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Windenergie: Wintricher Windpark geht in Betrieb

Windenergie : Wintricher Windpark geht in Betrieb

Am Ranzenkopf wird viel erneuerbare Energie erzeugt. Dazu freuen sich die Gemeinden über zusätzliche Einnahmen. Doch Reichtümer können sie damit nicht anhäufen

Auch Kälte, Schnee und trübes Wetter können die Feier zur Inbetriebnahme des Windparks Wintrich nicht stoppen: Rund 100 geladene Gäste sind ins Zelt gekommen, das die Organisatoren auf der Stellfläche vor einem der zwölf Windräder dieses Windparks im Wald am Ranzenkopf aufgebaut haben. Der Wintricher Ortsbürgermeister Dirk Kessler hat in seiner Rede die Planung und Umsetzung des Windparks Revue passieren lassen.

Als „Überzeugungstäter“ in Sachen erneuerbare Energien habe er seit 2000 für Windenergieanlagen gekämpft. 2011 hat der Gemeinderat Wintrich an das Unternehmen AgRo & WEA den Zuschlag gegeben, eine Konzeption für den Bau von mindestens 19 Anlagen zu erarbeiten. Was in den darauf folgenden Jahren passiert sei, „war für mich unvorstellbar“, sagt Kessler in Bezug auf langwierige Planungen, klein-klein um Details, Streit um drei Buchenbäume und „Naturschutz, Naturschutz und nochmal Naturschutz.“

„Wenn vor dem Hintergrund der Katastrophe von Fukushima dann noch mal fast siebeneinhalb Jahre ins Land ziehen, bis dass sich hier zwölf Räder drehen konnten, ist das eigentlich unverantwortlich gegenüber der Umwelt und der Klimakatastrophe“, sagt Kessler. Betrachte man die Anlagen auf dem Ranzenkopf von Gornhausen bis Piesport, so seien es insgesamt 30 Windräder, die einen Jahresertrag von etwa 210 000 Megawattstunden Strom produzierten. Das reiche, um 70 000 Haushalte zu versorgen. „Die erneuerbaren Energien sind der gewiesene Weg und der muss kompromisslos gegangen werden“, betont Kessler.

Wilhelm Wilberts, Geschäftsführer der AgRo & WEA und der diversen Gesellschaften, die rund um den Windpark Wintrich gegründet worden sind, sagt, ursprünglich sei man mit 20 Anlagen in die Planung gegangen. Mit 14 sei man in die Genehmigungsphase gegangen, von denen letztendlich zwölf realisiert werden konnten. Von den beiden abgelehnten Anlagen ist für eines erneut ein Antrag gestellt worden, das nach dem okay der Behörden zu den zwölf errichteten hinzukommen soll. „Wir können hier erleben, wie im Einvernehmen mit der Natur sauberer Strom produziert werden kann“, sagt Wilberts. Die Anlagen bedeuteten für die Landschaft eine Veränderung. „Aber was ist das gegen die Veränderungen nach Tschernobyl und Fukushima“, sagt er in Bezug auf die großen Unglücke durch Kernreaktoren 1986 und 2011.

Die Anlagen im Windpark Wintrich könnten fast alle Haushalte im Landkreis Bernkastel-Wittlich mit Strom versorgen. Dabei werde jährlich etwa 100 000 Tonnen CO2 eingespart. Über Pachteinnahmen, Gewerbesteuer und Ausschüttungen aus den Gewinnen können die drei am Windpark beteiligten Ortsgemeinden Wintrich, Brauneberg und Piesport in den kommenden 20 Jahren mit rund 15 Millionen Euro Einnahmen rechnen.

Wie wirkt sich das auf die kommunalen Haushalte aus? Stefan Schmitt, Ortsbürgermeister von Piesport, rechnet für seine Gemeinde mit 70 000 Euro Einnahmen jährlich, da zwei der zwölf Anlagen auf Flächen der Ortsgemeinde stehen. Davon müssen noch 20 Prozent an einen Solidarpakt abgegeben werden, der auf alle Ortsgemeinden der VG Bernkastel-Kues verteilt wird, so dass für die Piesporter pro Jahr etwa 54 000 Euro zusätzlich anfallen. „Reichtümer machen wir damit keine“, sagt Schmitt. Vielmehr ermögliche das seiner Ortsgemeinde, dass diese mit ihrem in der Regel unterfinanzierten Haushalt „mal Land sieht.“