Windkraft: Protest hier, Gleichmut dort
Merscheid/Elzerath/Haag · In einigen Orten der Einheitsgemeinde Morbach wird Kritik an den geplanten Windrädern geübt. Doch ein einheitliches Stimmungsbild gibt es nicht. Denn die Räte zweier Dörfer stimmen erst gar nicht über das Thema ab. Im dritten Ort dagegen gibt es sogar Unterschriftenaktionen.
Merscheid/Elzerath/Haag. Drei Dörfer, drei Räte, die über das gleiche Thema beraten, und drei Sitzungen, die nicht unterschiedlicher verlaufen könnten: Das Thema Ausweisung von Flächen, auf denen die Einheitsgemeinde Morbach Windräder errichten kann, bewegt die Menschen in den Ortsteilen.
40 Bürger bei der Ratssitzung
Das gilt besonders für die Einwohner von Elzerath: In dem 110 Einwohner zählenden Dorf sind etwa 40 Menschen zur Sitzung des Ortsbeirats gekommen. "Ein Rekord an Besuchern", sagt Ortsvorsteher Winfried Lünemann. Diese wehren sich gegen ein Zielabweichungsverfahren, das notwendig ist, um eine 27 Hektar große Fläche an der Grenze zur VG Bernkastel-Kues als möglichen Standort von zwei Windrädern auszuweisen.
Gegner der Pläne waren vorher durch das Dorf gegangen und hatten 68 Unterschriften gesammelt. Die Bedenken sind die gleichen wie in vielen anderen Orten, in denen über den Bau von Windanlagen diskutiert wird: Zerstörung von zusammenhängenden Waldflächen, negative Auswirkungen auf Tourismus, gesundheitliche Risiken durch die Schallbelästigung, Wertverlust bei Immobilien und Grundstücken. "Der Ort ist in Aufruhr", sagt Rotraud Försterling, eine der Initiatorinnen der Unterschriftenaktion. Bürgermeister Andreas Hackethal und Thomas Recktenwald von der Morbacher Verwaltung haben es in der sichtlich erregten Atmosphäre schwer, ihre Pläne zu erläutern: Konzentration von Windrädern an windhöffigen Standorten anstelle von Wildwuchs, die Nachbargemeinden bauen im Haardtwald bereits Windräder, so dass es durch den möglichen Bau von Anlagen auf Morbacher Gemarkung zu keinen wesentlichen Mehrnachteilen kommt.
"52 Windräder dürfen hier nicht kommen, das ist doch Wahnsinn", sagt Ratsmitglied Andreas Pink unter dem Beifall mehrerer Besucher und schlägt eine Resolution an den Kreis vor, um die Zahl der Anlagen zu beschränken. 52 Standorte werden zwischen Horath und Gornhausen derzeit geprüft (der TV berichtete). Die Mitglieder des Ortsbeirats Elzerath können sich nicht zu einer Entscheidung durchringen: Sie vertagen die Abstimmung.
Im Gegensatz zu Elzerath nimmt die Bevölkerung in Merscheid und Haag kaum Anteil an der Ratssitzung ihrer Volksvertreter: In Merscheid, das sich die Fläche mit Elzerath teilt, kommt kein Bürger, in Haag nur einer. Dort steht für eine weitere 83 Hektar große Fläche, auf der bis zu sechs Anlagen errichtet werden können, die Entscheidung zu einem Zielabweichungsverfahren an.
Ortsvorsteher Norbert Schemer zeigt sich enttäuscht von der Resonanz der Bevölkerung: "Auf der Straße sprechen mich die Leute an, zur Sitzung kommt niemand", sagt er. Der Zug sei inzwischen abgefahren, glaubt er. "Wir sind eingegrenzt von Windrädern", sagt er. Man wisse was kommt, wisse aber nicht, wie man das verhindern könne. "Gibt es nicht noch ein paar Milane rund um den Ranzenkopf?" fragt Schemer ironisch. Wie in Elzerath kommt es zu keiner Abstimmung:
Denn der Ortsbeirat Haag ist erstmals in der 42-jährigen Amtszeit des Ortsvorstehers nicht beschlussfähig: zwei Ratsmitglieder fehlen aus beruflichen Gründen, einer aus privaten, ein Ratsmitglied fehlt unentschuldigt. So sind die Merscheider Ratsmitglieder die einzigen, die eine Entscheidung treffen: Mit vier zu zwei Stimmen sprechen sie sich in geheimer Abstimmung gegen das benötigte Zielabweichungsverfahren und damit quasi gegen den Bau von Windrädern auf ihrer Gemarkung aus.
Bürgermeister Hackethal sagt, der Gemeinderat Morbach wird in seiner kommenden Sitzung über die Flächen beraten und entscheiden, wie er bei der Abstimmung mit den Ergebnissen aus den Ortsbeiratssitzungen umgeht.
Man rede in Morbach bereits seit längerer Zeit über den Bau weiterer Windanlagen. Allerdings sei es noch nicht beschlossen, dass tatsächlich Windräder hinkommen, dies sei Teil eines weiteren Verfahrens. Die Sitzung des Morbacher Gemeinderats findet statt am Dienstag, den 21. Juli, um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Morbacher Rathauses.