Wie wild dürfen Wildtiere noch sein?

Wie wild dürfen Wildtiere noch sein?

Das Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald informiert mit einem Expertenvortrag über Management im Schutzgebiet.

Erbeskopf Es ist ein wenig wie die Quadratur des Kreises: Einerseits sollen Pflanzen und Tiere sich in einem Nationalpark frei entfalten können, andererseits liegen diese Schutzgebiete nicht isoliert, weshalb ein Wildtiermanagement durchaus nötig sein kann, um etwa angrenzende landwirtschaftliche Flächen oder Jagdpachten zu schützen.
Denn in allen übrigen Gebieten gilt es für Jäger und Jagdgenossenschaften, gewisse Abschussquoten zu erfüllen, die die Behörden vorgeben. Ziel ist es dabei, den Wildbestand so zu pflegen, dass sich etwa keine Art übermäßig vermehrt. Das ist zum Beispiel bei Schwarzwild (Wildschweinen) zu beobachten. Das Wildtiermanagement in waldgeprägten Nationalparks ist daher ein heikles Thema. Wie sollen die Förster mit Tieren umgehen, die die Fähigkeit besitzen, die Landschaft zu gestalten?
Auf der einen Seite gibt es die Erwartungshaltung, ein weitgehend unbeeinflusstes "Paradies für Tiere und Pflanzen" zu entwickeln, das sich ohne jagdliche Eingriffe selbst reguliert. Als Gegenposition kann der Nationalpark aber auch als ein vom Menschen zu hegendes und zu pflegendes Großraumlabor verstanden werden, in dem Arten- und Prozessschutz wichtige Rollen zukommen.
Mit dem Management von Wildtieren soll darüberhinaus auch sichergestellt werden, dass Schutzgebiete ihre Ziele erreichen können, aber auch das Umfeld keine Nachteile erfährt. Das wäre etwa der Fall, wenn benachbarte landwirtschaftliche Flächen, zum Beispiel Maisfelder, von Tieren oft aufgesucht und verwüstet werden.
"Im besten Fall tragen die Wildtiere sogar dazu bei, einer Nationalparkregion bei ihrer Entwicklung zu helfen, weil sie Touristen anziehen oder in der Umweltbildung genutzt werden können," sagt Mariam Landgraf vom Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald in Birkenfeld.
Einen Einblick in diesen "Drahtseilakt" zwischen Wildtierregulierung und Prozessschutz bietet nun ein Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Schramel, Leiter der Abteilung Wald und Gesellschaft der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.
Er zeigt am Beispiel von Studien, wie im Vergleich zu diesem Anspruch die Praxis von Politik und Verwaltung aussieht. Welche Themen interessieren die Presse, welche die Besucher? Wie denken die Jäger? Diese Fragen werden mit Blick auf verschiedene Wildtiere beantwortet, im Mittelpunkt stehen Rothirsch und Luchs.
Der Vortrag wird im Rahmen der Nationalpark-Akademie am Montag, 24. Juli, um 19 Uhr im Kommunikationsgebäude Raum 9938 auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld in der Neubrücker Straße in Hoppstädten-Weiersbach angeboten.
Die Nationalpark-Akademie ist eine Veranstaltungsreihe des Nationalparks Hunsrück-Hochwald und des Naturparks Saar-Hunsrück für die Nationalparkregion. Die Vortragsreihe will Erkenntnisse der Natur, Heimat- und Kulturgeschichte, Geologie und Archäologie oder der Regional- und Tourismusentwicklung vermitteln und den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern eröffnen.Extra: NATIONALPARK HUNSRÜCK-HOCHWALD


Der Nationalpark Hunsrück Hochwald hat eine Fläche von zirka 10 000 Hektar und erstreckt sich über Teile von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das Hunsrückhaus am Erbeskopf ist eines der Tore dieses Nationalparks. In der Nationalparkakademie in Birkenfeld werden regelmäßig öffentliche Vorträge von Fachleuten zu ausgewählten Themen des Nationalparks angeboten.

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