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Wie eine Mutter vor 100 Jahren lebte

Wie eine Mutter vor 100 Jahren lebte

Geschichte und Gegenwart des Hunsrücks sind Themen in der neuen "Hott", der Mitgliederzeitschrift des Hunsrückvereins. Ihre 69. Ausgabe liegt nun vor und beleuchtet das Schicksal der Helene Linn.

Morbach/Thalfang (red) Die 69. Ausgabe der "Hott", die von der Morbacher Ortsgruppe des Hunsrückvereins herausgegeben wird, markiert mit ihrem Titelbild die einschneidenden Veränderungen der Lebensverhältnisse in den letzten 100 Jahren.
1905 zeichnete Wilhelm Terwei die Gonzerather Bäuerin Helene Linn bei der Handarbeit. Sie war damals mit ihrem vierzehnten Kind schwanger. Brunhilde Gorges (Hundheim) skizziert ihr mühevolles und arbeitsreiches Leben anhand von Fundstücken auf dem Dachboden, unter anderem einem Brief an den Sohn Fritz aus dem Jahr 1917, der wie weitere sechs Brüder als Soldat "im Felde" ist. Wie der Totenzettel ausweist, starb "Frau Matthias Linn" nur zwei Wochen später mit 53 Jahren - ein für die damalige Zeit nicht ungewöhnliches Frauenschicksal. Ähnlich berührend erzählt auch Leo P. Schmitz in der 3. Folge von "Der Bauer" über das Leben seines Großvaters in Heinzerath, der in jungen Jahren seine Frau verlor, und dessen Kinder nun ihre eigenen Familien gründen. Josef Schmitz (Heinzerath) berichtet bemerkenswerte Einzelheiten von der Kriegs-Geschichte der Heinzerather Glocke, die 1948 aus dem Glockenlager in Hamburg heimkehrte.
Auch diese "Hott" wird mit einem Dorf der "Mark Thalfang" eröffnet. Diesmal ist das kleine Rorodt an der Reihe, vorgestellt von Hermann Klein und Rainer Gehlen. Ein Abriss der Geschichte des Thalfanger "Zwölfgemeindenwaldes" (Elmar P. Ittenbach) ergänzt das Dorfporträt. Ittenbachs regionaler Literatur-Tipp präsentiert den spannenden Moselroman "Die goldenen Berge" von Clara Viebig, der sich mit dem Sturm auf das Finanzamt Bernkastel im Februar 1926 beschäftigt.
Aus Thalfang stammt auch Horst Hubert, der viel Interessantes über sein "Steckenpferd", den Amateurfunk, zu berichten weiß. Die Malborner St.-Nikolaus-Quelle stellt Brigitte Klein in ihrem Betriebsporträt vor. Dort produzieren 25 Mitarbeiter unter anderem bei Vollmond ganz außergewöhnliches Mineralwasser. Mit dem Essen beschäftigen sich dagegen zwei weitere Artikel: Armin Peter Faust (Idar-Oberstein) schreibt über das Butterbrot, die "Schmier", das besonders lecker bei Oma Emma war, und der Milchwächter, das "Kläpperche" genannt, dient Rita Schäfer (Hoxel) als Anlass für ein Grießpudding-Rezept.
Ein nahezu unbekanntes Gerät aus der Landwirtschaft stellt Gunter Altenkirch mit der Schubbsense vor. Sie diente der mühseligen Arbeit des Mähens von Gras und Farn an Wegrändern. In der Hunsrücker Gegenwart bewegt sich dagegen Pater Bernardo aus Morbach, der seine sommerliche Abend-Radtour zum "Kirchspiel Kleinich" so lebendig schildert, dass man Lust bekommt, sich ebenfalls an die 50 km lange Strecke zu wagen.
Dies alles und noch mehr bietet das reichhaltig illustrierte Heft für drei Euro, erhältlich in den bekannten Verkaufsstellen in Trier, Hermeskeil, Thalfang, Morbach und Bernkastel.

Extra: HUNSRÜCKVEREIN


Der Hunsrückverein e. V. (HRV) mit Sitz in Bernkastel-Kues ist ein regionaler Heimat-, Kultur- und Wanderverein in Rheinland-Pfalz. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine, dem in Deutschland 57 Wandervereine angehören. Er hat zirka 3000 Mitglieder.