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Winzerin Nicole Kochan aus Lieser hat Weinstand modernisiert

Erneuerung notwendig? : Weinstände sollen  schöner werden

Müssen die Weinstände beim Fest der Mittelmosel modernisiert werden? Winzerin Nicole Kochan-Platz aus Lieser hat sich beim Volksfreund gemeldet und beschreibt den Spagat zwischen Reformwillen und Sachzwängen.

Nach fünf Tagen Weinfest der Mittelmosel, hat die Autorin dieser Zeilen ein nicht gerade schmeichelhaftes Urteil gefällt. Sie kritisiert das Sammelsurium an antiquierten Ausschänken auf der Weinstraße und fordert eine optische Reform. Winzerin Nicole Kochan-Platz aus Lieser fühlt sich angesprochen und schreibt eine Mail. Sie sagt: „Tatsächlich haben wir Lieserer uns genau darüber Gedanken gemacht. Wie können wir den Stand verjüngen? Wie können wir gerade nach der Pandemie-Pause wieder Schwung reinbekommen.“

Auf der Festmeile fällt der Stand, an dem Winzer von fünf Weingütern ihre Tropfen ausschenken, optisch zwar nicht wirklich aus dem Rahmen, doch einige entscheidende Details lassen aufmerken. Was machen die Lieserer denn anders als die anderen?

„Ich wollte ein modernes Bild, in dem ein visueller Eindruck von Lieser vermittelt wird“, sagt die ehemalige Moselweinkönigin und Deutsche Weinprinzessin von 2005/2006. Gesagt, getan. Gemeinsam mit Katharina Lörsch vom Weingut Hugo Hower aus Lieser geht sie an die Arbeit. „Wir haben aus Fotos und Videos ein 40-minütiges Video konzipiert, in dem wir den Weinort Lieser und die Weingüter präsentieren.“ Ein Elektro-Fachhandel aus Bernkastel-Kues stellte den Winzern einen Fernseher samt Halterung zur Verfügung. Der wurde an der Stelle aufgehängt, an der klassischerweise die Weinkarte groß ausgedruckt prangt.

 So sieht er aus: Der Weinstand der Lieserer Winzer auf dem Weinfest der Mitttelmosel. Im Hintergrund ist der Fernseher zu sehen.
So sieht er aus: Der Weinstand der Lieserer Winzer auf dem Weinfest der Mitttelmosel. Im Hintergrund ist der Fernseher zu sehen. Foto: Nicole Kochan-Platz

Aber auch für die Weinkarten haben sich die beiden Frauen ein neues Konzept ausgedacht. Damit die Gäste erfahren, welche Weine sie am Lieserer Stand bestellen können, hatten sie zwei Möglichkeiten. Katharina Loersch erklärt: „Wir haben QR-Codes generiert. Da war die aktuelle Weinkarte hinterlegt. Diese konnten mit Smartphones gescannt werden.“ Zusätzlich gab es Infos zu den fünf teilnehmenden Weingütern aus Lieser. Darüber hinaus lagen ausgedruckte Weinkarten auf Theken und Tischen aus. Ergebnis: „Das Feedback hat uns gezeigt, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind.“

Dass sich diese fünf Weingüter überhaupt beim Weinfest der Mittelmosel so engagiert haben, hält Nicole Kochan-Platz nicht für selbstverständlich. Bereits eine Woche später sei in Lieser das Wein-Höfefest, außerdem stünden die Winzer kurz vor der Traubenlese. Ihr war es trotz der vielen Arbeit wichtig, „Abwechslung und Neuerung an den Stand zu bringen. Wir wollten, dass die Gäste einen guten Eindruck von unserem Ort bekommen.“

Warum kreieren die Lieserer Winzer bei so viel Ideenreichtum denn keinen topmodernen Weinstand? „Diese Weinstände werden wenig, meist nur für Weinfeste, benutzt, sonst nicht“, erklärt die Winzerin. „Die Veldenzer Winzer etwa arbeiten einen ganzen Tag lang an ihrem Ausschank, weil der Aufbau so kompliziert ist. Dabei lastet die Arbeit vom ersten Treffen bis zur Veranstaltung oft nur auf wenigen Schultern. Es summieren sich da schnell viele Stunden.“

Auch die Lieserer haben den Stand genommen, der da war. „Bei der Ausstattung wurde geschaut, wer von den Beteiligten was zur Verfügung stellen kann (Kühlung, Spülmaschine, Tische etc.)“. Außerdem hätten die Winzer den Weinstand erst 2019 generalüberholt. „Nächstes Jahr arbeiten wir aber weiter daran“, verspricht Nicole Kochan-Platz. „Es wird weitere Verbesserungen geben.“

Dennoch: Wäre ein fahrbarer, moderner Weinstand - so wie ihn die Jungwinzer der Mittelmosel auf der Festmeile benutzten - nicht das Non plus ultra für Weinfeste und dazu noch eine ansprechende Visitenkarte? „Unser eigenes Weingut hat so einen fahrbaren Weinstand“, sagt die Winzerin. „Der ist allerdings personalisiert, mit Werbung von unserem Weingut. Und da ist auch alles drin. Kühlung, Beleuchtung, Gläser und so weiter. Von der Logistik her ist das viel einfacher.“ Doch so ein fahrbarer Untersatz kostet natürlich eine Menge Geld. Und daran hakt es dann letztendlich. Nicht nur bei den Lieserer Winzern.

Nicole Kochan-Platz‘ Resümee sieht jedenfalls so aus: „Ich kenne durchaus Feste, wo das Gesamtbild einheitlicher und moderner ist. Tatsächlich stehen da jedoch oft Agenturen dahinter, die mit hohen Standgeldern rechnen können. Von daher kann ich Verständnis für beide Seiten aufbringen.“

Allerdings, sagt sie mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht haben wir Lieserer es geschafft die alten Zöpfe immerhin schon mal zu kürzen.“