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Wie geht die Sprachförderung in den Kitas in Bernkastel-Wittlich weiter?

Bildung : Fragen um Französisch in den Kitas

In fünf Kitas im Kreis gibt es Französischförderung. Über die weitere Finanzierung gibt es Unklarheiten, denn das Kita Zukunftsgesetz hat im Kreis andere Schwerpunkte.

Rund 1,1 Millionen gibt das Land dem Landkreis Bernkastel-Wittlich für gezielte pädagogische Arbeit in den Kindertagesstätten. Doch ab Juli wird sich die Finanzierung in den Kitas ändern (wir berichteten). Und diese Änderung sorgt momentan für Verwirrung und Verunsicherung, bei Eltern, in den Kitas und bei der Kreisverwaltung. Deshalb hat der Volksfreund noch mal nachgehakt.

Bisher gab es Geld für die Kindergartengruppen und für Projekte. Dann gibt es einen Topf, der sich „Sozialraumbudget“ nennt. Darin sind die 1,1 Millionen vom Land und zusätzlich etwa 700 000 Euro vom Kreis enthalten. Die Jugendhilfeausschüsse der Jugendämter in den Kreisen können entscheiden, wo die Förderschwerpunkte im Kreis für die Kindergärten liegen. Für den Kreis Bernkastel-Kues wurden im Juni 2020 die Themen „Kita-Sozialarbeit“ mit dem Schwerpunkt interkulturelle Arbeit und „Kinderrechte, Resilienzorientierung und Familienunterstützungen“ festgelegt. Resilienz bedeutet, die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Die neue Situation hat zur Folge, dass beispielsweise das Projekt „Lerne die Sprache des Nachbarn“, das es seit dem Jahr 2000 gab, wohl nicht mehr aus diesem Budget finanziert werden kann.

In fünf Kindertagesstätten im Kreis wurde beispielsweise Französisch gelehrt. Muttersprachlerinnen haben den Kindern spielerisch Kultur und Sprache ihres Landes nähergebracht (der TV berichtete). Das Programm „Lerne die Sprache des Nachbarn“ wurde über ein Förderprogramm mit 60 Prozent vom Land, 20 Prozent vom Kreis und 20 Prozent vom jeweiligen Träger finanziert. Insgesamt gab 140 000 Euro für die Personalkosten in den fünf Kitas.

Das muss aber nicht das Aus der Französischförderung im Kreis Bernkastel-Wittlich bedeuten. „Es ist denkbar, dass eine Muttersprachlerin aufgrund der Konzeption der Einrichtung als profilergänzende Kraft tätig sein soll und deshalb als Beschäftigte der Kita von deren Träger angestellt wird“, sagt Bettina Brück, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.

Die fünf Kitas sind dennoch ein wenig ratlos, wie es mit ihrer Französischförderung und ihren Fachkräften weitergehen soll. Beate Flesch, Leiterin der Kita in Bergweiler, sagt: „Wir würden unser Französischangebot gerne beibehalten, aber wir wissen noch nicht, wie wir es angehen müssen, um die Fachkraft, die eine halbe Stelle hat, zu finanzieren. Da ist für uns noch vieles unklar.“

Ähnlich ist es in der Kita Sehlem/Esch. Leiterin Marion Pull würde die Französischkraft gerne behalten, aber „wir wissen noch nichts.“ Auch in Klausen kritisiert Jürgen Weide, Erster Beigeordneter und zuständig für die Kita, den Informationsfluss vom Land bis zu den Kommunen als dürftig. „Die Bestimmungen kommen sehr spät. Wir werden Französisch weiter in unserem Konzept festschreiben und hoffen dadurch zusätzliche Personalmittel zu bekommen, oder über den Stellenschlüssel eine Lösung herbeizuführen.“ Weiter sagt er: „Denn die Grenznähe zu Luxemburg, Frankreich und Belgien ist ja gegeben, und wir wollen unsere Französischkraft halten.“ In Hetzerath soll, so der aktuelle Stand, die Stelle wegfallen. Sarah Hoffmann, von der Kita gGmbH: „Wir prüfen momentan andere Möglichkeiten der Finanzierung. Es gibt ein großes Bedauern, und der Elternausschuss setzt sich auch für die Fortführung ein.“

Sollte es in den Kitas weitergehen, sollen die französischen Sprachkräfte Muttersprachler sein. In Ausnahmefällen wäre es auch möglich, dass auch Nicht-Muttersprachler mit nachgewiesenen Französischkenntnissen eingesetzt werden könnten, so die Landtagsabgeordnete. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurde das Projekt „Lerne die Sprache des Nachbarn“ als Schwerpunkt im Sozialraumbudget festgeschrieben, und es kann somit weiterlaufen.