Wind bläst Geld in die Gemeindekasse

Wind bläst Geld in die Gemeindekasse

TALLING. "Wir haben in Talling wieder eine Perspektive." Die Äußerung von Erich Thösen bezieht sich auf die Einnahmen, die Talling sich von den beiden Windrädern erhofft, die die Firma Abo Wind AG in den kommenden Monaten bauen will.

Rund 40 000 Euro Pacht soll das Projekt der Gemeindekasse im laufenden Jahr bringen, erläutert der neue Bürgermeister von Talling. Aus dem Posten, der im Haushalt des 230-Einwohner-Ortes eingestellt ist, könne man allerdings nicht auf die Jahrespacht schließen. Das hänge mit einer besonderen vertraglichen Gestaltung zusammen.Hohe Hürden waren zu nehmen

Doch klar ist eines: Ohne diese Summe wäre an einen ausgeglichenen Etat nicht zu denken. Eine freie Finanzspitze entsteht nur deshalb nicht, weil noch ein beträchtlicher Fehlbetrag aus dem Jahr 2003 (12 430 Euro) aufgefangen werden musste. Die Hürden waren hoch. Zunächst hatte der Verbandsgemeinderat dem Tallinger Vorhaben einen Riegel vorschieben wollen und es bei den bestehenden Anlagen im Windpark "Auf‘m Siebert" bei Berglicht belassen wollen. Das wollten die Tallinger nicht hinnehmen. "Denn mit unserem Vorhaben wurde dem Konzentrationsgebot entsprochen", erinnert sich Thösen. Die Regionale Planungsgemeinschaft folgte der Argumentation der Tallinger: Erstens gebe es keine rechtlichen Ausschlussgründe, zweitens würden die zwei zusätzlichen "weißen Riesen" den bestehenden Windpark abrunden. Die Genehmigung für den Bau lag vor. Im November oder Dezember sollte die ganze Anlage ans Netz gehen. Doch dann ging plötzlich nichts mehr. Ein Gerichtsurteil stoppte das Vorhaben. Für die Genehmigung sei die Gesamtgröße der Windparks entscheidend, nicht die Zahl der Räder, deren Bau beantragt wurde, so die Richter. Was im Zusammenhang mit einem Vorhaben in Mehring entschieden wurde, galt auch für Talling: Bei mehr als drei Anlagen sei ein förmliches Immissionsschutzverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig.Bau ist genehmigt

Dieses Verfahren ist in der Zwischenzeit abgeschlossen. Der Bau ist genehmigt. Bis zum 2. Februar läuft noch eine Widerspruchsfrist. Thösen rechnet mit dem Baubeginn im April. Trotz der Vorgeschichte wird er nicht ungeduldig: "Wir hatten uns auf eine längere Durststrecke eingestellt." Im Klartext: Man hätte notfalls gegen die VG-Ratsentscheidung auch den Klageweg beschritten. Doch das ist mittlerweile Geschichte. Die Tallinger schauen nach vorn. Fast ebenso wie von den Fortschritte bei der Windkraft ist Thösen davon angetan, dass es endlich mit der Gestaltung der Ausgleichsflächen für den Bau der Landesstraße 150 losgehen kann. Rund fünf Hektar waren durch den Bau der Tallinger Umgehung versiegelt worden. Ein massiver Eingriff, für den Ausgleichsflächen mit einer Größenordnung von 25 Hektar gefordert wurden. Die Flächen hatte der Ort umgehend zur Verfügung gestellt, um das Projekt zu beschleunigen. Erst jetzt stehen beim Landesbetrieb Straßen und Verkehr Haushaltsmittel zur Verfügung. Die Submission läuft. Im Ort hat man in diesem Jahr noch mehr vor: Zum Beispiel die Einweihung der Grillhütte. Sie ist in Talling ein altes Thema. Den Freizeittreff gibt es seit 1976. Im vergangenen Jahr hatte man sich für eine Sanierung entschieden, nachdem man zuvor lange über einen neuen Standort nachgedacht hatte.Vieles in Eigenleistung geschaffen

Vieles wurde in Eigenleistung geschaffen. 19 600 Euro wurden bereits investiert. Weitere 3500 Euro stehen in diesem Jahr noch aus. Die Feuerstelle und der Außenbereich müssen noch hergerichtet werden. Die Toiletten werden noch gefliest. Für die Fertigstellung sind keine Haushaltsmittel nötig. Eine Firmenspende macht‘s möglich. "Das Stück Freiheit außerhalb des Ortes" soll in Talling im Mai eingeweiht werden. Mit eigenem Geld soll der ehemalige Gefrierraum zum Mehrzweckraum umgebaut werden, damit er auch für sportliche Aktivitäten genutzt werden kann. 22 000 Euro sind dafür 2005 vorgesehen. Auch der Boden im Gemeindesaal soll für weitere 5000 Euro erneuert werden. 53 000 Euro wurden zudem in den Etat 2005 für den Erwerb von Grundstücken eingestellt, "um den Ortskern zu stabilisieren oder weiterzuentwickeln". Denn Talling soll attraktiv bleiben, damit auch im Neubaugebiet "In den alten Bitzen" Häuser entstehen. Dort gibt es elf Bauplätze. Auf einem Grundstück wird bereits gebaut. Und bei zwei weiteren stünden die Bauwilligen in den Startlöchern. Entscheidend sei für viele, dass die Dorfgemeinschaft stimme, sagt Thösen. Dass dem so ist, sieht man an Kleinigkeiten: Zum Beispiel an der Nachricht, dass das alte Wasserhäuschen, dem der Abriss drohte, dank einer Gruppe tatkräftiger Senioren bewahrt wird.