Winzer fürchten das Wild und denken an Gott

Winzer fürchten das Wild und denken an Gott

Größter Feind der Winzer ist derzeit das Wildschwein. Es setzt den Weinbergen enorm zu und soll mehr bejagt werden. Grundsätzlich ist die Stimmung der Winzer aber optimistisch, wie beim Mosel Weinbautag deutlich wurde.

Bernkastel-Kues/Trier. Es gab Zeiten, da wurde beim Mosel Weinbautag manche Faust gereckt und manche Drohung, zum Beispiel gegen Politiker, ausgestoßen. Das ist vorbei, was nicht heißen soll, dass es nicht wieder dazu kommen kann. Am ersten Tag der Veranstaltung, der auch die Weinbaupolitik beinhaltet, wurde in der Mosellandhalle kaum Politik gemacht. Vielleicht, so Weinbaupräsident Rolf Haxel, liege das auch daran, dass 2013 keine Landtagswahl ansteht.
Gespräche mit Jagdpächtern


Seit einem Vierteljahrhundert hat es an der Mosel keinen schlechten Jahrgang mehr gegeben. Vielen Winzern geht es gut. Über Zwangsdestillation wegen Überproduktion ist an der Mosel keine Rede mehr. Stattdessen geht es um ein Problem, dass die Winzer selbst nicht lösen können: den zunehmenden Schaden, den vor allem Wildschweine in den Weinbergen anrichten. "Die Winzer müssen den Fuß in die Tür der Verträge mit den Jagdpächtern bekommen", forderte Rolf Haxel. Es müsse alles unternommen werden, um die Zahl von Rot- und Schwarzwild gewaltig zu reduzieren.
Ein weiteres wichtiges Anliegen ist das Bezeichnungsrecht: Was zum Beispiel auf dem Etikett erscheine, müsse verständlich sein. Haxel: "Derzeit ist es gegen den Verbraucher gerichtet. Der kennt sich oft nicht mehr aus."
Wie sehen die Winzer die allgemeine Situation? Der TV hat einige befragt: "Es ist wichtig, dass Einzellagen nicht dem Riesling vorbehalten sind", sagte Harald Bottler (Veldenz). Insgesamt spricht der 53 Jahre alte Winzer von einer "ganz guten Situation".
Oliver Haag (39) aus Brauneberg, einer der besten Rieslingwinzer der Welt, beklagt die vielen Auflagen der EU: Haag: "Sie machen uns das Leben schwer." Lob gibt es von ihm und seinem Leiwener Kollegen Werner Rosch (58) für die von der Politik unterstützte technische Fortentwicklung für die Steillagen. Die Mosel werde außerdem ein Gewinner des Klimawandels sein, glaubt Rosch. Solch filigrane und elegante Weine können seiner Ansicht nach nicht anderswo produziert werden, weil es an den entsprechenden Böden fehle. Karsten Becker (43) aus Mülheim hebt den Austausch der jungen Winzer untereinander hervor. Er fördere das Qualitätsdenken.
Etwas sollte nicht vergessen werden. Der Wein ist und bleibt ein Produkt der Natur. "Der liebe Gott ist nicht Angestellter der Winzer. Eher ist es umgekehrt", sagte Gastredner Josef Pleil, der Vorsitzende des Weinbauverbandes Österreich. Einen pragmatischen Vorschlag hat er auch für die Tücken des Bezeichnungsrechts: "Die Konsumenten sollen trinken und nicht erst Kurse machen müssen."
Der Weinbautag wird heute, Donnerstag, um 9 Uhr fortgesetzt. Dann geht es um die Themen Marketing und Oenologie (Kellerwirtschaft). Um 15.30 Uhr beginnt eine Probe mit Weinen aus Versuchsanlagen. Außerdem werden Siegerweine aus den Anbaugebieten Mosel, Rheinhessen, Pfalz, Nahe und Mittelrhein verglichen. Die Teilnahme an dieser Probe kostet zwölf Euro. Auch die Fachausstellung ist wieder geöffnet.

Mehr von Volksfreund