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Wie eine Schachtel in der Schachtel

Wie eine Schachtel in der Schachtel

Als Fachwerkdorf ist Enkirch bereits bekannt. Nun wird der Geschichte der alten Gebäude wissenschaftlich auf den Grund gegangen. Fünf Wochen lang untersuchte ein Bauforscher 30 Fachwerkbauten.

Enkirch. Matthias Preißler weiß genau, was er tut und worauf er achten muss. Und das muss er auch. In der Regel in nur rund drei Stunden. "Manchmal auch weniger", sagt der Historiker und Bauforscher. Er hat fünf Wochen lang Enkircher Fachwerkhäuser genauer unter die Lupe genommen. "Ich war erstaunt, dass unter den Häusern nur kleine Keller sind. Das waren meist die Keimzellen für relativ kleine Häuser, die früher hier standen", erklärt er. So werden zwar viele Enkircher Häuser auf das 17. Jahrhundert datiert. "Aber die Keller sind noch älter", sagt Preißler. "Das ist wie eine Schachtel in der Schachtel in der Schachtel."
Was Preißler über die Geschichte der untersuchten Fachwerkhäuser herausgefunden hat, wird den Eigentümern als Bericht zur Verfügung gestellt. Ein kleines Dankeschön dafür, dass sie einen Fremden ihre Privaträume untersuchen ließen.
Die Enkircher zeigten sich sehr aufgeschlossen. "Die meisten waren sofort begeistert. Bei manchen musste man ein gutes Wort einlegen", sagt Dieter Bautz, der die Untersuchung koordinierte. Von 38 ins Auge gefassten Gebäuden konnte Preißler 30 untersuchen. Als Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Fachwerkdorf Enkirch hofft Bautz, dass die Erkenntnisse langfristig auch touristisch genutzt werden können. Dass das Interesse da ist, habe man am Tag des offenen Denkmals gemerkt, als 138 Gäste an den Führungen teilnahmen.
Das Büro für Bauforschung, Dokumentation und Konzeption (BDK) aus Heidelberg, für das Preißler im Auftrag der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz die Untersuchung durchführte, betrat in Enkirch auch Neuland. "Für uns ist es auch ein Novum, einen ganzen Ort zu untersuchen", sagt BDK-Chef Achim Wendt. Es sei aber höchste Zeit gewesen, sich mit den historischen Häusern zu befassen.
Seit etwa 15 Jahren gebe es für Rheinland-Pfalz eine Art Schnellerfassung des historischen Hausbestands. Im Bereich der Mosel sei dies bisher die einzige Katalogisierung, erklärt Doris Fischer. "Das ist in Anbetracht dieses alten Hausbestands völlig unzureichend", sagt die stellvertretende Landeskonservatorin.
Warum man gerade Enkirch ausgewählt habe? Natürlich wegen der vielen alten Häuser. "Solche Projekte scheitern in der Regel an der Organisation, weil man jemanden vor Ort braucht", ergänzt Fischer. In Enkirch gibt es in der Bürgerstiftung Fachwerkdorf Enkirch aber Menschen, die sich für das historische Erbe in ihrem Heimatdorf einsetzen.
Dass nach den Vor-Ort-Untersuchungen die Arbeit erst beginnt, weiß nicht nur Preißler. Im neuen Jahr ist eine Präsentation der Ergebnisse geplant. Aus den Forschungen in Enkirch könnten sich Folgeprojekte entwickeln, ist sich Doris Fischer außerdem sicher.