Wintricher Netz bringt Bürger in Bewegung

Binnen weniger Monate hat sich der Verein "Wintricher Netz" einen Namen gemacht als engagierter Anbieter kostenloser Fahr- und Besuchsdienste. Das ehrenamtliche Helfer-Team hat aber noch sehr viel mehr vor.

 Dank der ehrenamtlichen Fahrdienste kann Helga Arens-Föhr, die hier in den Wagen von Roswitha und Helmut Sauren einsteigt, noch vieles selbst erledigen. TV-Foto: Ursula Schmieder

Dank der ehrenamtlichen Fahrdienste kann Helga Arens-Föhr, die hier in den Wagen von Roswitha und Helmut Sauren einsteigt, noch vieles selbst erledigen. TV-Foto: Ursula Schmieder

Wintrich. (urs) Ausbaufähig ist das "Wintricher Netz" in jedem Fall. Doch vorerst konzentriert sich der erst vor sieben Monaten gegründete Verein auf drei Angebote: kostenlose ehrenamtliche Fahrdienste mit Privatautos, Besuchsdienste und Beratung. In Anspruch nehmen kann das jeder Wintricher - unabhängig davon, ob er nun Mitglied ist oder nicht. Selbst für diejenigen, die sich schwer damit tun, etwas unentgeltlich anzunehmen, gibt es eine Lösung. Denn jedem bleibt es überlassen, den Verein mit einer Spende zu unterstützen.

Für Menschen wie Helga Arens-Föhr ist es ein Glück, ein solches Angebot am Wohnort nutzen zu können. Wie viele Gleichaltrige besitzt die 71-Jährige nämlich weder Auto noch Führerschein. Doch die Witwe, deren Tochter nicht im Ort lebt, weiß ein anderes Angebot noch sehr viel mehr zu schätzen. "Den Besuchsdienst find ich so toll." Schon ihr Mann habe sich immer gefreut, wenn jemand bei ihnen vorbeigeschaut habe. Für Menschen, die das Bett hüten müssten, sei das wichtig, sagt Netz-Mitglied Waltraud Kullik. Gelungen sei zudem der etlichen Senioren per Fahrdienst ermöglichte Besuch eines Auftritts der Herrgottsspatzen. Aber auch Jüngere könnten diese Dienste in Anspruch nehmen, zum Beispiel Familien mit Kindern. Für das im Netz engagierte zehn- bis 15-köpfige Helfer-Team ist es kein Problem, jederzeit einsatzbereit zu sein. "Wir haben ja alle Zeit", betont Helmut Sauren. "Und wenn wir keine haben, nehmen wir sie uns", bekräftigt seine früher selbstständige Ehefrau Roswitha.

Vorsitzender Burkhardt Kullik hat mit dem Wintricher Netz aber noch ein anderes Ziel im Blick. Es gehe auch darum, auf die Auswirkungen des demografischen Wandels vorzubereiten. Derzeit verfüge der Ort ja noch über eine gute Infrastruktur mit Geschäften, Lokalen, Friseur, Bank und Post. Im Zuge rückläufiger Einwohnerzahlen werde sich das aber ändern. Ebenso wie die Wohnsituation. Nur wenige könnten den Lebensabend in einem der an ihre Grenzen stoßenden Heime verbringen. Außerdem wollten viele ohnehin lieber zu Hause bleiben. Langfristig will sich der Verein daher einer Vielzahl von Themen widmen. Es gebe da eine Reihe von Ideen, nennt Kullik Essen auf Rädern, Leih-Omas oder das Problem Leerstände. "Aber wir können jetzt nicht alles machen", begründet er die Konzentration auf Hauptthemen. Mittlerweile kämen sogar Pflegedienste auf den Verein zu, um auf Alleinstehende aufmerksam zu machen. Dass das Konzept Hand und Fuß hat, zeigt sich zudem an der Beachtung, die der Verein in den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Neumagen-Dhron findet. Neumagen wolle anknüpfen ans Wintricher Netz, freut sich Kullik. Und mit der eigenen VG sei eine Kooperation angedacht.

Der Verein Wintricher Netz wurde am 25. Juni 2008 gegründet und zählt heute etwas mehr als 50 Mitglieder. Wer seine Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann telefonisch Kontakt aufnehmen: 06534/948715. Wer den Verein unterstützen will, ist für einen Jahresbeitrag von sechs Euro dabei.

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