1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Wie sich sich der Wittlicher Schlachthof vor einem Corona-Ausbruch schützt

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Ausbrüchen in Deutschland : Ist der Wittlicher Schlachthof vor einem Corona-Ausbruch sicher?

Nach Covid-19-Masseninfektionen in fleischverarbeitenden Betrieben in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stellt sich die Frage:  Könnte so etwas nicht auch im Wittlicher Schlachthof passieren? Oder sieht man sich dort besser aufgestellt?

Zentrum des Ausbruchs war ein Schlachthof: In einem fleischverarbeitenden Betrieb in Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) infizierten sich innerhalb der letzten Wochen mehr als 200 Mitarbeiter mit dem neuen Coronavirus. Deshalb werden dort im Gegensatz zu anderen Landkreisen die Corona-Regeln vorerst nicht gelockert.

Noch am  Sonntag waren Teams des Gesundheitsamtes vor Ort, um die Arbeiter des betroffenen Betriebes der Firma Westfleisch in ihren verstreut im Kreis Coesfeld liegenden Sammelunterkünften zu testen und über die Quarantäne zu belehren, sagte ein Sprecher. Die Arbeiter sind nach Angaben von Westfleisch mehrheitlich in Wohnungen mit drei, vier oder fünf Personen untergebracht. In einem  Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim (Baden-Württemberg) hatten sich gar 400 von 1100 Mitarbeitern mit Covid-19 infiziert.

Da stellt sich doch die Frage: Kann sich solch eine Masseninfektion nicht auch bei Simon-Fleisch in Wittlich ereignen? In der Säubrennerstadt  steht eines der zehn größten Schlachtunternehmen für Schweinefleisch in Deutschland. Etwa die Hälfte der mehr als 500 Mitarbeiter stammen aus dem EU-Ausland. Rund 150 Mitarbeiter sind nach Angaben des Unternehmens in größeren Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

Der TV spricht mit Geschäftsführer Bernhard Simon über die Hygienestandards und Konzepte, die der Schlachthof zur Vermeidung eines Coronaausbruchs bereits vor Monaten erarbeitet und nach Angaben des Geschäftsführers konsequent umsetzt. „Wir hatten bis dato noch keinen einzigen Fall. Kein Mitarbeiter wurde positiv auf Sars-CoV-2 getestet“, sagt Simon.

Die Hygienemaßnahmen seien genauestens mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Amtsarzt Dr. Christoph Schlichting vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung bestätigte das auch den Mitgliedern des Kreisausschusses auf einer Sitzung am Montag: „Das Unternehmen Simon-Fleisch hat ein Hygienekonzept vorgelegt, das wir als gut befunden haben.“

Wie Simon erklärt, habe das Unternehmen bereits früh im März eine Mundschutzpflicht eingeführt, die Abstände in der Produktion vergrößert, die Kantinen geschlossen, Pausenräume und Umkleideräume getrennt  sowie viele weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen (der TV berichtete). Simon:  „In den Produktionsräumlichkeiten sind die Arbeitsplätze so ausgestaltet, dass der Mindestabstand grundsätzlich eingehalten werden kann. An den Stellen, an denen das technisch bedingt nicht möglich ist, haben wir andere geeignete Schutzmaßnahmen implementiert. Die Mitarbeiter tragen seit Mitte März bereits ausnahmslos Mund- und Nasenschutz. Es werden seit Beginn der Krise alle Mitarbeiter regelmäßig über die persönlichen Schutzmaßmaßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung der Corona-Pandemie unterrichtet und bezüglich der Auswirkungen des eigenen Verhaltens geschult.“

Aber wie sieht es in den Gemeinschaftsunterkünften der Mitarbeiter aus? Wie Simon erklärt, verfüge das Unternehmen im Stadtgebiet über vier Immobilien, in denen jeweils 20 bis 30 Personen untergebracht seien, sowie einige eigene oder angemietete Wohnungen, in denen Mitarbeiter in einer Wohngemeinschaft wohnen würden. In diesen Unterkünften leben insgesamt 150 Menschen. Diese seien in Wohngemeinschaften von zwei bis maximal acht Personen pro Unterkunft einquartiert, sagt Simon, „mit maximal zwei Bewohnern pro Zimmer“. Damit würden, wie Simon erklärt, nicht Hunderte Leute auf minimalem Raum leben. „Wir stellen hochwertige Lebensmittel her und müssen auch unsere Mitarbeiter, von denen die meisten schon seit Jahren bei uns arbeiten, vernünftig unterbringen. Ich sehe unsere Mitarbeiter angemessen untergebracht und einquartiert.“

Zudem habe man die Menschen ausführlich zu Hygienemaßnahmen in den privaten Unterkünften unterrichtet, sagt Simon. „Dabei geht es auch darum, private Zusammenkünfte wie Trinkgelage am Abend zu unterbinden.“ Gleichwohl müsse man sich in diesem Zusammenhang vergegenwärtigen, sagt Simon, „dass wir in einem demokratischen Rechtsstaat leben, jeder Mensch grundgesetzlich geschützte Freiheiten genießt und unsere Möglichkeiten als Arbeitgeber zur Einwirkung auf das Verhalten unserer Mitarbeiter nach Feierabend beschränkt sind.“ Wenn die Mitarbeiter zum Schichtbeginn das Firmengelände betreten, sagt Simon, werde Temperatur gemessen und kontrolliert, ob jemand Fieber habe. „Wer sich morgens nicht gut fühlt, der ist angewiesen, zu Hause zu bleiben.“ Über die Körpertemperaturen der Mitarbeiter werde Buch geführt, das der Kreisverwaltung vorgelegt werde. Da es bei Simon-Fleisch bislang keine Verdachtsfälle gegeben habe seien im Unternehmen bisher keine Reihentests durchgeführt worden. Nach der Masseninfektion in Coesfeld hatte die Landesregierung in NRW Reihentests für die Mitarbeiter aller Schlachthöfen angeordnet. In Rheinland-Pfalz ist das nicht der Fall. Simon: „Man kann aber so viele Schutzmaßnahmen treffen  wie man will. Mit etwas Pech kann es jeden treffen.“ Bislang hat das Unternehmen Simon-Fleisch  da wie gesagt Glück gehabt. Vielleicht liegt das aber auch ganz einfach an den vom Gesundheitsamt als „gut“ befundenen Maßnahmen zum Infektionsschutz. Was auch gesagt werden muss: Wie aktuelle Zahlen belegen, ist der Kreis Bernkastel-Wittlich kein Corona-Epizentrum.