Wildschweine jagen lassen

Zum Artikel "Jäger ernten Früchte ihrer Arbeit", TV vom 12. Oktober.

Die Ausführungen des Kreisjagdmeisters über den Abschuss der Wildschweine mögen auf die Eifel oder den Hunsrück vielleicht zutreffen, treffen aber die Situation in vielen Weinbaugemeinden insbesondere in Minheim nicht. Die Anzahl der Wildschweine in der Gemeinde nimmt stetig zu. Im Herbst müssen die Winzer ihre Trauben schon seit Jahren durch Elektrozäune selbst schützen. Der Grund liegt auf der Hand: Wildschwein-Schäden in Sonderkulturen müssen von den Eigentümern, nicht vom Jagdpächter bezahlt werden. Letztes Frühjahr und im Sommer war der größte Teil der Rebzeilen von Wildschweinen durchwühlt. Das Befahren der Rebzeilen mit Schmalspur-Schleppern ist aufgrund des aufgewühlten Bodens ein Risiko. Beim Überfahren einer Wildschweinsuhle hat ein Winzerkollege seinen Schlepper sogar umgekippt. Mittlerweile weigern sich viele Winzer die Weinbergswege zu reinigen, weil ein Großteil des Schmutzes auf Wildschweine zurückzuführen ist. Die durch die Wildschweine entstehenden Kosten für die Allgemeinheit werden bei weitem nicht durch die Jagdpacht abgedeckt. Deshalb haben die Winzer aus Minheim im Sommer eine Petition bei der Kreisverwaltung eingereicht mit der Bitte, endlich von staatlicher Seite etwas gegen die Wildschweinplage zu tun. Ich selbst fordere schon seit Jahren, endlich vom Jagdrecht Gebrauch zu machen und die Wildschweine durch die Forstverwaltung oder andere private Jäger jagen zu lassen. Leider findet diese Forderung bei den Verantwortlichen in der Gemeinde keine Unterstützung. In dem TV-Artikel werden zwei Wildschweine pro 100 Hektar Waldfläche als sinnvoll erachtet. Der Kreisjagdmeister sollte sich einmal äußern, wie viele Wildschweine er pro 100 Hektar Weinbergsfläche als sinnvoll ansieht, und was er macht, um seine Kollegen davon zu überzeugen die Weinbergfluren vernünftig zu bejagen. Vermutlich nichts! Auch der Bauern- und Winzerverband sollte die Weinbaugemeinden unterstützen. Die Zustände in der jetzigen Form sind für die Winzer unhaltbar. Dr. Stefan Esseln, Minheim Wildschweinplage in Weinbergen