Winzer hoffen auf volle Keller

An der Mosel haben die ersten Winzer mit der Lese der frühen Rebsorten begonnen. Nach zwei Jahren mit geringen Mengen können die Winzer wieder auf einen ordentlichen Ertrag hoffen. Der Riesling, die wichtigste Rebsorte an Mosel, Saar und Ruwer, kann noch reifen. Hier wird mit dem Erntebeginn frühestens Anfang Oktober gerechnet.

Bernkastel-Kues/Trier. Die Sonne scheint, und es ist trocken. Das freut die Winzer, denn bei diesen Bedingungen können die Traubenbeeren noch Zucker einlagern. Die Oechslegrade, die den Zuckergehalt angeben, steigen mit jedem sonnigen Tag. Das gilt vor allem für den spätreifenden Riesling. Die frühen Rebsorten sind hingegen teilweise schon erntereif.
Vereinzelt haben daher die Winzer mit der Lese der Sorte Müller-Thurgau begonnen. Wie zum Beispiel in Kröv, wo gestern Bernd Ketter einen Müller-Thurgau-Weinberg abgeerntet hat. Ketter achtet bereits im Winter darauf, an den Rebtrieben nicht zu viele Knospen anzuschneiden. Das fördert die Qualität, mindert aber in der Regel die Menge. Mit seiner gestrigen Ernte ist er sehr zufrieden. Sein Müller-Thurgau - auch Rivaner genannt - hat 75 Grad Oechsle, was einen sehr guten Wein erwarten lässt. Berater des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel haben am Montag dieser Woche Reifemessungen vorgenommen. Der Müller-Thurgau lag vor zwei Tagen im Schnitt bei 64 Grad Oechsle, der Riesling ebenfalls bei 64 Grad. Das sind knapp zehn Grad mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Winzer begannen im Herbst 2013 fast zwei Wochen später mit der Lese.
Eine Weinsäuerung ist derzeit kein Thema, der natürliche Säuregehalt der Trauben ist ausreichend.Der Müller-Thurgau wird hauptsächlich in flachen Lagen angebaut. Dort kann mit der Maschine gelesen werden . Die Menge ist nach Auskunft des DLR recht ordentlich. Auch beim Riesling zeichnet sich eine größere Menge ab, als in den beiden Vorjahren. "Der 2014er wird die Keller wieder füllen", sagt Walter Klüsserath aus Pölich.
Doch es gibt einen Wermutstropfen: Ein neuer Schädling macht sich breit. Erstmals ist in diesem Jahr die Kirschessigfliege in deutschen Weinbergen aufgetaucht. In einzelnen Lagen hat die Fliege bereits Schäden angerichtet, wie Winzer Klüsserath berichtet.
Die von den Maden des Insektes angefressenen Beeren faulen schnell und es kommt zu dem gefürchteten Essigstich. Solche Trauben können zur Weinbereitung nicht verwertet werden.
An der Obermosel, wo die Rebsorte Elbling eine große Rolle spielt, zögert man noch mit der Lese. Winzer Martin Fürst aus Metzdorf will noch mit der Elblinglese bis Ende September warten. Auch er berichtet von Schäden beim Dornfelder durch die Kirschessigfliege. Dennoch ist er zuversichtlich, was den 2014er betrifft: "Die Mostgewichte stimmen, der Ertrag ist ordentlich. Es sieht gut aus. Es darf nur nichts dazwischen kommen." Vor allem das Wetter muss mitspielen. Das weiß auch Walter Klüsserath: "Es kann noch viel passieren. Die Winzer wissen, dass der neue Jahrgang erst dann beurteilt werden kann, wenn er im Keller ist."
An der Saar und an der Ruwer, wo fast ausschließlich Riesling angebaut wird, ist die Weinernte noch kein Thema. Peter Lauer aus Ayl: "Wir beginnen Anfang Oktober mit der Ernte und werden zunächst schlechtere Trauben aussortieren." Auch er rechnet mit einer größeren Menge als in den Vorjahren. Allerdings gebe es in den einzelnen Weinbergen große Unterschiede. sim

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