Wir sagen einfach: "Moet kunnen"

Seit vielen Jahren verbringen Niederländer ihren Urlaub im Kreis Cochem-Zell. Manche bleiben für immer, weil sie sich in Deutsche verlieben und heiraten. Aber es macht Spaß, hin und wieder Menschen aus der alten Heimat zu treffen und sich in der Muttersprache zu unterhalten.

Cochem-Zell. (bm) Eine fröhliche Damenrunde sitzt im Restaurant bei einer Weihnachtsfeier zusammen. Wer ihre Gespräche, Gedichte und Lieder zufällig mithört, versteht kein Wort. Es sei denn, er kann Niederländisch, die Muttersprache der Frauen. Sie leben in verschiedenen Orten der Region, die meisten im Kreis Cochem-Zell, und treffen sich viermal im Jahr, um ihre Wurzeln zu pflegen. Eine Nikolausfeier, die sie an ihre Kindheit im flachen Norden erinnert, bildet stets den Abschluss des Jahres.

Sie nennen sich Club der niederländischen Frauen, sind aber keineswegs in einem ordentlichen deutschen Verein organisiert. Mini Franzen aus Alflen und Jeannette Sabel aus Cochem haben sich vor rund 20 Jahren zufällig vor Beginn einer Veranstaltung im Cochemer Kapuzinerkloster getroffen und kennengelernt. Nach und nach stießen andere Niederländerinnen, die es ebenfalls an die Mosel, in die Eifel oder den Hunsrück verschlagen hat, dazu. Auch Belgierinnen sind gern gesehen, sagt Mini und fügt scherzhaft hinzu: "Wenn sie niederländisch sprechen, denn das ist Pflichtsprache bei unseren Treffen."

Doch die Damen wollen keine Kaffeekränzchen, sondern gemeinsame Erlebnisse. So stehen Städtetouren, Besichtigungen von Burgen oder Schlössern, Ausstellungs- und Museumsbesuche, kulturelle Veranstaltungen und Wanderungen auf dem Programm.

Die niederländische Nikolausfeier darf natürlich nicht fehlen - dieses Jahr mit einem guten Essen im Hotel Kurfürst in Kaisersesch. Was die Feier von einer deutschen unterscheidet, ist, dass die Schenkende ihr Päckchen mit einem selbst verfassten Lied oder Gedicht überreicht. Jeannette erklärt: "Das ist Tradition, um den Nikolaus zu begrüßen." Die niederländischen Kinder bekommen ihre Geschenke nicht am Heiligabend, sondern am Nikolaustag. Mini erzählt, dass viele in Deutschland lebende Niederländer auch die Tradition mitgebracht haben, den Weihnachtsbaum bereits in der Adventszeit aufzustellen.

Fast alle "Meisjes" haben sich im Moselurlaub in deutsche Männer verliebt. "Neuerdings verbringen aber auch immer mehr niederländische Rentnerpaare ihren Lebensabend hier, weil die Immobilien günstiger sind", weiß Jeannette. Für alle Frauen war es selbstverständlich, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu lernen. Mit der Zweisprachigkeit ist das aber so eine Sache, verrät Paula: "Manchmal weiß ich gar nicht, ob ich Niederländisch oder Deutsch rede." Wegen des Zweiten Weltkrieges sind die Deutschen vielen Niederländern immer noch nicht ganz geheuer. In den 60er Jahren waren die Vorbehalte noch viel ausgeprägter. Das hat Jeannette schmerzlich erfahren, als sie ihrer Familie verkündete, einen deutschen Mann zu heiraten: "Einige Menschen, die mir eigentlich nahestanden, kamen nicht zur Hochzeit. Es hat sehr lange gedauert, bis sie überhaupt wieder mit mir redeten."

Obwohl die Entfernung zwischen den beiden Ländern nicht allzu groß ist, gibt es doch gewisse Unterschiede: "Bei uns ist das ganze Leben viel lockerer und entspannter. Die Deutschen wälzen immer Probleme und sind oft zu pessimistisch." Die niederländischen Nachbarn haben auch Krisen und Probleme, aber sie gehen sie mutiger an, erzählt Mini: "Wir sagen dann einfach ,moet kunnen', was frei übersetzt heißt: Es wird schon gut gehen."

Der Club würde sich über Zuwachs freuen. Kontakt: Mini Franzen, Telefon 02678/1087.