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Wieder kein Beschluss zur Bergstraße

Wieder kein Beschluss zur Bergstraße

Vollausbau oder nur Flickarbeit nach der Kanalerneuerung? Anlieger- oder Baustraße? Wie es mit der Trabener Bergstraße weiter geht, ist offen. Diskutiert wird auch über die mögliche Kostenverteilung.

Traben-Trarbach. Am Ende geht alles ganz schnell. Hubertus Kesselheim, Sprecher der CDU-Fraktion im Traben-Trarbacher Stadtrat, beantragt den Grundsatzbeschluss über den Ausbau der 512 Meter langen Trabener Bergstraße zu verschieben. Renate Braband (SPD) schließt sich für ihre Fraktion an, der Rest ebenfalls. So geschieht es auch - und die Anlieger sind erst einmal zufrieden.
Damit gibt es die zweite Änderung im geplanten Ablauf. Vor einigen Wochen hatten Anlieger in der Einwohnerfragestunde Unmut, unter anderem über Kosten und Sinnhaftigkeit der Pläne, geäußert (der TV berichtete). Die damalige Reaktion: Der Rat verschob die Abstimmung und terminierte eine Anliegerversammlung vor die Sitzung am Montag.
Worum geht es? Die Stadt möchte das Kanalsystem in der Bergstraße erneuern. Von einem Mischsystem auf ein Trennsystem, bei dem Schmutzwasser und Oberflächenwasser getrennt abfließen. Das sei Standard, sagt Werkleiter Hajo Neumes. Dazu muss auch ein Teil der Straße aufgerissen werden. Die Frage lautet: Soll sie hinterher nur geflickt oder ganz neu aufgebaut werden.
Gerüchte über Kosten


Bei der ersten Variante müssen Stadt und Anwohner nichts zahlen. Die VG-Werke sind allein in der Pflicht. Bei der zweiten Variante, nach einer Schätzung 785 000 Euro teuer, sind Stadt und Bürger mitgefordert. Die Werke beteiligen sich voraussichtlich mit 108 500 Euro.
Die Anliegerversammlung ist eine Anhäufung von Ängsten und Meinungen. Schon Wochen geisterte ein Gerücht über die Anliegerkosten herum. Die Rechnung sieht so aus: die Breite der Grundstücke zur Bergstraße hin x 1500 Euro. "Das wären bei mir 60 000 Euro", sagt Jürgen Höhn gegenüber dem TV.
Manfred Schneider, Mitarbeiter der Bauverwaltung, legt andere Zahlen vor: Grundstücksgröße x voraussichtlich 12,85 Euro. Für ein 600 Quadratmeter großes Grundstück wären das 7710 Euro. Immer noch viel Geld, aber kein Vergleich zu den kolportierten Zahlen. Jürgen Höhn und seine Frau verfügen über etwas mehr als 600 Quadratmeter.
Eine Befürchtung der Anlieger: Die Bergstraße wird richtig ausgebaut und dann zur Hauptverbindung für schwere Lastwagen und Maschinen, die zum oberhalb gelegenen Baugebiet Königsberg wollen. Dort sollen in einem ersten Abschnitt bis zu 50 Häuser gebaut werden. In der Endstufe könnten es 100 sein. "Was macht es für einen Sinn die Bergstraße voll auszubauen und dann wieder kaputt zu fahren", heißt es mehrfach.
Stadtbürgermeister Patrice Langer (SPD) wird nicht müde zu wiederholen, dass das nichts passieren wird. Der Stadtrat werde sich über eine andere Zufahrtsmöglichkeit Gedanken machen, verspricht er. Es gebe auch eine weitere Option. Nach mehrfachem Nachfragen gibt er sie preis: die vom Mont Royal hinunterführende Alte Römerstraße, zum Teil ein Wirtschaftsweg, soll es sein. Sie sei in einem Zustand, der das zulasse, sagt Langer. Erst wenn Klarheit über die Zufahrt besteht, will der Rat entscheiden.
Bürger machen Druck


Es gibt eine Interessengemeinschaft Bergstraße. "Hätten wir nicht massiv eingegriffen, wäre das durchgewunken worden", sagt Sprecher Dieter Wolff gegenüber dem TV. Er sagt aber auch: Es macht keinen Sinn die Straße nach der Kanalverlegung nur zu flicken. "Billiger als mit dem Ausbau kommen wir nicht an eine neue Straße", glaubt er.
Er bringt eine andere Kostenaufteilung zwischen Stadt und Anliegern ins Spiel: statt 60 (Anlieger) zu 40 (Stadt), 40 zu 60. Sollte der Stadtrat so entscheiden, werde die Kreisverwaltung dieses Votum kippen, heißt es von der Verwaltung. "Es ist aber zumindest eine Diskussionsgrundlage", sagt Wolf.