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Wie wäre es denn vielleicht mit Arm- oder Fingerstricken?

Wie wäre es denn vielleicht mit Arm- oder Fingerstricken?

Wer hätte gedacht, dass Stricken eine Art Reha-Sport ist? Für Gertrud Schneider ist das nichts Überraschendes, dass Handarbeit Spezialmedizin sein kann. Sie bietet seit mehr als einem Jahr Kurse für Patienten der Median-Kliniken an.

Bernkastel-Kues. Schön, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Das gilt wohl für Gertrud Schneider. Sie führt nicht nur Gertis Änderungsschneiderei Wolle und Hobby in Bernkastel-Kues. Die 60-Jährige bietet auch ehrenamtlich Kurse für Reha-Patienten an, denn sie ist überzeugt: "Stricken ist das neue Yoga." Das sagt sie jedenfalls im Interview. Die Fragen stellte TV-Redakteurin Sonja Sünnen.

Seit wann bieten Sie ehrenamtlich Kurse für Reha-Patienten an?
Gertrud Schneider: Seit Januar 2013. Ich wurde vom Kurgastzentrum gefragt.

Wie war es beim ersten Mal?
Schneider: Ich war überrascht, dass männliche Patienten dabei waren. Ansonsten gibt es alles von jung bis alt. Es sind immer rund 20 Personen dabei. Die Kurse sind für alle Patienten des Kueser Plateaus ohne Anmeldung offen. Jeder kann kommen, der Interesse am Stricken und Häkeln hat oder es lernen möchte.
Und wie stellen sich die Männer an?
Schneider: Erstaunlicherweise beim ersten Mal überwiegend besser als die Frauen, da sie meistens drauflos stricken.

Und was macht Ihnen an diesem Reha-Sport Freude, und warum ist Ihr Handarbeitsangebot womöglich eine Art Medizin?
Schneider: Stricken ist das neue Yoga. Die Patienten vergessen in der Zeit ihre Gebrechen. Aber auch für die Patienten, die keine körperlichen Schmerzen haben, ist es eine Erholung für die Seele, da man dabei einfach abschalten kann.

Was haben Sie denn aktuell in Arbeit?
Schneider: Zurzeit ist Arm- und Fingerstricken der Hit. Man benötigt keine Nadeln und man sieht schnell Ergebnisse, besonders für Anfänger ist dies sehr motivierend. Man strickt auf dem Arm.
Das gibt schöne, große Schlaufen, so wie ein Netz aus richtig dicker Wolle. Jetzt im Sommer ist auch dünnere Wolle dafür geeignet.

Ihr Tipp an alle, die jetzt Stricklieseln werden wollen?
Schneider: Keine Angst! Die Stricknadeln beißen nicht. Innerhalb von Minuten kann jeder Stricken und Häkeln lernen.Extra

Gertrud Schneider ist 60 Jahre alt. Sie hat 1969 eine Schneiderlehre gemacht und Konfektion auch für große Versandhäuser genäht und hatte auch eine Schneiderei in Trier. Seit insgesamt 28 Jahren hat sie ein Geschäft in Bernkastel-Kues mit zwei Angestellten. Seit Januar 2013 bietet sie donnerstags ehrenamtlich Kurse für Reha-Patienten. Auch im Geschäft gibt es jeden Dienstag und Mittwoch, 15 bis 18 Uhr Kurse. sos