Winzertochter wird Milchkönigin

Mit Wein ist sie aufgewachsen, ihre Leidenschaft gilt aber der Landwirtschaft und ganz besonders der Milchviehhaltung. Carina Hirschen aus Burg wurde kürzlich zur dritten rheinland-pfälzischen Milchkönigin gekürt.

Burg. "Milch ist ein wunderbares Getränk, so lecker und so frisch." Wer so leidenschaftlich für dieses Naturprodukt schwärmt, ist geradezu berufen, die Milchbauern im Land als Königin zu vertreten. Dabei scheint Carina Hirschen aufgrund ihrer Herkunft eher dazu qualifiziert, als Weinkönigin für Moselwein zu werben.
Die 23-jährige junge Frau stammt aus einem Weingut in Burg. Seit dem 25. Oktober ist sie rheinland-pfälzische Milchkönigin. Einen außergewöhnlichen Lebensweg ist sie bislang gegangen. Nach dem Abitur am Gymnasium Traben-Trarbach im Jahr 2010 machte sie eine dreijährige Ausbildung zur Finanzwirtin. Doch schon während dieser Zeit hatte sie sich entschieden, etwas ganz anderes zu machen - etwas Bodenständiges, etwas Ursprüngliches - wie sie sagt.
Vielleicht liegt es auch in der Familie, denn der Großvater mütterlicherseits hielt in Büchel in der Eifel Milchkühe. Zurzeit lernt sie im Milchviehbetrieb der Familie Eiden in Biesdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) den Beruf der Landwirtin. Dort fühlt sie sich wohl, dort hat sie täglich mit Tieren zu tun, und dort kann sie anpacken. Zweimal am Tag, morgens gegen 7 und abends gegen 17.30 Uhr, melkt sie rund zweieinhalb Stunden lang die 90 Milchkühe, dazwischen mistet sie den Stall aus, streut Futter ein, füllt Wasserfässer auf oder fährt mit dem Traktor raus aufs Feld.
Im Frühjahr hatte sie sich für das Amt der rheinland-pfälzischen Milchkönigin beworben. Sie und weitere vier Kandidatinnen mussten zunächst in Bad Kreuznach Fachfragen beantworten. Zum Beispiel: Was ist Biestmilch? Carina Hirschen musste nicht lange überlegen: "Sie wird auch Kolostrum genannt. Es ist die erste Milch, die eine Mutterkuh produziert, um damit das neugeborene Kälbchen zu ernähren", lautete die Antwort.
Krone für zwei Jahre


Carina Hirschen erreichte zusammen mit Vanessa Altmeyer aus Lebach im Saarland und Carina Bormann aus Mettendorf (Eifel) die Endrunde in Trier. Auf der Jahrestagung der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft in der Europahalle überzeugte sie erneut die Fachjury und wurde zur dritten rheinland-pfälzischen Milchkönigin gekürt (der TV berichtete am 27. Oktober).
Zwei Jahre dauert die Amtszeit. Ausgestattet mit Krone und Schärpe wird sie zahlreiche Auftritte haben, unter anderem auf der Grünen Woche in Berlin, bei Veranstaltungen des Bauernverbandes, der Landwirtschaftskammer und der großen Molkereien. Ihre Vorgängerin Vera Schückler aus Rockenhausen (Donnersbergkreis) war sogar 2013 Gast beim Weltmilchgipfel in Yokohama, Japan. Der nächste Gipfel findet im kommenden Jahr in Litauen statt. Gut möglich, dass Carina Hirschen dort die Milchwirtschaft des Landes repräsentiert.
Nach der Lehre will sie an der Fachhochschule Bingen Agrarwirtschaft studieren und später "auf jeden Fall" in der Praxis arbeiten. Vielleicht kommt ihr dabei zugute, dass sie einen jungen Mann aus einem Nachbarort von Biesdorf kennen- und lieben gelernt hat, dessen Eltern einen Bauernhof mit Milchkühen haben.