Windkraft weht Tallinger Mandatsträger davon

Windkraft weht Tallinger Mandatsträger davon

Nach Auseinandersetzungen um Windkraft haben mehrere Abgeordnete in Talling ihre Mandate zurückgegeben. Im Dezember soll der Ortsbürgermeister neu gewählt werden. Vorläufig führt der Beigeordnete Wolfgang Marx die Amtsgeschäfte.

Talling. Gerade vier Monate ist die Kommunalwahl her, bei der auch die Tallinger einen neuen Gemeinderat gewählt und ihren Ortsbürgermeister Erich Thösen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt haben. Doch jetzt steht fest: Die Tallinger müssen wieder an die Wahlurne. Denn Thösen ist von seinem Amt zurückgetreten und mit ihm auch der erste Beigeordnete, Reinhard Krämer. Auch Ratsmitglied Rudolf Manz hat sein Mandat niedergelegt.
Was ist passiert? Offensichtlich waren unterschiedliche Auffassungen über die Weiterentwicklung der Windkraft in Talling und den Nachbargemeinden der Auslöser für die Rücktritte.
Laut Protokoll war Anfang September in der Sitzung des Gemeinderats ausführlich über verschiedene Aspekte beim Bau von Windrädern in der Gemarkung Talling gesprochen worden. So beantragten die Ratsmitglieder Bettina Hoff und Martin Andres, dass die Bürgerinitiative "Windkraft mit Weitblick" vor weiteren Beschlüssen vom Tallinger Rat gehört werden solle, was dieser jedoch mit vier zu drei Stimmen ablehnte.
Die Räte stimmten zwar geschlossen für eine Kartierung der Horste des Rotmilans in den Flächennutzungsplan. Doch im weiteren Verlauf der Sitzung vertagte der Rat laut Protokoll auf Antrag der neuen Ratsmitglieder eine Entscheidung über die Anfahrt strecke zu geplanten Windrädern, da diese sich noch nicht genügend informiert fühlten, um hier entscheiden zu können.
Zudem versagte der Rat einem Vertrag mit der Firma Abo-Wind die Zustimmung. Dabei ging es um eine Zuwegung zu einem geplanten Windrad in der Nachbargemeinde Schönberg.
Ortsbürgermeister Thösen begründet seinen Rücktritt mit persönlichen Gründen. "Ich gehe immer den geraden Weg, aber wenn andere an einer Gabelung woanders hin wollen, gehe ich nicht mehr mit", sagt er. Er gehe allerdings nicht im Groll. Es sei ihm wichtig, die Amtsgeschäfte geordnet zu übergeben. Bereits vor der Kommunalwahl hatte er angekündigt, während der neuen Amtsperiode einen Nachfolger zu suchen und seine politische Karriere zu beenden. Auch Beigeordneter Reinhard Krämer gibt für seinen Rücktritt persönliche Gründe an. Weiter will er sich nicht äußern. Manz begründet seinen Austritt aus dem Gemeinderat in einer schriftlichen Erklärung. Zum einen stehe ein Generationswechsel an, den er unterstützen wolle. Des Weiteren sei es dem Rat nicht gelungen, kritische Bürger in Entscheidungsprozesse einzubinden oder anzuhören, sagt er mit Hinweis auf die Bürgerinitiative, die Ratsbeschlüsse kritisch hinterfrage.
Wie geht es weiter in Talling? Vorläufig hat der Beigeordnete Wolfgang Marx die Amtsgeschäfte übernommen. Der Rat hat den 7. Dezember als Termin für eine Urwahl eines neuen Ortsbürgermeisters angesetzt. Sollte sich für die Urwahl kein Kandidat finden, kann der Gemeinderat einen Ortsbürgermeister wählen, sagt Marx. Ein erster Beigeordneter soll erst dann bestimmt werden, sobald das neue Dorfoberhaupt feststeht.
Für den zurückgetretenen Manz rückt Marx selbst in den Gemeinderat. Für Krämer würde Erich Thösen nachrücken. Da dieser jedoch laut Marx auf seinen Sitz im Gemeinderat verzichtet, genauso wie der nächste Nachrücker, Egon Kreis, ist Jennifer Weinig jetzt neues Mitglied im Tallinger Gemeinderat.

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