Wilbert

Also es war ja wirklich tolles Wetter die letzten Tage. Die ersten Osterglocken und Forsythien blühen, und man konnte die ersten Sonnenstrahlen genießen.

Aber ich muss mich wirklich wundern. Es ist jedes Jahr dasselbe. Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da, rufen anscheinend auch die Putzlappen. Aber das verstehen nur Frauen. Auf jeden Fall fängt Wilma dann immer wie wild an zu schrubben. Schon morgens wird die karierte Kittelschürze, ein Schnäppchen vom vergangenen Markt, angezogen, etliche Lappen, Eimer und verschiedenste Putzmittel zusammengesucht. Aber dieses Mal ist es noch heftiger. Beim Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen haben sie sogar über die besten Fensterputzmethoden diskutiert. Ob mit Zeitung, einem Schnäpschen oder Brennspiritus im Wasser, einem alten Fensterleder, oder mit modernen Wassersaugern, darüber haben sich die Damen die Köpfe heiß geredet. Jede wollte das ultimative Rezept für die saubersten, streifenfreisten und klarsten Fenster haben. Und dann hatten sie auch noch die Wahnsinnsidee, wie sie herausfinden, was am besten funktioniert: eine Fensterputzparty! Können die denn nix machen, ohne zu feiern! Während die eine ihre Fensterputzmethode zeigt, stehen die anderen doch nicht trocken rum. Da wird garantiert wieder Sektchen geschlürft, und die neuesten Einkaufssendungen werden kommentiert. Irgendeinen Grund zu feiern, finden Wilma und ihre Putzteufel immer. Jedes Jahr soll jetzt bei einer anderen aus dem Clübchen geputzt werden, damit alle mal die Scheiben gewienert kriegen. Übrigens, welches das beste Mittel für den Durchblick ist, darauf konnten sie sich bis jetzt noch nicht einigen - auf ihren Lieblingssekt schon. Na ja, soll mir recht sein. Solange ich nicht noch als Hauptattraktion mit freiem Oberkörper putzen muss, ist mir das egal. Und irgendwann ist ja auch Ostern, und damit der Putzwahn vorbei. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne