Wie Kinder in Schwingung geraten

WEHLEN/LIESER. Die Harmonie des Menschen mit sich selbst und seiner Umwelt ist vielfach beeinträchtigt durch Stress in allen Lebensbereichen. Hier kann Klang-Entspannung positiv auf Körper und Geist wirken.

Die Kinder im Gemeinschaftskindergarten in Wehlen sitzen im Kreis inmitten zahlreicher großer und kleiner Klangschalen. In der Mitte steht eine große, mit Wasser gefüllte Schale. Mucksmäuschenstill lauschen die Kleinen dem Klang, den der Schlag des Klöppels an die Wand der Schale erzeugt. Das Wasser gerät in Schwingung - Vibrationen, die die Kinder beim Eintauchen der Hände im ganzen Körper spüren. "Beeindruckend ist die Ruhe, zu der die Kinder finden", bemerkt Annette Künzig, Leiterin des Gemeinschaftskindergartens auf dem Kueser Plateau. Gerade in der heutigen Hektik des Alltags könne eine solche Entspannungsmethode von vielfältigem Druck befreien und neue Lebensfreude schaffen, unterstreicht Michael Konrath. In seiner privaten Praxis für Gesundheit in Lieser werden Klänge therapeutisch und pädagogisch eingesetzt unter Anwendung von Klangmassage und Klangpädagogik nach dem Physiker und Klangpädagogen Peter Hess. Landesweit arbeiten vier Klangpädagogen, bundesweit sind es rund 60, wobei sich die Klangpädagogik in Theorie und Praxis auch international ausweitet. Das Konzept der Klangpädagogik ist nach mehrjähriger Erfahrung in der Klangmassage als Weiterbildung entstanden. Denn die positive Wirkung der Schwingungen, die die Zellstruktur sehr achtsam und dosiert in Bewegung bringen, können positiven Einfluss auf viele Lebensbereiche haben. So versteht sich die Klangpädagogik als kreative Lern- und Lebensbegleitung. "Auf dieser Welt gibt es nichts ohne Schwingungen", versichern Konrath und Inge Bader-Vogedes, die eine zweijährige Ausbildung zu Klangpädagogen nach Peter Hess absolvierten. Die beiden arbeiten mit Metall-Idiophonen - Klangschalen und Gongs, die der Entwickler Hess mit einer speziellen Legierung aus zwölf Metallen herstellt. Diese Klangschalen, deren Ursprung in Nepal liegt, haben ein gleichmäßiges rhythmisches Schwingungsverhalten. "Zur Zeit der Inkas und Mayas wurden Schalen für vieles im Alltag benutzt, auch als Klang-Instrumente", sagt Konrath. Peter Hess hat vor Ort die positive, wohltuende Wirkung für den Körper an sich selbst verpürt. Aus Bruchschalen lässt er stets ein kleines Stück in neue Schalen einarbeiten. So sollen die "Informationen" von damals auch in neue Schalen übergehen. Hoffnung, Sicherheit, Vertrauen und Rhythmus

"Die Arbeit mit der Klangmassage bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hat uns immer wieder gezeigt, dass die Menschen zu sich finden, zur Mitte kommen und dadurch eine stabile Grundlage geschaffen wird, Aufgaben anzugehen und zu meistern", ist Konrath sicher. Aus den Erfahrungen im Laufe von acht Jahren ist das Konzept der Klangpädagogik als Weiterbildung entstanden. Dazu gehören unter anderem die Arbeitsfelder Lernberatung, Gruppenarbeit in verschiedenen Einrichtungen, pädagogische Einzelbegleitung, Workshops zur Weiterbildung, Projektarbeit und Seminare zum Thema "Klang und Lernen". Ziele sind dabei die Rückgewinnung des Vertrauens, des Selbstvertrauens bis hin zum gesunden Bewusstsein seiner selbst. "Das Urvertrauen, das in unserer heutigen Zeit vielfach verloren gegangen ist, zurückzugewinnen - das wäre unser schönstes Ziel", hofft Konrath. So könnte Kindern mit vielfältigen Auffälligkeiten oder Lernschwächen, Hyperaktivität oder erhöhtem Angst-Potenzial Stabilität für ihr künftiges Leben gegeben sowie freies und freudiges Lernen gefördert werden. "Kinder brauchen für ihre Entwicklung Hoffnung, Sicherheit, Vertrauen in sich selbst - und Rhythmus", zitiert die Psychologin Jessica Schadlu den Gehirnforscher Gerald Hüther. Schadlu unterrichtet in der Klangpädagogik und gehört dem deutschen Fachverband für Klangmassagetherapie an. Infos, auch über die ergänzende "Klang-Gym" nach Michael Konrath, erteilt das Mittelmosel-Fortbildungs-Zentrum für Lernen und Bildung unter Telefon 06531/ 973690.