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Windkraftausbau am Ranzenkopf geht weiter

Windkraftausbau am Ranzenkopf geht weiter

Der Bau von neun Windrädern bei Horath hat begonnen. Bis Oktober sollen sie ans Netz angeschlossen sein. Doch der Nabu Rheinland-Pfalz kritisiert die Vorhaben und hat bereits rechtliche Schritte eingeleitet.

Horath. Der Ausbau der Windkraft am Ranzenkopf geht weiter. Auf dem Gebiet der Gemeinde Horath hat das Wiesbadener Unternehmen Abowind mit den Vorbereitungen zum Bau von neun Windrädern begonnen. Die Rodungsarbeiten seien nahezu abgeschlossen, sagt Alexander Koffka, Pressesprecher von Abowind. Derzeit werden die Wege für die anliefernden Lastwagen und die Stellflächen für die Kräne angelegt. Zudem hat das Unternehmen mit dem Kabelbau begonnen.

"Wenn alles planmäßig läuft, speisen die neun Windräder bis Oktober diesen Jahres Strom ins Energienetz ein", sagt er. Dabei bleibt das Waldgebiet zwischen Horath und Gornhausen für den Ausbau der Windkraft umstritten. "Für uns ergeben sich viele Problematiken", so Cosima Lindemann, Referentin bei der Naturschutzorganisation Nabu Rheinland-Pfalz. Der Hauptkritikpunkt: Das Gebiet, auf dem in einigen Jahren bis zu 50 Anlagen Strom erzeugen können, sei planungstechnisch nie komplett betrachtet worden. Die Projekte, die zwischen sieben und 17 Anlagen enthalten können, habe man sich immer nur einzeln angeschaut. Sechs Windräder stehen bei Gornhausen und Veldenz, ein weiteres ist genehmigt. In einem Projekt der EG Morbach mit der VG Bernkastel-Kues könnten 16 Anlagen genehmigt werden, in einem Vorhaben der Gemeinden Wintrich, Brauneberg und Minheim weitere 17.

"Durch die Masse wird der Wald entwertet", sagt Lindemann. Es handele sich um ein artenreiches Waldgebiet mit seltenen Fledermausarten, das daraufhin nicht untersucht worden sei, sagt sie. Zudem sei das Gebiet um den Ranzenkopf durch die Feuchte ein idealer Lebensraum für Schwarzstörche. Weiterhin sehe weder der derzeit gültige Raumordnungsplan als auch der gültige Flächennutzungsplan der VG Thalfang dort Flächen für Windkraft vor. "Wir halten die Art und Weise, wie die Windräder genehmigt wurden, für rechtswidrig", sagt sie. Doch dem widerspricht die Kreisverwaltung. Denn einem Zielabweichungsverfahren habe die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord zugestimmt und so die Abweichung vom Raumordnungsziel zugelassen, sagt Mike Winter von der Kreisverwaltung.

Deshalb habe die Kreisverwaltung am 28. Dezember die Genehmigung zur Errichtung und Betrieb von neun Anlagen bei Horath erteilt. Zwar habe der Nabu gerichtlich einen Baustopp erwirkt, doch habe die Kreisverwaltung auf Antrag von Abowind die Vollziehung der Genehmigung angeordnet, so dass die Arbeiten fortgesetzt werden. Und warum ist, wie vom Nabu gefordert, keine Komplettprüfung für das gesamte Waldstück erfolgt? Das liegt an der Planungshoheit der Verbandsgemeinden Thalfang und Bernkastel-Kues sowie der Einheitsgemeinde Morbach, die für ihre Flächennutzungspläne jeweils die Planungshoheit besitzen, sagt Winter.

Doch bei diesen würden jeweils nur mögliche Flächen für Windkraft ausgewiesen, ohne das festgelegt werde, wie viele Windräder gebaut werden, so dass deren Umweltauswirkungen nicht untersucht werden können. Deshalb könnten diese erst im konkreten Genehmigungsverfahren geprüft werden. In dem Waldstück seien bisher weitere sieben Anlagen genehmigt worden, von denen sechs bereits errichtet worden seien. Der Widerspruch des Nabus gegen den Bau sei noch nicht geprüft worden, da zum Zeitpunkt der TV-Anfrage noch keine Begründung vorgelegen habe.