Wie viel Fenster darf es sein?

Die Mauer zum Platz bei St. Markus soll wegen eines geplanten Neubaus Öffnungen bekommen. Das hat eine lange Debatte im Bauausschuss ausgelöst.

Wittlich Der Schuster aus der Karrstraße 22 kümmert sich in dem schmalen Haus schon lange nicht mehr um Absätze & Co. Die Werkstatt ist geschlossen. Nun gibt es Pläne, das dreigeschossige Häuschen gleich neben der Fahrschule an den Kirchtreppen zu St. Markus abzureißen. Auf der Rückseite gehört noch eine Art Schuppen zu der Immobilie, auf die man von hinten vom Kirchvorplatz über die Mauer hinweg blickt.
Auch der Schuppen soll abgerissen werden. So könnte auf dem Streifen zwischen Karr- und Kirchstraße ein Neubau mit Platz zum Wohnen entstehen. Dazu braucht man Licht, denn wer will schon im Dunkeln leben? Deshalb gibt es die Anfrage an die Stadt, der das Vorplatzgrundstück nebst Natursteinmauer gehört, ob man einverstanden sei, dass die Mauer Öffnungen bekomme, um den Neubau zu belichten. Die Stadt müsste also ein Fensterrecht erteilen. Die Kosten muss sie naturgemäß nicht tragen.
Außerdem wird ein Zugang zur Kirchstraße hin erbeten. Denn die Mauer knickt um den leeren Schuppen herum am Platz noch einmal ab. Hier müsste sie ebenfalls eine Öffnung erhalten, damit der lange, schmale Neubau von dort eine Tür bekommen könnte. Im Bau- und Verkehrsausschuss sollte nun vorab entschieden werden, ob das grundsätzlich erwünscht und damit möglich sei.
Der Erste Beigeordnete Albert Klein, CDU, schickte voran: "Ich sehe darin eine Aufwertung des St.-Markusplatzes. Wenn der Schuppen verschwindet, ist das eine städtebauliche Bereicherung." Dann gab es skeptische Nachfragen. Bleiben die Bäume auch bestehen? "Ja", hieß es im Ausschuss - auch, dass die jetzt dort angelegte Grünfläche an der Mauer bleibe.
Aber wie viel Licht durch Einschnitte in die Mauer soll man den künftigen Bewohnern zugestehen? Dazu gab es eine längere Diskussion, insbesondere, weil Stephan Lequen, Grüne, ausführlich vortrug, was die neuen Fensteröffnungen und das Vorhaben in Folge alles bewirken könnten: Eine Störung des "sensiblen" Kirchenvorplatzes und so vermutlich der Gläubigen. Sozusagen müsse man beachten, welche Auswirkungen die Fenster auf St. Markus haben könnten. Dass rings um die Kirche manches Haus mit Fenstern von je her näher stünde und sowieso immer nahe an Kirchen gewohnt wurde, ließ er zunächst nicht gelten.
Nach einigem Hin und Her sagte er dann: "Das ist nur ein Hinweis. Zustimmen werde ich auf jeden Fall." Unter anderem hatte Markus Blasweiler, FDP, und von Haus aus Architekt, argumentiert: "Der Bau braucht ein Mindestmaß an Fenstern. Wenn man das nicht will, müsste man eigentlich ringsum alle Fenster schließen."
Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagte: "Wer alles bedenkt, wird nichts ermöglichen." Edwin Mehrfeld, SPD, schloss die Debatte: "Ich bin froh, dass wir hier im Bauausschuss so ausführlich diskutieren können. Das liebe ich, dass man so über die Sache spricht." Wie das Ganze einmal genau aussehen wird, ist noch ungeklärt. Laut Unterlagen können insgesamt vier bis fünf Wohneinheiten in den zwei Gebäudeteilen entstehen. Um eine erste Vorstellung zu geben, wurden zwei Varianten als Planzeichnung zur Verfügung gestellt, die die Möglichkeiten der Belichtung und die Auswirkungen auf die Mauergestaltung zeigen.