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Wie prekär ist die Zukunft der ärztlichen Versogung im Kreis

Medizin : Hausärzte: Dringend gesucht!

Wie prekär ist die Zukunft der ärztlichen Versogung im Kreis? Darüber haben Experten diskutiert.

Auf Einladung der Kreisverwaltung wurde das Thema „Ärztegenossenschaft und Kooperationen“ bei einer Veranstaltung diskutiert.. Unter den Teilnehmern fanden sich neben Ärzten auch Vertreter der Kommunen, darunter Bürgermeister und Kreistagsmitglieder.

Landrat Gregor Eibes machte in seiner Begrüßung deutlich, dass das Thema „Sicherung der Ärztlichen Versorgung“ für einen Landkreis oder für Kommunen generell ein schwieriges sei, bei dem er, obwohl der Landkreis sich des Themas angenommen hat, immer noch nicht wisse, ob man hier überhaupt etwas ausrichten könne. Man wolle aber nicht zusehen, wie die Bevölkerung auf dem Land immer weitere Wege zu den Arztpraxen zurücklegen müsse oder die Versorgung in der Fläche in Schieflage gerate.

Stephan von St. Vith, Mitarbeiter im Fachbereich Kreisentwicklung, stellte die aktuelle Situation der ärztlichen Versorgung vor. Sehe die Versorgungslage auf dem Papier aktuell noch gut aus, so stelle sich die Situation bei einem Blick auf die Altersstruktur der Haus- und Fachärzte schon eher dramatisch dar: Etwa die Hälfte der praktizierenden Hausärzte ist älter als 60 Jahre, bei den Fachärzten sind es nahezu 40 Prozent. Da der ärztliche Nachwuchs aber zunehmend weiblicher werde und es einen gesteigerten Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten und Teilzeitmodellen gebe, müsse für jeden wegfallenden Arztsitz nicht nur ein Arzt nachrücken, sondern eher zwei.

Danach referierte Marcus Bemsch von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz zum Thema „Ärztegenossenschaft“. Auch er machte deutlich, dass es angesichts der aktuellen Trends zur „Feminisierung“ des Arztberufs, dem steigenden Wunsch nach flexiblen Arbeitszeitmodellen, Teilzeitanstellung oder Anstellungsverhältnis eine kooperative Berufsausübung immer stärker an Bedeutung gewinnt. Hierbei stellt sich vor allem die Frage nach der Wahl der Rechtsform. Während bei MVZ zu 72 Prozent die GmbH als Rechtsform gewählt wird, machen hier Genossenschaften bisher nur 0,05 Prozent aus.

Die Ärztegenossenschaft medicus Eifler Ärzte eG des Bitburger Arztes Dr. Michael Jager war 2018 die zweite Ärztegenossenschaft, die in Deutschland gegründet wurde.Jager hat seine Praxis an die Genossenschaft veräußert und arbeitet nun zusammen mit einer Kollegin als angestellter Arzt bei der Genossenschaft. Weitere Ärzte, die noch eigenständig praktizieren, sind bereits Mitglied, um dieses Modell vor Eintritt in den Ruhestand auch nutzen zu können. Auch eine Integration von Zweigpraxen ist bei diesem Modell vorgesehen und wurde an den Standorten Dudeldorf und Binsfeld bereits praktiziert. Allerdings fehlen Dr. Jager die Nachwuchsärzte, die sich bei der Genossenschaft anstellen lassen und so den Fortbestand der Arztpraxen sichern.

Ein kooperatives Modell betreibt auch Dr. Carsten Schnieder mit seinem hausärztlichen Versorgungszentrum in Daun. Aus dem Zusammenschluss mehrerer Ärzte ist mittlerweile eine große Praxis mit einem Team aus sieben hausärztlich tätigen Internisten und Allgemeinmedizinern sowie 16 vielfältig weitergebildeten medizinischen Fachangestellten entstanden. Alleine im letzten Quartal betreute die Praxis etwa 6000 Patienten. Die Praxis hat Öffnungszeiten von 7.30 Uhr bis 20 Uhr und den angestellten Arztkollegen bieten sich individuelle Arbeitszeiten. Auch Dr. Matthias Schilling, der seit 2017 im Rathaus der ehemaligen Verbandsgemeinde Manderscheid seine Rathauspraxis eröffnete, arbeitet im Team mit aktuell vier angestellten Kollegen und geht auf die individuellen Arbeitszeitwünsche seiner Arztkollegen ein. Neben der hausärztlichen Versorgung bietet die Rathauspraxis vielfältige diabetologische Leistungen an. Dr. Schilling beklagt auch die zu geringe Zahl der Studienplätze und verlangt eine Abschaffung des Numerus Clausus, der Bedarfsplanung und der Budgetierung.

Es entstanden vielfältige Diskussionen, die sich zum Beispiel auch um einen notwendigen, verantwortungsvollen Umgang der Patienten mit der Ressource Arzt drehte. Alle drei vortragenden Mediziner machten klar, dass es zu wenige Nachwuchsmediziner gibt, die Facharzt für Allgemeinmedizin werden möchten und alle Maßnahmen dies zu ändern wie zum Beispiel die Landarztquote zu spät kämen und zu lange brauchen, bis sie ihre Wirkung entfalten.

Auch Landrat Eibes musste zum Schluss der angeregten Diskussion feststellen, dass er nun immer noch nicht wüsste, ob die Anstrengungen von Landkreis oder Kommunen überhaupt erfolgreich sein können, letztlich aber alle gemeinsam an Lösungen arbeiten müssen.