1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Winzer: Schlechte Preise für Top-Weinqualitäten

Winzer: Schlechte Preise für Top-Weinqualitäten

Die Moselwinzer freuen sich über eine in Menge und Güte überragende Weinernte 2011. Das gilt vor allem für die selbstvermarktenden Weingüter, die ihre Weine in der Flasche vermarkten. Die Fassweinwinzer müssen allerdings Preiseinbußen hinnehmen - trotz hervorragender Qualitäten.

Bernkastel-Kues/Trier. Hildegard Sailler bewirtschaftet seit 2003 in Osann-Monzel ein 4,5 Hektar großes Weingut. In den ersten Jahren verkaufte sie Most und Wein fast komplett als Fassware an Wein- und Sektkellereien. Inzwischen füllt sie knapp ein Viertel der Weinernte in Flaschen ab. 3,50 bis acht Euro kostet je nach Qualität eine Flasche ab Hof. Doch den größten Teil der Ernte muss sie immer noch als Fasswein vermarkten. Im Herbst hat sie 29 Fuder, das sind 29 000 Liter, frischen Most verkauft. Für Moste der Rebsorte Müller-Thurgau zahlten die Kellereien 80 Cent pro Liter, für Rieslingmoste einen Euro pro Liter. Sailler: "Das ist schon sehr enttäuschend, zumal wir sehr gute Qualitäten geerntet haben - mit Mostgewichten um die 80 Grad Oechsle." Einen Euro für einen Liter Riesling-Most, das sei kaum kostendeckend, sagt die Betriebsleiterin. 10 000 Liter des 2011ers wird sie in Flaschen abfüllen und an Privatkunden verkaufen. Sie hofft, diesen Anteil in den kommenden Jahren steigern zu können, um vom Fassweinmarkt unabhängiger zu werden.
Etwa die Hälfte des Moselweins wird nach wie vor von Großkellereien vermarktet. Sie kaufen über Kommissionäre den Most oder Wein als Fassware bei den Winzern. Seit vielen Jahren sind die Fassweinpreise unbefriedigend. Starke Preisschwankungen sind typisch für diesen Markt. Mitte 2007 war der Preis auf 60 Cent pro Liter gefallen, Ende 2010 stieg der Preis auf 1,40 Euro und kurz vor dem Herbst 2011 sogar auf 1,65 Euro. Allerdings wurde wegen der sehr geringen 2010er Mostmenge nur sehr wenig Fassware gehandelt.
Für den 2011er zeichnen sich wieder niedrigere Preise ab, nachdem einige Kellereien für einen Euro Riesling-Moste kaufen konnten. Fertiger Wein kostet erfahrungsgemäß 20 bis 30 Cent mehr als Most.
Bessere Preise, und zwar 1,25 Euro pro Liter Rieslingmost, erhielten im Herbst die Winzer, die sich in der Vereinigung "Das Blaue Band" zusammengeschlossen haben. 210 Winzer sind Mitglied im Blauen Band, einem Verein, der jeweils vor dem Herbst mit einzelnen Kellereien Lieferverträge aushandelt. Doch die Winzer des Blauen Bandes sind sauer auf diejenigen Kellereien, die, so Vorsitzender Michael Franzen aus Piesport, diesen Preis "unterwandert haben".
Erfahrungsgemäß dauert es einige Wochen, bis sich nach dem Mostgeschäft für den Jungwein ein Preis bildet.
Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel, erwartet einen Literpreis für Riesling-Jungweine von 1,20 bis 1,40 Euro. Er rechnet damit, dass der Moselwein nach der kleinen Erntemenge 2010 nun wieder Regalflächen in den Supermärkten und Discountern zurückerobern könne. Michael Willkomm, Inhaber der Weinkellerei Peter Mertes, Bernkastel-Kues, will noch nicht über den Jungweinpreis spekulieren. Dafür gebe es am Markt noch zu viele Unwägbarkeiten. Die im Herbst gezahlten Mostpreise seien noch keine fertigen Marktpreise.