bei Menschen Allergien auslösen, bleibt bis zu zehn Jahre aktiv, sagt Mann. Das zweite Nest hat Wolf auf die gleiche Weise ebenfalls schnell entfernt. Ein kleiner Befall, der in 15 Minuten erledigt ist. „In großen Bäumen finden wir bis zu 30 Nester, die bis zu zwei Fußbälle groß werden können“, sagt er. Die Beutel mit den Raupen nehmen die beiden mit, um sie später in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Rivenich entsorgen zu lassen. Der nächste Einsatzort von Mann und Wolf ist auf einem Privatgelände in Mariahof. Hier stellt sich die Lage anders dar zuvor. „Der hängt richtig voll, mindestens 20 Nester“, sagt Wolf nach einer ersten Besichtigung der Eiche, die das nebenstehende fünfstöckige Wohngebäude überragt. Allein in einem ersten Durchgang entfernen die beiden neun Nester in Bodennähe, bevor es dann hoch in den Baum geht. Wolf befestigt einen Klettergurt über seiner Schutzkleidung, bevor er dann mit Muskelkraft an einem Seil in die Höhe steigt, das er zuvor über den Baum geworfen und am Baumstamm festgezurrt hat. In wenigen Sekunden ist Wolf nur knapp unter der Baumkrone und startet dort erneut seine Arbeit. Die dafür notwendigen Utensilien zieht er aus seinem Rucksack. „Das ist nur etwas für Schwindelfreie“, sagt Mann, der seinen Mitarbeiter unten sichert. „Wenn wir bei den heißen Temperaturen der vergangenen Tage in Schutzkleidung in den Baum klettern, ist das wie Hochleistungssport in der Sauna“, sagt er. Um der Mittagshitze zu entgehen, starten er und seine Männer schon mal morgens um halb fünf.

Den Eichenprozessionsspinner gebe es in der Region schon länger, sagt Mann. Nur seien die Vorkommen aufgrund der vergangenen warmen und trockenen Jahre deutlich angestiegen, woraufhin der Schädling stärker in die Aufmerksamkeit der Menschen gelangt sei. „Die Raupen sind jetzt da, wir müssen lernen, damit zu leben“, sagt er. Bäume können auch vorbehandelt werden, sagt der Fachmann. So die Blätter  mit einem Mittel behandelt werden. Die Raupen, die im ersten Stadium ihrer Entwicklung noch keine Brennhaare entwickelt haben, verenden, sobald sie diese Blätter fressen.

Gleichzeitig warnt Mann, nicht in Panik zu verfallen. Wichtig sei, die Menschen für den Eichenprozessionsspinner zu sensibilisieren. Vorbildlich gelungen sei das in der Kita Wittlich-Neuerburg. Dorthin sind Mann und seine Mitarbeiter insgesamt sechsmal ausgerückt. Viermal seien die Raupen umhergekrabbelt, und keinem Kind ist nach seinem Kenntnisstand etwas passiert. „Die Erzieher waren auf die Herausforderung gut vorbereitet“, sagt er.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wittlicher Unternehmer bekämpft in Trier Raupennester des Eichenprozessionsspinners