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Wintersportgebiet Erbeskopf komplett überlaufen

Chaos im Hunsrück : Zufahrt zum Wintersportzentrum Erbeskopf ab heute komplett gesperrt

Ab Dienstag werden die Zufahrten zum Wintersportzentrum Erbeskopf gesperrt. Das Nationalparkamt warnt vor großer Gefahr durch Schneebruch.

Im Schritttempo fahren die Autos auf der Landesstraße 164 an der Einfahrt zum Wintersportzentrum Erbeskopf vorbei – aus beiden Richtungen. Die Zufahrten sind gesperrt, ebenso die Anfahrt auf den Gipfel des Erbeskopfs. Wo es geht, fahren immer wieder Autos an den Absperrungen vorbei.

Ralf Mattes, Wehrleiter der Feuerwehr Thalfang, hat sein Auto mitten in die Zufahrt gestellt. Immer wieder muss er Fragen beantworten, ob die Zufahrt gesperrt ist und wo man sonst parken kann. Mattes sagt immer das gleiche: Ja, die Zufahrt ist gesperrt, andere freie Parkplätze gibt es nicht. „Das ist Wahnsinn“, sagt er zur TV-Redakteurin. Die Leute kämen von überall her, aus dem Saarland, aus Kaiserslautern. Auch Luxemburger Kennzeichen sind zu sehen.

Andy Hahn, der stellvertretende Dienststellenleiter der Morbacher Polizei, staunt: „Die Leute kommen aus halb Rheinland-Pfalz.“ Warum sie alle unbedingt zum Erbeskopf wollen? „Weil hier Schnee liegt“, sagt ein Ehepaar aus dem Raum Kaiserslautern. Bei ihnen regne es lediglich. Dass wegen Corona die Skipisten gesperrt sind, kümmert sie nicht. Ebensowenig wie drei junge Leute aus Oberbillig (Kreis Trier-Saarburg), die einen Schlitten dabei haben. „Wir haben Glück gehabt.“ Sie seien bereits um 11 Uhr vor Ort gewesen und hätten nach fünf Minuten einen Parkplatz gehabt. Sie haben gerodelt und sind spazieren gegangen. Vom Verkehrschaos rund um sie herum haben sie deshalb nur wenig mitbekommen. Andere, die nicht so viel Glück hatten, parkten auf Parkplätzen an der L 164 oder B 269 oder in Feldwegen, gingen von dort aus wandern oder picknicken.

Ein Bild, wie es Vera Höfner, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Thalfang, zu anderen Zeiten durchaus gefallen hätte, ebenso wie die große Nachfrage nach dem Wintersportgelände. Aber nicht in Zeiten einer Pandemie. „Ich habe großes Verständnis für die Menschen, die bei diesem Wetter auf der Suche nach einer Alternative zum Wintersport sind“, sagt sie. Es seien mehr Leute am Erbeskopf als sonst, wenn Wintersport angeboten werde. Mit einem solchen Zulauf habe man nicht rechnen können. Man habe weder räumlich, noch personell die Kapazitäten, die für einen solchen Besucherandrang notwendig wären. Einsatzfahrzeuge hätten Probleme gehabt, durchzukommen.

Am Sonntag sei die Lage noch schwieriger gewesen. Da habe ein Sturm und Schneebruch die Lage erschwert. Man habe sogar Menschen, die mit dem Fahrzeug nicht mehr wegkamen, nach Thalfang gefahren oder gar notfallmäßig untergebracht.

Auch mit der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung sei das Geschehen vor Ort nicht zu vereinbaren gewesen. Die meisten Gäste hätten sich zwar an die Regeln gehalten, aber es seien auch Corona-Leugner auf dem Areal unterwegs gewesen. Höfner rät dringend davon ab, „zu uns zu kommen“, sowohl aus Gründen der Pandemie, als auch wegen der Gefahr des Schneebruchs. Sie spricht den Einsatzkräften insgesamt ein großes Lob aus.

Einvernehmlich mit den Landräten der Kreise Bernkastel-Wittlich und Birkenfeld, Gregor Eibes und Matthias Schneider, habe man beschlossen, die Landesstraße 164 als Zufahrt zum Erbeskopf zwischen der B 269 (Allenbacher Kreuzung) und der B 327 (Bäscher Kreuzung) zu sperren. Die Sperrung gilt von Dienstag, 29. Dezember, 8.30 Uhr, bis Sonntag, 3. Januar, 16 Uhr. Die Anfahrt von Deuselbach ist für Anlieger möglich. „Die Einhaltung der verkehrsbehördlichen Anordnung wird von der Polizei und den Ordnungsbehörden überwacht“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich.

Und auch das Nationalparkamt meldet sich zu Wort (siehe Extra). Harald Egidi appelliert, am Familienhang vor dem Hunsrückhaus (Nationalparktor)  nicht zu rodeln.