Wirtschaft: Wie Firmen künftig um Arbeitnehmer kämpfen

Wirtschaft : Wie Firmen künftig um Arbeitnehmer kämpfen

Mit dem Thema Fachkräftemangel und Gewinnung neuer Mitarbeiter hat sich ein Forum in der Synagoge Wittlich beschäftigt.

Geeignete Arbeitskräfte zu finden wird immer schwieriger. Das hat schon so manches Unternehmen erfahren. Grund genug für die Stadt Wittlich, zusammen mit dem Medien- und IT-Netzwerk Trier-Luxemburg (mitl) eine gemeinsame Veranstaltung unter dem Titel „War for Talents“ – Krieg um Talente zu organisieren.

„Wir tun uns auch als Verwaltung schwer, gute Mitarbeiter zu finden“, sagt der Wittlicher Stadtbürgermeister Joachim Rodenkirch. „Sie müssen sich um die Köpfe bewerben“, beschreibt Thomas Simon, Vorsitzender der mitl den rund 150 Unternehmern und Führungsmitarbeitern in der Wittlicher Synagoge die neue Situation.

Diese bestätigen, dass sich die Mitarbeitersuche immer mehr als Problem herausstellt. „Da es wenige gibt, steigen auch die Gehaltsforderungen“, sagt Joachim Marder von Jam Software in Trier. Dabei schlage sich auch die Nähe zu Luxemburg nieder. Jam Software nutzt seine Nähe zur Uni Trier. Studentische Hilfskräfte würden später in ein Arbeitsverhältnis übernommen. „Wir wollen uns als Arbeitgeber einen guten Ruf aufbauen“, sagt er.

Edgar Müller vom Wittlicher Unternehmen Lehnerts und Müller Kältetechnik, wo insgesamt 50 Mitarbeiter beschäftigt sind, besucht das Innovationsforum, um das Handwerk herauszustellen und Ideen zu sammeln. „Es ist im Handwerk schwierig, Leute zu finden“, sagt er. Auch Wolfgang Gietzen von VDD Agentur für Grafik und Werbung ist auf der Suche nach Ideen, allerdings, um für seinen Betrieb mit zwei Mitarbeitern einen Nachfolger zu finden. Bei seinen komplizierten Produkten sind Kenntnisse in Maschinenbau und Computer gefragt. „Mal hören, was gesagt wird“, sagt er.

Mike Raes von Business People Companion in Trier berät andere Unternehmen und empfiehlt Firmenchefs, ihre Organisation und die Positionierung zu klären. Durch Selbstverantwortung erhielten die Mitarbeiter Bindung und blieben länger beim jeweiligen Arbeitgeber.

Der als sogenannter Keynote Speaker, also als Hauptredner eingeladene Berliner Unternehmer und Dozent für soziale Netzwerke Andreas Dittes sagt, im Vergleich zum amerikanischen Silicon Valley habe hierzulande der Kampf um die Arbeitskräfte erst begonnen. Bis 2030 fehlten in Deutschland 4,9 Millionen Fachkräfte. Doch hätten kleine und mittelständische Unternehmen gute Chancen, weil sie oft schneller sind als Großunternehmen. Dabei sei die Digitalisierung bei der Suche nach neuen Arbeitskräften noch nicht angekommen. Eine Eingangsbestätigung auf eine Bewerbung muss sofort verschickt werden, also per Mail oder Whatsapp. Das Gehalt sei wichtig, „aber der Arbeitnehmer fragt sich, was hat mir das Unternehmen sonst noch zu bieten“, sagt er. Außerdem bräuchte es innovative Ideen bei der Akquirierung neuer Arbeitskräfte und nennt Beispiele. So habe ein Unternehmer den Mitarbeitern eines Konkurrenten über einen Pizzadienst einen QR-Code zukommen lassen, in dem dieser auf die besseren Arbeitsbedingungen in seinem Betrieb hingewiesen habe. In den nächsten Tagen hätte vier Mitarbeiter darauf reagiert.

Rodenkirch und Simon weisen gemeinsam auf die Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft hin, um die Region als attraktive „Schwarmregion“ zu begreifen, wie der Bürgermeister es ausdrückt, um Arbeitskräfte hierzubehalten und einer Fluktuation vorzubeugen. Beispielsweise gehöre dazu auch die Kita, die von 5 Uhr bis 22.30 Uhr eine Betreuung anbietet. Rodenkirch: „Wir müssen auch da innovativ denken.“