Wie wäre es mit einem Friedwald?

Bei Bitburg, Jünkerath und Rhaunen gibt es sie: Friedwälder oder Ruheforste. Dort wird die Asche Verstorbener in Urnen unter Bäumen bestattet. Wäre in Wittlich eine solche Einrichtung sinnvoll? Darüber diskutiert der Ortsbeirat im Stadtteil Neuerburg.

Wittlich. Die Form, die Menschen für die letzte Ruhe wählen, ändert sich. Sarg und Grabstein verlieren an Bedeutung. In Wittlich beispielsweise ist die Zahl der Erdbestattungen von 2006 bis 2011 von 55,3 auf 35,5 Prozent zurückgegangen. Gestiegen ist die Zahl der Urnenbestattungen von 44,7 auf 64,5 Prozent. Fast 900 Urnengräber hält die Stadt auf ihren sechs Friedhöfen vor, etwa die Hälfte ist belegt.
Wunsch kommt von Einwohnern


Nun gibt es Menschen, die nicht auf einem klassischen Friedhof beerdigt werden, sondern in sogenannten Friedwäldern oder Ruheforsten, also vereinfacht gesagt: im Wald zu Füßen eines Baumes. Das ist in eigens dafür ausgewiesenen Begräbniswäldern möglich, wie zum Beispiel in Niederweiler bei Bitburg, Jünkerath oder in Niederhosenbach im Hunsrück. Dort liegen keine Särge im Boden sondern Urnen.
Wie wäre es, auch in Wittlich diese Möglichkeit anzubieten? Darüber soll der Ortsbeirat Neuerburg diskutieren. "Einrichtung eines Friedwaldes" ist am Dienstag, 25. September, 19 Uhr, Thema der öffentlichen Sitzung.
Ortsvorsteher Reinhold Westhöfer, CDU, sagt dazu: "Wir sind flächenmäßig Wittlichs größter Stadtteil mit dem größten Waldanteil. Wir haben das Thema schon bei der letzten Kommunalwahl angekündigt, und der Wunsch kommt auch von Einwohnern. Jetzt wollen wir das mal anschneiden und offen darüber sprechen. Je nachdem, wie die Diskussion ausgeht, suchen wir dann das Gespräch mit der Stadt."
Das sei ein allererster Schritt zur Meinungsfindung, ob überhaupt in Neuerburg ein solches Angebot prüfenswert sei, zumal letztendlich der Ortsbeirat nur empfehlen kann. Die Anregung überprüft dann die Verwaltung und entscheiden, das tut der Stadtrat.
Doch wie sieht es auf der Nachfrageseite aus? Guido Eis vom Bestattungsinstitut Eller-Schrot in Wittlich sagt: "Wir haben vielleicht eine Friedwaldbestattung im Jahr, etwa im Hunsrück. Die wird wenig nachgefragt." Es müsse auch nicht unbedingt der klassische Wald sein. In großen Städten wie Mainz oder Koblenz gebe es auf den Friedhöfen Bereiche mit Bäumen für diesen letzten Wunsch. Im Übrigen sei diese Art der Bestattung manchmal teurer, als ein Urnengrab bei der Stadt: "Ein Baum für eine Familie kann 3000 bis 4000 Euro kosten."
Das Problem sei auch, dass Angehörigen die Wälder oft fremd seien und der Weg dahin weit sei. Guido Eis: "Es wird unterschätzt, dass man keinen Ort zur Trauer hat, der gebraucht wird. So ein Friedwald ist groß. Da trifft man als Angehöriger niemand oder aber jemand, den man nicht kennt, anders als auf den hiesigen Friedhöfen. Es ist eine Art Modeerscheinung. Viele wollen ja auch keine Grabpflege." Aber er habe den Stadtwerken bereits vorgeschlagen, eine solche Möglichkeit auf dem Friedhof in der Trierer Landstraße anzubieten.
Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung, sagt, man habe sich bislang noch nicht damit beschäftigt. Auf die Frage, ob ein privater Waldbesitzer ohne die Kommune einen Friedwald anlegen könne, sagt er. "Nein. Die Ausweisung eines Friedwald-Gebietes obliegt der Stadt Wittlich. Die Genehmigung richtet sich nach dem Friedhofsrecht des Landes Rheinland-Pfalz. Ein Waldfriedhof ist ein naturnaher Bestattungsplatz, der durch den Landkreis zu genehmigen ist."
Der Stadtwald hat 1380 Hektar, davon 180 Hektar in Privatbesitz, davon liegen 25 Hektar in Neuerburg mit 237 Hektar Stadtwald.
Echo: Sollte man in Wittlich naturnahe Bestattungen ermöglichen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an: mosel-echo@volksfreund.de , Name und Wohnort bitte nicht vergessen!
Extra

Im Stadtgebiet gibt es Friedhöfe in der Burgstraße und der Trierer Landstraße. Hinzu kommen die Friedhöfe in den Stadtteilen Lüxem, Neuerburg (mit einem Grabfeld für Muslime), Bombogen, Wengerohr. Den finanziellen Aufwand dafür beziffern die verantwortlichen Stadtwerke auf durchschnittlich 359 000 Euro im Jahr. Es gibt insgesamt (Stand Anfang 2012) 275 Rasengräber, 899 Urnengräber, 1119 Reihengräber und 50 Grabstellen für Muslime. sosExtra

In einem sogenannten Friedwald werden die Urnen unter einem Baum oder Stein vergraben. Grabpflege entfällt. Es können Schilder oder ein religiöses Symbol als Kennzeichnung angebracht werden. Es gibt keine konfessionellen Beschränkungen, auch die Herkunft des Verstorbenen ist nicht entscheidend. Die verschiedenen Bezeichnungen wie Friedwald, Ruheforst, Gedächtniswald, Begräbniswald kommen daher, dass die Namen zum Teil rechtlich geschützt sind, je nachdem, welches Unternehmen dahinter steht. Das jeweilige Waldstück ist öffentlich zugänglich und nicht umzäunt. sos