"Wir haben ganz schön bluten müssen"

"Wir haben ganz schön bluten müssen"

MORBACH/BERNKASTEL-KUES. Das ehemalige Sporthotel in Morbach hat den Besitzer gewechselt. Die Gemeinde Morbach erhielt den Zuschlag, musste dafür mit 150 000 Euro allerdings tief in die Tasche greifen.

Es war in jeglicher Hinsicht eine ungewöhnliche Versteigerung. So viele Interessenten seien ungewöhnlich, erklärte Hubert Hill, Vorstandssprecher der VR-Bank Hunsrück-Mosel, nach Abschluss der Versteigerung. Die Kaufsumme lag im Vergleich zum Verkehrswert ungewöhnlich hoch. Hills Unternehmen und die Bitburger Brauerei hatten übrigens als Gläubiger die Versteigerung betrieben. Doch zunächst der Reihe nach: Donnerstag, 13.15 Uhr. Der Saal im Amtsgericht Bernkastel-Kues füllt sich bereits, obwohl die offizielle Zwangsversteigerung erst eine Viertelstunde später anberaumt ist. Das Interesse an der Morbacher Immobilie ist offenbar groß. 15 Minuten später eröffnet Rechtspfleger Stefan Dreher die offizielle Bieterstunde, die allerdings mittlerweile keine mehr ist. "Die Mindestdauer beträgt heutzutage eine halbe Stunde", sagt der Fachmann später. 30 Minuten müssen in jedem Fall vergehen, bevor der Meistbietende den Zuschlag erhält. Gewöhnlich lassen die Beteiligten aus taktischen Gründen geraume Zeit verstreichen, bis einer der Interessenten ein Gebot abgibt. Nicht so in diesem Fall. Allerdings prescht nicht etwa Roland Weyand, von der Gemeinde Morbach bevollmächtigt, vor, sondern ein zunächst Unbekannter. "Kann ich bieten?" fragt ein junger Mann im Zuschauerraum ungeduldig. 45 000 Euro lautet sein erstes Gebot für das ehemalige Morbacher Sporthotel mit einem Verkehrswert von 64 000 Euro, nachdem er eine Geldsumme beim Rechtspfleger hinterlegt hat. Das nächste Gebot stammt von einem Firmenvertreter aus Zell. Weitere Zuhörer signalisieren Interesse, bieten allerdings nicht mit. Die Bieter steigern sich hoch, bis der Firmenvertreter bei 75 000 Euro aussteigt. Nach weiteren Minuten - jetzt ist die halbe Stunde um - heißt es dann: "Zum ersten, zum zweiten..." Es folgt mit 85 000 Euro das erste Gebot für die Gemeinde. Ungläubiges Staunen bei dem anderen Bieter: "Haben Sie denn so viel Geld", fragt er laut und macht weiter. Erst bei 150 000 Euro bekommt Roland Weyand für Morbach schließlich um 14.11 Uhr den Zuschlag - ohne Hammer übrigens. "Den gibt es nur noch symbolisch", erklärt der Rechtspfleger. Die Immobilie gehe im übrigen unmittelbar in den Besitz der Gemeinde über. Zufriedene Gesichter bei der Gläubigerbank. Dagegen ist das Lächeln bei den Morbacher Vertretern - neben Weyand ist auch Felix Assmann zugegen - nach Ende der Sitzung ein wenig gequält. Sicher sei man froh, dass es geklappt habe, "aber wir haben ganz schön bluten müssen", spricht der zweite Beigeordnete die Höhe der Verkaufssumme an. Die Gemeinde habe dort arrondieren wollen, begründet er die Vorgehensweise. Schließlich liege das Hotel "wie ein Stachel in unserem Fleisch". Die Fläche sei rundherum von Gemeindeland umgeben. Sportzentrum und Freibad seien in unmittelbarer Nähe. Was mit der Immobilie geschehen wird, dazu können die beiden Vertreter der Gemeinde Morbach nichts sagen. "Das muss jetzt der Gemeinderat entscheiden." Dem Kontrahenten, einem Koch aus Hundheim, steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Der gebürtige Kasache, seit 1995 in Deutschland, sagt, er habe in der Immobilie ein russisches Restaurant samt Hotel eröffnen wollen. Er verstehe nicht, dass die Kommune ihn nicht dabei unterstütze, wenn er dort Arbeitsplätze schaffen wolle. "Es ist hier auch nicht anders als in Russland", sagt er und geht.

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