Wind soll allen Geld bringen

In Thalfang sollen alle Gemeinden von der Windkraft profitieren. Deshalb setzt die Verbandsgemeinde auf einen Solidarfonds, mit dem die Einnahmen gerechter verteilt werden. Bislang haben zwölf der 21 Ortsgemeinden zugestimmt.

Thalfang. Mit Windkraft den Haushalt aufbessern - das wollen viele Gemeinden. Doch nicht jede bietet im Hinblick auf die Standorte und Windverhältnisse die idealen Voraussetzungen dafür. In der Verbandsgemeinde (VG) Thalfang profitieren derzeit lediglich fünf der 21 Ortsgemeinden von den Pachteinnahmen aus Windkraft. Bislang drehen sich 16 Räder im Gebiet der Ortsgemeinden Berglicht, Breit, Büdlich, Heidenburg und Talling. Die VG hat deshalb einen Solidarfonds Windkraft auf den Weg gebracht. Mit diesem sollen die Einnahmen auf alle Gemeinden der VG aufgeteilt werden.
Entscheidung zum Teil vertagt


Wie viel Prozent der Pacht die Dörfer mit Windkraft abgeben sollen, steht noch nicht fest. Sicher ist laut Udo Keuper von der VG-Verwaltung aber, dass die VG Thalfang an sich keine Einnahmen aus dem Fonds schöpfen will. Das heißt: Das Geld aus dem Fonds soll komplett auf die Orte umverteilt werden, auf deren Gebiet keine Windräder stehen. Es gehe darum, dass ein gerechter Ausgleich für diese Gemeinden geschaffen werde, sagt Keuper. Denn sie hätten das Pech, keine eigenen Standorte zu haben, aber dennoch auf die Anlagen der umliegenden Gemeinden schauen zu müssen.
Inzwischen haben laut Verwaltung 18 Orte in ihren Räten über den Solidarfonds gesprochen. Während zwölf für den Pakt gestimmt haben, reagieren die restlichen Gemeinden zurückhaltender und wollen weiter darüber beraten. So hätten beispielsweise Berglicht, Schönberg und Heidenburg eine Entscheidung zunächst vertagt. In Heidenburg beruht diese Entscheidung laut Keuper auf einem im Zuge der Kommunalreform angestrebten Wechsel der Ortsgemeinde in den Landkreis Trier-Saarburg.
Streitpunkt Alt-Anlagen


Lückenburg hatte sich in einer ersten Beratung im Frühjahr dazu entschlossen, dem Solidarfonds zunächst nicht zuzustimmen. Damals seien noch Detailfragen zu klären gewesen, sagt Ortsbürgermeister Reiner Roth. Kommende Woche wird sich der Rat deshalb nochmals mit dem Thema beschäftigen. Lückenburg gehe es vor allem um Haftungsfragen sowie die Einbeziehung der bereits bestehenden Windräder, erklärt Roth. "Wenn die neuen Anlagen eingebunden werden, dann sollte das auch für Alt-Anlagen gelten."
Die bereits bestehenden Anlagen seien einer der Punkte, mit denen die Verbandsgemeinde sich nochmals auseinandersetzen müsse, sagt Keuper. Im ersten Entwurf waren sie außen vor, da die Gemeinden über die Pachteinnahmen bereits eingegangene Kreditverpflichtungen abbezahlen. Dies werde nun nachverhandelt. Die VG strebe an, dass sich alle Orte für den Solidarfonds Windkraft aussprechen.
Welche Gemeinden demnächst direkt über eigene Windräder und welche indirekt über den Solidarfonds am Geschäft mit dem Wind verdienen, wird noch erarbeitet. Thalfang erstellt derzeit ein Gutachten mit Vorschlägen für künftige Standorte und die Anzahl der Anlagen.Extra

VG Hermeskeil: In Hermeskeil haben sich die 13 Orte der VG ebenfalls auf einen Solidarfonds mit Pachtlösung geeinigt, bei dem ein großer Topf gebildet wird, aus dem alle Gemeinden Geld bekommen - auch die, auf deren Gebiet sich keine Windräder drehen können. 25 Prozent der Einnahmen geben die Ortsgemeinden mit Windkraft laut Bürgermeister Michael Hülpes an den Fonds ab. Von diesem Betrag wiederum fließen 25 Prozent direkt an die Orte, die kein Windkraftstandort sind. Die restlichen 75 Prozent nutzt die VG im Gegensatz zu den Thalfanger Planungen, um die Umlage zu senken. Der Vertrag ist seit Ende März in Kraft. VG Kell am See: In Kell haben sich die Gemeinden für einen anderen Weg entschieden. Der VG-Rat hat sich für die Gründung einer Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) ausgesprochen, um die Windkraft in der VG für alle Ortsgemeinden gebündelt zu organisieren. Wie genau die Betreibermodelle aussehen werden, steht laut Jörg Jost von der Verwaltung noch nicht fest. Eine Möglichkeit könnte sein, dass die VG die Windräder in Eigenregie betreibt, weil dann die Wertschöpfung am größten ist. hsc