Wir fahr'n nach Bischofsdhron

Noch einen Tag - dann haben wir es überstanden: die abendlichen Sitzungen der Männer in Wohnzimmern oder Kneipen, die nächtlichen Hupkonzerte und die mitleidigen Blicke des angeblich starken Geschlechts, für die die Weltmeisterschaft seit Wochen Lebensinhalt ist.

Der Rasen bleibt ungemäht, der tropfende Wasserhahn ungeflickt, bloß weil fast täglich irgendwo in Deutschland 22 erwachsene Männer einem Ball hinterherlaufen. Aber nicht, dass Ihr meint, dass ist eine Geschlechterfrage. Neenee, unsere Melli hat's auch ganz schön erwischt. Was soll's, das WM-Fieber wird auch in meiner Familie schnell auf leicht erhöhte Temperatur zurückgehen. Aber vorher ist für die Tochter nicht etwa Berlin oder Stuttgart angesagt, sondern Bischofsdhron. So ganz habe ich das ja nicht verstanden wie die "Dhreena" es geschafft haben, fast alle WM-Teams, insgesamt 26 Mannschaften, in den Hunsrück zu holen. Hermann sagt, das sind Teams aus der Region, die nur in WM-Trikots spielen. Aber so sicher ist sich die Tochter da nicht. Denn schließlich waren es vor drei Jahren die echten Eintracht-Kicker und im Jahr drauf die echten Mainzer, die in Bischofsdhron aufgelaufen sind, sagt die Fußballexpertin. Immerhin sollen ja beispielsweise Ballack und Lehmann heute in Stuttgart gar nicht aufgestellt sein, hat sie sich schlau gemacht. Jedenfalls übt sie mit Freundinnen schon fleißig einen neuen Sprechgesang: Bischofsdhron, Bischofsdhron, wir fahr'n nach Bischofsdhron, weiß Eure

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