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Wie funktioniert Onlineunterricht im Landkreis Bernkastel-Wittlich

Unterricht in Zeiten der Coronakrise : Lernen auf allen digitalen Kanälen

Von wegen verlängerte Ferien: Die Schulen im Landkreis informieren ihre Schüler digital, welche Inhalte sie lernen und üben sollen. Aber wie gut funktioniert das digitale Lernen? Der TV hat sich bei einigen Schulen in Bernkastel-Wittlich umgehört.

Die Schulen sind geschlossen, der Unterricht an den weiterführenden Schulen wie Integrierte Gesamtschulen, Realschulen plus und Gymnasien geht weiter. Dabei setzen sie auf das Internet. Statt den Jungen und Mädchen die Inhalte im Frontalunterricht zu vermitteln und Hausaufgaben aufzugeben, korrespondieren die Lehrer mit ihren Schülern auf elektronischem Weg.

So auch bei der Integrierten Gesamtschule Salmtal. Auf der Internetseite der IGS finden die Schüler ihre Aufgaben, nach Klassen und  Fächern geordnet. Dort stehen die Arbeitsaufträge, die sie sich zu Hause selbst erarbeiten sollen. Die Schüler der Klasse 6b sollen zum Beispiel in Mathematik mit Verweis auf die entsprechenden Seiten im Schulbuch das Bruchrechnen und in Englisch die einfache Vergangenheitsform üben.

 Zusätzlich hat der Lehrer auf ein Video des ARD-Bildungskanals Alpha verwiesen, das zum Thema passt und bei dem die Jungen und Mädchen der Klasse auch das gesprochene Englisch hören – Lernen auf allen Kanälen.

In allen Fächern sind Lerninhalte eingestellt, die die Jungen und Mädchen erarbeiten sollen. Dazu sind zur Rückmeldung verschiedene Wege vereinbart wie eine Antwort per E-Mail oder über eine Cloud. Auf diesem Weg können die Lehrer ihren Schützlingen auch Lerntipps geben.

 „Das klappt recht gut“, sagt IGS-Schulleiter Peter Riedel. Neben den Pflichtaufgaben könnten die Jungen und Mädchen auf freiwilliger Basis auch Erweiterungsaufgaben lösen. Onlinefragebögen bieten auch den Eltern die Möglichkeit, Rückmeldungen an die Schule zu geben. Allerdings sei das nicht die Fortsetzung des Unterrichts mit anderen Mitteln, macht Riedel klar. Denn die sofortigen Entscheidungen der Lehrer, die ihren Schülern während des Unterrichts ansehen können, ob sie die Lerninhalte verstanden haben und diese bei Bedarf noch einmal erklären, das sei auf diesem Weg nicht möglich. Außerdem seien für den Lernerfolg die Bedingungen in den jeweiligen Haushalten wichtig. Ist die Internetverbindung stabil? Müssen sich drei bis vier Kinder einen Computer teilen?

 Zudem müssten die Schüler auch mit den Einschränkungen umgehen können und die psychische Verfassung der Schüler berücksichtigt werden. „Sie sehen ihre Freunde nicht“, gibt Riedel zu bedenken. Deshalb beschränken sich die Lehrer der IGS Salmtal bisher auf die Vertiefung und Wiederholung des bereits gelernten Stoffs. Doch könne das nicht endlos weitergeführt werden. „Wenn die Schule nach Ostern weiter geschlossen bleibt, müssen wir uns andere Formen der Wissensvermittlung suchen und finden“, sagt Riedel.

Die Realschule plus in Thalfang stellt die Arbeitsaufträge ebenfalls nach Klassen und Fächern geordnet auf ihre Internetseite, sagt Schulleiterin Sabine Becker. Auch hier finden sich Links auf Videos und andere Seiten im Internet, deren Inhalte den Stoff ergänzen.  Schüler, die über keine oder nur eine unzureichende Onlineverbindung verfügten, bekämen Arbeitsblätter ausgedruckt und zugeschickt. Das Zurückschicken der Lösungen durch die Schüler erfolge auf freiwilliger Basis. Die Lehrer seien angehalten, mit ihren Schülern per E-Mail oder Telefon Kontakt aufzunehmen und diese auch zu motivieren.

Das Gymnasium Traben-Trarbach nutzt die Lernplattform des Landes mit dem Namen „Moodle.“ Dort würden die Schüler online in einer Art virtuellem Klassenzimmer unterrichtet, sagt Schulleiter Rudolf Müller-Keßeler. Aufgaben würden eingestellt und Lösungen von den Schülern übermittelt.

„Wir haben rückgefragt, es scheint gut zu funktionieren“, sagt er. In den ersten Tagen habe es allerdings Probleme mit der zusätzlich benötigten Kapazität der Plattform gegeben, die inzwischen aber gelöst seien. Unterschiede gebe es zwischen den Klassenstufen. Ältere Schüler seien es mehr gewöhnt, selbstständig zu arbeiten.  Von den jüngeren kämen wesentlich mehr Rückfragen, weil diese mehr Probleme mit der Arbeitsweise hätten. „Das muss sich noch einspielen“, sagt Müller-Keßeler.

Die Berufsbildenden Schulen in Bernkastel-Kues stehen im Gegensatz zu anderen Schulformen vor einer besonderen Herausforderung. Denn dort müssen in bis zu 25 Berufen Prüfungen abgenommen werden. „Wir warten auf den Tag X“, sagt Schulleiter Willy Günther zum Moment, wenn die Schüler wieder zur Schule kommen dürfen. Die dann umzusetzende Organisation aller Prüfungsarbeiten sei eine „große Stemmarbeit“, sagt er. „Wir müssen viel Planung leisten.“ Der Unterricht selbst verlaufe auf vier Ebenen: Per E-Mail und Moodle, aber auch per Schulbox, über die sich die Schüler die Aufgaben herunterladen können, und über eine Schulcloud, über die Lehrer und Schüler zusätzlich miteinander chatten können.

Den Lehrern ist es selbst überlassen, welche Kommunikationswege sie nutzen. Am Anfang sei es eine Herausforderung gewesen. Doch nach ein paar Tagen der Eingewöhnung habe sich alles gut eingespielt. Eine Herausforderung sei die Motivation der Schüler, denen die Sozialkontakte im Klassenverbund fehlten. Die Lehrer sind nicht nur als Wissensvermittler, sondern vielmehr noch als Psychologe und Pädagoge gefordert, sagt Günther. Dadurch hätten die Lehrer wesentlich mehr zu tun als im normalen Schulbetrieb. Günther ist sich eines sicher: „Sowohl Lehrer als auch Schüler freuen sich nach dem Ende der Coronazeit auf den traditionellen Unterricht wie noch nie.“

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem digitalen Unterricht? Schreiben Sie uns kurz Ihre Meinung (mit vollständigem Namen und Wohnort) per E-Mail an mosel@volksfreund.de. Wie sich Familien während Corona organisieren, lesen Sie auf Seite 12.