Windkraft-Planer spielen in Gemeinden Zukunftsmusik
Bernkastel-Wittlich · Chance oder Bedrohung? Der Wind weht derzeit in wechselnde Richtungen, wenn es in den Gemeinden um die Energie geht, die aus der Luft gewonnen werden kann. Sie müssen noch mit vielen Unbekannten planen.
Bernkastel-Wittlich. Pantenburg liegt hoch oben, genauer gesagt in 430 Metern Höhe. Höher als Manderscheid, höher als Meerfeld, Laufeld oder Dierfeld. Deshalb will die norddeutsche Firma Ventotec südlich des Orts drei Windräder errichten - plus fünf weitere in Großlittgen. Diese Pläne hat sie am Dienstagabend den beiden Gemeinden vorgestellt.
Aber noch ist das alles Zukunftsmusik. Denn zwar haben die Gemeinden jetzt mehr Spielraum in Sachen Windkraft - wie viel aber, wissen sie noch immer nicht. Und das Rätseln wird noch eine Weile weitergehen. So sind beispielsweise Naturschutzgebiete und Wasserschutzgebietszonen als Standorte von Windrädern grundsätzlich außen vor. Wie restriktiv diese Regel aber angewendet wird und wo Ausnahmen möglich sind, darüber diskutiert die Landesregierung noch. Will heißen: Die Kommunen können zwar planen, Windkraftanlagen aber im Grunde derzeit nur dort zulassen, wo sie aus landesplanerischer und städtebaulicher Sicht in keinem Fall im Weg sind.
Weiterentwicklung ermöglichen
Einen Puffer von 1000 Metern gibt es nach dem neuen Planansatz rund um sogenannte W- und F- oder E-Gemeinden - also Orte mit der besonderen Funktion Wohnen, Freizeit oder Erholung. Roland Wernig von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord erklärt: "Damit werden Entwicklungsschwerpunkte definiert." Es geht also weniger um den Schutz der Bevölkerung, sondern um die Möglichkeit, dass die Gemeinden mit besonders guten Voraussetzungen beispielsweise als Wohn- oder Urlaubsort Raum haben, sich auszudehnen. Eine Karte, die derzeit als Arbeitsgrundlage dient, weist beispielsweise um Bettenfeld, Großlittgen, Hupperath, Bruch, Altrich, Hontheim, Gonzerath und Deuselbach solche Pufferzonen aus (siehe Grafik).
Das heißt nicht, dass die Bewohner von Talling, Greimerath oder Bergweiler damit rechnen müssen, Windräder vor ihrer Haustür zu haben. "Die Schutzansprüche der Bürger bleiben unberührt", sagt Wernig. Schließlich können solche Puffer auch in den Flächennutzungsplänen der Verbandsgemeinden festgelegt werden. So wird sich der VG-Rat Manderscheid bei seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 20. Oktober, ab 18 Uhr mit dem Landschafts- und Flächennutzungsplan befassen.
Und was sagen die Bürger? Kritisch, aber aufgeschlossen stehen die Pantenburger am Dienstagabend den Windrad-Planern gegenüber, fragen auch nach einer möglichen Bürgerbeteiligung. Die 196 Meter hohen Räder sollen neun Megawatt Leistung bringen, könnten damit in der Theorie laut Ventotec den ganzen Ort versorgen, würden sie durchgehend laufen. Der Gemeinde brächte jedes Rad mindestens 55 000 Euro Pacht pro Jahr ein. Der Gemeinderat von Großlittgen hat am gleichen Abend seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, Windräder aufzustellen, wie Ortsbürgermeister Karl-Heinz Hubo berichtet. Aber es sei eben noch vieles zu klären.
Manderscheids VG-Bürgermeister Wolfgang Schmitz bleibt währenddessen bei seinem Credo: Windräder sollen gebündelt an wenigen Stellen aufgestellt werden, und zwar auf solchen im kommunalen Besitz. "Wenn man das nicht ordentlich regelt, bricht hier der Krieg aus." Es soll also auf keinen Fall in jedem der Orte Windräder geben, wo sie derzeit im Gespräch sind.
Doch gibt es in der VG Manderscheid überhaupt eine große zusammenhängende Fläche, die sich als Standort dafür eignet? Kaum, heißt es von der Firma Ventotec, die die ganze VG unter die Lupe genommen hat - lediglich ein Gebiet bei Manderscheid selbst. Viel Spielraum für einen großen Windpark gibt es also nicht. Naturschutzgebiete: Geschützt sind an der Mosel beziehungsweise in der Wittlicher Senke die Streuobstwiesen bei Wehlen, der Mesenberg bei Wittlich und die Maringer Wies. In der Eifel gibt es die Naturschutzgebiete Reihenkrater, Mosenberg und Horngraben, das Holzmaar und das Meerfelder Maar, die Tongruben bei Binsfeld und die Dachslöcher bei Bergweiler. Im Hunsrück sind die Hangbrücher bei Morbach und der Hilsbruch geschützt. uq