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Wimmelbild mit 1001 Möglichkeiten

Wimmelbild mit 1001 Möglichkeiten

Gaukler, Ritterspiele und großes Feuerwerk haben am Wochenende tausende Besucher verzaubert. Denn in Manderscheid regierte das Mittelalter. Unter dem Motto "Vom Orient zum Okzident" feierte das Historische Burgenfest Manderscheid sein 30. Jubiläum.

Manderscheid. Genau betrachtet ist das Burgenfest in Manderscheid ein großes mittelalterliches Wimmelbild. Als Besucher musste man am vergangenen Wochenende davon einfach fasziniert sein. Beispiel gefällig?Hier vor der Bank spielt gerade ein "Etwas" mit Wildschweinmaske auf einem Dudelsack und erntet dafür ungläubige und auch leicht verunsicherte Blicke. Dort vorne geht es 13 Steinstufen hinab in einen Keller, wo 25 Kinder auf Strohwürfeln sitzen und an Kathrin Sonza-Reordas Lippen hängen. Sie erzählt das Märchen vom Goldenen Topf. Rechts um die Ecke lässt Zauberer Severinius der Jüngere mit seinem neuen Gehilfen, dem neunjährigen Lucas aus Zeltingen-Rachtig, gelbe Schwammbälle verschwinden. Und ganz unten am Eingang bannt Gaukler Malonius die Besucher mit flotten Sprüchen und drei brennenden Jonglierfackeln. Außerdem feilschen Händler um eiserne Armreife, lederne Umhängebeutel und Trinkgefäße.Und weil das alles noch nicht genug Spektakel ist, klacken gleichzeitig auf dem Turnierplatz die Holzschwerte der jungen Ritter gegeneinander, trappeln die großen Ritter mit ihren Pferden über die Wiese und tanzen die Tänzerinnen zu orientalischer Flötenmusik."Die Atmosphäre ist einfach einmalig", sagt Björn Kowalske (siehe Extra). Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Die Veranstalter erwarteten für das diesjährige Jubiläums-Wochenende rund 20 000 Besucher aus Deutschland und Europa. "Wenn das Wetter mitspielt, könnten wir die 20 000 toppen", erzählt Manderscheids Bürgermeister Günter Krämer am Sonntagmorgen. Rund 600 ehrenamtliche Helfer seien am Wochenende im Einsatz, so Krämer weiter. Die gute Laune rund um die Burgmauern konnte auch ein kurzer Schauer nicht trüben. Der Regen wurde entweder trotzig mit einem Spruch wie "Echtes schottisches Wetter" kommentiert und stoisch ertragen oder mit Regenschirmen bekämpft - manchmal hat die Neuzeit doch etwas Gutes.Am Ende gingen die zwei Tage Mittelalter in Manderscheid wieder viel zu schnell vorbei. Denn eigentlich ist es bei einem Wimmelbild ja so: man kann es sich immer wieder anschauen, bei jedem Mal entdeckt man etwas Neues. volksfreund.de/fotosExtra

Björn Kowalske (36) aus Lonnig bei Koblenz: "Das Einzigartige in Manderscheid ist die kleine hutzelige Burg. Das Mittelalter ist mein Hobby - hier kann ich es ausleben." Sandra Raskob (44) aus Wittlich: "Für das diesjährige Orient-Motto hätte ich mir noch mehr Darsteller mit Bezug zu den damaligen Kreuzzügen gewünscht. Vom Orient habe ich bisher nur die zwei Kamele gesehen." Christoph Wallenborn (22) aus Wasserliesch: "Das Burgenfest ist ein Pflichttermin im Kalender. Das Wochenende ist super organisiert und es fühlt sich einfach toll an, für diese zwei Tage irgendwie im Mittelalter zu sein." Angelina Rice-Müller (9) aus Niederkail: "Mir gefällt einfach alles hier: Ich war schon oben beim Schmied und habe auf den heißen Nägeln herumgeklopft und ich habe die Kamele gestreichelt." mla Extra

Am Rande des Burgenfestes in Manderscheid kam es zu einigen Sachbeschädigungen, wie die Polizei am Sonntagnachmittag mitteilte. Einige Aussteller hatten ihre Fahrzeuge auf dem Parkplatz vor der Niederburg abgestellt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden drei Autos, darunter ein Mercedes-Sprinter, zum Teil erheblich durch Fußtritte beschädigt. Des Weiteren wurde ein Absperrpfosten mit der Metallfußspitze durch den Kotflügel des Sprinters gerammt. Außerdem rissen die Täter ein Verkehrszeichen aus der Halterung aus Beton. Der Sachschaden beläuft sich nach Polizeiinformationen auf über 4000 Euro. Die Polizei bittet unter Telefon 06571/9260 um Hinweise. red