Wie Moselaner den Kölner Kurfürsten foppen

Wie Moselaner den Kölner Kurfürsten foppen

60 Jahre liegt die Uraufführung des Zeltinger Himmelreichs zurück. An Attraktivität hat die Operette nichts eingebüßt. Die Besucher lobten den Witz und die Melodien. Und sogar ein Paar aus dem Rheinland lachte schadenfroh darüber, wie clevere Moselaner den Kölner Kurfürsten um seinen Zehnten brachten.

Zeltingen-Rachtig. Eine malerische Kulisse und eine Geschichte, die mit Winzerschläue und Liebelei musikalisch untermalt ist. Das Erfolgsrezept der Moseloperette scheint schlicht. Doch dafür, dass 2015 "60 Jahre Zeltinger Himmelreich" gefeiert werden kann, brauchte es schon etwas mehr. Denn das eigentliche Pfund der Aufführungen, die im Zweijahresturnus mehr als 2000 Zuschauer in den Ort locken, sind die Darsteller.
Obschon allesamt Laien, verstehen sie sich darauf, Mimik und Gestik oder auch ihre Stimmen gekonnt einzusetzen. Darüber hinaus lieben sie den Humor - ebenso wie ihren Wein. Daher kommt es überzeugend rüber, wenn sie sich in der Geschichte als Zeltinger und Rachtiger des Jahres 1780 in Einmütigkeit üben.
Schließlich ist es in aller Interesse, den Kölner Kurfürsten um den Zehnten zu bringen, den die besten Lagen wie Zeltinger Himmelreich oder Rachtiger Deutschherrenberg zu liefern haben. Der schönste Lohn für die Akteure ist der beeindruckende Applaus des Publikums. Darunter ist seit mehr als drei Jahrzehnten Christa Keifer aus Rachtig. Sie sei "immer wieder begeistert". Auch von den Darstellern, die über die Jahre öfter wechselten. Die Aufführungen seien auch immer wieder anders, bestätigt ihre Tochter Monika Oster, deren Tochter Xenia (8) mit glänzenden Augen eingesteht: "Ich habe mich die ganze Woche wie eine Schneekönigin darauf gefreut." Wie sie hatten auch Klemens und Waltraud Delgoff aus Köln ihren Spaß. "Wir wollten sehen, wie die Moselaner unseren Kurfürsten übers Ohr gehauen haben", begründet das Paar, das die Aufführung schon einmal erlebt hat - vor 30 Jahren. "Da waren wir 20 Jahre verheiratet", blitzt der Anlass ihrer jetzigen Reise durch. Sie passte terminlich genau zwischen zwei besuchte Opern: in der Woche zuvor Nabucco in Verona und diese Woche Turandot in Bregenz. Die Moseloperette sei "Labsal für die Seele", freut sich das von seiner Tochter Karin begleitete Paar. Sie schwärmen davon, lachen und mitsingen zu können. "Die Melodien gehen ins Ohr."
Nach der Premiere und einer zweiten Aufführung am Sonntagabend gibt es drei weitere Termine: Mittwoch, 29. Juli, Samstag und Sonntag, 1. und 2. August (jeweils um 21 Uhr). Restkarten: www.ticket-regional.de oder Telefon 06532/2404.Extra

Komponiert hat das Zeltinger Himmelreich Werner Stamm, Sieger eines 1955 ausgelobten Wettbewerbs der Gemeinde. Sein Preisgeld, ein dreiwöchiger Urlaub vor Ort, beflügelte ihn derart, dass er eine ganze Operette komponierte - über eine fast wahre Begebenheit. Uraufführung war am 5. Januar 1955 im Hotel Nicolay zur Post. Seit 1980 wird auf der Freilichtbühne gespielt, woran mehr als 100 Personen mitwirken. urs