Wintricher Jugendraum nach wie vor eine Baustelle

Wintricher Jugendraum nach wie vor eine Baustelle

Der zähe Renovierungsfortschritt im Wintricher Jugendraum frustriert nicht nur die jungen Leute im Ort, sondern auch deren Eltern. Nach mehr als einem Jahr ehrenamtlicher Arbeit ist bisher nur der Jugendraum fast fertig - Toilette und Eingang sind eine Baustelle.

Wintrich. Die Luft scheint raus zu sein bei den Wintricher Jugendlichen. Monatelang haben sie sich reingekniet in die Renovierung ihres Jugendraums (der TV berichtete). Und der kann sich - frisch gestrichen und peppig eingerichtet - inzwischen auch sehen lassen. Bis auf einen Schönheitsfehler: die noch fehlende, da wieder ausgebaute Zimmertür, die die Jungs selbst einbauen wollten.

Dabei machten sie allerdings einen Fehler - ein Umstand, der symptomatisch ist für ein generelles Problem beim Jugendraum-Bau. Denn wenn sie wollen, dass sich etwas tut, müssen die Jungs schon selbst aktiv werden. Zwar haben immer wieder Erwachsene, Eltern oder Handwerker, geholfen. Doch den Einbau der Tür trauten sich Jungs alleine zu. Daher riefen sie auch nicht den Mann an, der ihnen laut Ortsbürgermeister Dirk Kessler geholfen hätte. Sie wollten es so schaffen.

Die fehlende Tür ist aber nur ein Problem. Denn außerhalb des Raums hat sich binnen eines Jahres wenig getan. Davon zeugen die kaputte Treppe und die Dauerbaustelle Toilette. Vorarbeiten für die Installation von Rohren und Leitungen übernahmen ebenfalls Jugendliche. Mit Hammer und Meißel klopften sie Schlitze. Wo es damit nicht getan war, half ein Erwachsener mit einem Bohrhammer. Sobald ein Handwerker die Rohre eingebaut hat, ist der Nachwuchs wieder gefragt für das Verfüllen der Schlitze.

Das Fliesenlegen sollen Eltern übernehmen, die sich auch bisher nicht gescheut haben anzupacken. Doch angesichts des zähen Baufortschritts ist auch bei ihnen allmählich die Luft raus. "Die Jugendlichen haben viel geschafft - die haben ihre Hausaufgaben gemacht", begründet ein Vater. Vom Bodenunterbau bis zum Tapezieren hätten sie 95 Prozent der Arbeiten alleine übernommen. "Die waren wirklich fleißig", bekräftigt Ulla Wendland, eine Mutter: "Dass sie sich jetzt im Stich gelassen fühlen von der Gemeinde, ist verständlich."

Die jungen Leute frustriert vor allem, dass sie immer noch nach Hause oder zur Toilette von Freunden laufen müssen. "Dabei haben wir schon ein Jahr hier geschafft", sagt Kevin (15). Seit Oktober 2009 hätten sie fast jeden zweiten Samstag im Jugendraum gearbeitet. Bis alles fertig sei, werde es bestimmt Sommer sein, schätzt Michael (13). Denn Fliesen könnten ja nicht im Winter verlegt werden. David (14) ist froh, dass das ein Erwachsener übernehmen wird: "Die müssen doch hundertprozentig liegen." Eigentlich hätten sie gedacht, in diesem Winter alle Räume nutzen zu können. Doch immerhin sei es nun zwischen Weihnachten und Neujahr unerwartet weitergegangen. Auch die Heizung laufe seit kurz vor Silvester.

Kessler kann den Frust nicht nachvollziehen. Der Jugendraum selbst sei ja fertig, und die Toiletten seien seit Jahren wegen des Frostrisikos im Winter geschlossen. Die Verzögerungen hätten verschiedene Gründe. Natürlich habe es auch am Geld gelegen, aber auch an der Zeit der Helfer. Es könne aber auch nicht sein, dass er als Ortsbürgermeister sich um alles kümmern und jeden Samstag selbst im Jugendraum mitanpacken müsse. "Dazu bin ich nicht mehr bereit." Allerdings sieht er den Abschluss der Arbeiten auch als weniger bedeutsam an. "Der Weg ist das Ziel", macht er seinen Standpunkt deutlich. Die Jugendlichen, die teils schon in Ausbildung sind und den Raum nur nutzen wollen, dürften das anders sehen.

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