Wie Manderscheid einmal aussah

MANDERSCHEID. Für das Heimatmuseum listet Josef Röhl seit einem Jahr akribisch Häuser, Hausnamen und Berufsgruppen aus dem Manderscheid von 1945. Die Bevölkerung soll helfen: Röhl sucht dringend alte Fotos aus der Burgenstadt.

Josef Röhl ist Rentner, hat also eine Menge Zeit. Rüstig ist er auch noch und außerdem Mitglied im Förderverein des Heimatmuseums. So hatte er eines Tages die Idee, im Dienste dieses Museums einen Überblick über seinen Heimatort zu geben, wie er sich in den 20er, 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts darstellte. Das war jedoch nicht so leicht, wie es sich anhört: Nach ausführlicher Suche in etlichen Ämtern fand Röhl erst bei der Verbandsgemeinde einen geeigneten Plan von Manderscheid.Kaum Veränderungen zwischen 1920 und 1945

Nachdem er sich über die Schwierigkeiten seines Vorhabens klar geworden war, entschloss Röhl sich, das Jahr 1945, das für die deutsche Geschichte einen markanten Einschnitt darstellt, als Fixpunkt herzunehmen. "Manderscheid hat sein Gesicht von 1920 bis 1945 kaum verändert", sagt Röhl. Selbst der Zweite Weltkrieg hatte kaum nennenswerte Schäden angerichtet. Außerdem kann ihm, dem 1927 Geborenen, das eigene Gedächtnis dabei helfen, Ansichten von Häusern oder Straßenzeilen so, wie sie in den 40er Jahren waren, wenigstens skizzenhaft für die Nachwelt zu rekonstruieren.Ideal sind natürlich Fotografien, die den Originalzustand Manderscheids unmissverständlich dokumentieren. Womit wir beim Problem wären. Josef Röhl hofft, durch diesen Bericht Bürger seiner Stadt dazu zu animieren, in den eigenen Archiven, Fotoalben und Zigarrenschachteln nachzusehen, ob nicht eine Fotografie darunter ist, die der Sache des Heimatmuseums dienlich sein könnte. Gebraucht wird alles: Ob ein Aufmarsch zu Ehren des alten Kaisers, durchziehende Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg oder eine Kutschfahrt anlässlich des Bischofsbesuchs. Es kommt nicht auf den Anlass und damit auf den Vordergrund des Bildes an. Für das Museum zählt allein die Darstellung der Häuser, Tore und Scheunen.Ungefähr 70 Häuser von den damals 169 des Ortes - die Heidsmühle, einst ein Sägewerk, trug die Nummer 169 - sind bereits fotografisch dokumentiert: Säuberlich unter Folie geheftet, finden sich dabei auch die Namen und Berufe der Bewohner, falls vorhanden, der Hausnamen, sowie die Funktion des Gebäudes.Neben Wohnhäusern und Mühlen gab es immerhin auch "das Amt", ein Kloster, "Hotel zum Heiligen Josef" genannt, oder die Turnhalle beziehungsweise das Theater, das später zum Maarmuseum mutierte. Jedes Haus, jede Straße erzählt eine eigene Geschichte, einschließlich winziger Details.Plan mit Straßen und Häusern

Wer kennt zum Beispiel die Pflanzschale, die einst das Beet vor dem "Amt", der heutigen Verbandsgemeinde, zierte? Klar, die steht im Kloster Himmerod. Genau genommen: wieder in Himmerod, denn während der Säkularisation wurde sie den Mönchen einfach weggenommen.Doch Röhls Arbeit dringt noch tiefer in Manderscheids Geschichte ein. Bereits fertig gestellt ist ein großer Plan, in dem die Straßen und Häuser verzeichnet sind: Ökonomiegebäude hell, Wohnhäuser dunkel, öffentliche Gebäude zusätzlich umrandet. Diese von ihm erstellte Karte hängt - noch im Arbeitskeller seines Hauses. Daneben eine Aufstellung über sämtliche Berufe, die in der Burgenstadt vertreten waren: Die arme Bevölkerungsstruktur - noch war der Tourismus als Einnahmequelle nicht erschlossen - ersteht vor dem geistigen Auge des Betrachters."Den technischen Part der Arbeit übernimmt Peter Schütz." Der Mann aus der jüngeren Generation versteht es, mit Scanner, Computer und Co umzugehen. Auch Röhls Gattin Käthe macht mit: Sie berät ihren Mann nach Kräften und kocht eifrig Kaffee, wenn mal wieder die Köpfe rauchen.Jedes Foto, auf dem ein Haus oder ein Straßenzug Manderscheids zu sehen ist, ist für Röhl von Bedeutung. Wer ihm eines zur Verfügung stellt, bekommt es zuverlässig zurück. Kontakt unter Telefon 06572/4483.