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Wild-West direkt in Wittlichs Mitte

Wild-West direkt in Wittlichs Mitte

WITTLICH. Großstadt-Gefühle im 19 000-Einwohner-Städtchen: Wer über die Autobahn nach Wittlich kommt, wird umgelenkt und ausgebremst. Das Herz der Säubrennerstadt vermögen nur Ortskundige auf direkten Weg zu erreichen – und selbst die wundern sich über die teils abenteuerliche Verkehrsführung. Der TV hat's ausprobiert.

Ab in die Mitte, rein in die Fußgängerzone, bummeln, Leute treffen, einkaufen - Fehlanzeige: Die Autobahn-Abfahrt "Wittlich-Mitte" führt, anders als der Name suggeriert, nicht direkt ins Zentrum, sondern zu den Industriegebieten links und rechts der Kurfürstenstraße. "Es handelt sich natürlich um die Gemarkungsmitte von Wittlich. In der Fußgängerzone kann ja keine Autobahn enden", erklärt der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Ulrich Jacoby. Dennoch: Von "Wittlich-Mitte" ist die Innenstadt so weit entfernt wie der Hauptbahnhof, der im eingemeindeten Wengerohr liegt - einige Kilometer hinter der letzten Tankstelle stadtauswärts. "Die Stadt ist wie ein Tresor"

Mit Schildern, die gebührenfreies Parken auf dem "Parkplatz Zentrum" am Rommelsbach anpreisen, wird der Autofahrer von "Wittlich-Mitte" aus über die Südtangente (Gerberstraße) ins Zentrum gelotst. Näher wäre von dort jedoch der Parkplatz Oberstadt. Ein Hinweis auf diese Möglichkeit verbirgt sich lediglich in Form eines kleinen blauen P-Symbols auf einem gelben Schild, das Richtung Hasborn und Plein leitet. Wer den Parkplatz Oberstadt nicht kennt, wählt besser die Abfahrt "Wittlich-West", denn die führt - auch wenn der Name das nicht vermuten lässt - direkt zum "Parkplatz Zentrum". Doch auch dieser Weg hat seine Tücken. So ist von Wittlich auf den Autobahnschildern nach dem ersten Einordnen Richtung "West" keine Rede mehr. Bitburg und Lüttich prangt dort Weiß auf Blau, kaum dass man am Autobahnkreuz von der A 1 auf die A 60 gewechselt ist. "Bitte nicht Belgien", mag es da manchem in Sorge sich hoffnungslos verfahren zu haben, durch den Kopf schießen. Glücklicherweise bestätigt wenige Meter weiter ein braunes Sehenswürdigkeits-Schild mit der Synagoge, dass Wittlich nicht mehr weit sein kann. In großen Schleifen umkreist der Verkehr dann nicht etwa den Westen einer riesigen Großstadt, sondern Feld und Flur fünf Kilometer vor der Stadt. Den weißen Schildern Richtung Zentrum folgend geht's über die Trierer Landstraße in die Rommelsbach Straße zum "Parkplatz Zentrum" - für die, die es wissen. Denn vorher prüft ein letztes Mal ein weißes Schild Richtung Zentrum an der Einmündung des Bergweilerer Wegs in die Trierer Landstraße den Orientierungssinn des Fahrers. Statt zum Zentrum leitet dieses Schild wieder direkt auf die Südtangente, also zur Autobahnauffahrt nahe der Industriegebiete. Der Hinweis auf den Großparkplatz ist dabei wieder in einem kleinen P-Symbol auf einem gelben Wegweiser Richtung Bitburg versteckt. Dass das Zentrum trotz der an sich übersichtlichen Größe der Kreisstadt so schwer zu finden ist, ist auch den Wittlichern bekannt. "Die Stadt ist wie ein Tresor", sagt Carsten Mathar vom Stadtmarketing. Auf Vorstoß dieses Vereins plant die Stadtverwaltung nun ein zusätzliches Beschilderungssystem, das die offiziellen Wegweiser ergänzt. "Besucher sollen nicht länger rätseln, wie sie in die Innenstadt kommen und wo sie parken können", sagt Peter Assmann, der an der Entwicklung der Idee im Stadtmarketing maßgeblich beteiligt war. Zudem solle die Geschäftswelt der Innenstadt als "Pendant zur grünen Wiese" besser dargestellt werden. "Zurzeit läuft die Ausschreibung für die neuen Schilder. Im Frühjahr kann es losgehen", sagt Jacoby. 70 000 Euro sind im Stadthaushalt für das Beschilderungs-System eingeplant. Über die Umsetzung der seit Jahren vom Stadtmarketing geforderten Orientierungshilfe freut sich auch der Verkehrsverein: "Dann werden neben Hotels auch die touristischen Attraktionen wie Rathaus und Türmchen besser ausgeschildert", sagt Georg Metzen. Auch der Leiter der Interessengemeinschaft der Kaufleute im Stadtmarketing, Georg Fischer, begrüßt die Umsetzung des Leitsystems: "Kleinere Städte müssen mit perfekter Erreichbarkeit bei potentiellen Kunden punkten." Bis die Schilder montiert werden, hilft nur das Wissen, dass Wittlich weder in der Mitte noch im Westen so großstädtisch ist, dass man nicht von überall schnell in der Innenstadt wäre - im Zweifelsfall auch zu Fuß von jedem beliebigen Parkplatz aus. Haben auch Sie sich schon über die Verkehrsführung in Wittlich geärgert oder finden Sie, dass die Beschilderung in der Kreisstadt auch für Ortsunkundige reichen müsste. Mailen Sie uns Ihre Meinung in Kürze an mosel-echo@volksfreund.de Ihre Zuschrift sollte maximal 30 Zeilen à 30 Anschläge lang sein und bis heute, 14 Uhr, vorliegen. Fax: 0651/7199439.