"Wir sind zu bescheiden"

BERNKASTEL-KUES. Der Stadtrat fordert die Landesregierung auf, an ihrer Absicht festzuhalten, das "Dienstleistungszentrum Mosel" in Bernkastel-Kues anzusiedeln. Die politischen Vertreter der Region sollen sich ebenfalls dafür stark machen.

Einstimmig hat der Stadtrat Bernkastel-Kues für den Antrag der FDP-Fraktion gestimmt, den diese kurzfristig eingebracht hatte. Inhalt: "Der Stadtrat begrüßt die Absicht der Landesregierung, das im Zuge der Agrarverwaltung zu schaffende Dienstleistungszentrum "Mosel" in Bernkastel-Kues ein zurichten." Bernkastel-Kues als Zentrum der weltweit bekannten und erfolgreichen Riesling-Kultur verfüge mit der Fachstelle für Weinbau, dem Kulturamt sowie des Instituts für Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt über Kernkompetenzen sowie über räumlich leicht miteinander zu vernetzende Standorte zum Aufbau des geplanten Zentrums, begründete Ratsmitglied Robert Wies (FDP) den Antrag. "Ich stimme dem Antrag zu, nur die Formulierung ist zu lasch", sagte Bernd Gelz (SPD). Er gab zu bedenken, dass die Trierer Abgeordneten für den Trierer Standort mobil machten. Der Stadtrat solle das Land auffordern, bei seiner Entscheidung zu bleiben, so Gelz. Diese Ansicht teilte auch Gertrud Weydert (Grüne) und frage: "Wie ist eigentlich der Stand der Dinge?" Staatssekretär Günter Eymael habe bekräftigt, dass es bei der Entscheidung pro Bernkastel-Kues bleibe, so Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Wichtig sei, dass dieses Zentrum auch wesentliche Aufgaben übertragen bekomme, warf Waltraud Will-Feld (CDU) ein. "Verkehrsanbindung ist kein Argument"

"Der richtige Standort kann nur Bernkastel-Kues sein", betonte der Stadtbürgermeister. Der Schwerpunkt der Betriebe und der Steillagen liege im Bereich der Mittelmosel. Um das zu untermauern, hatte sich Port um entsprechende Zahlen gekümmert: Seiner Darstellung nach gibt es in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell zusammen 2897 Weinbaubetriebe und eine Gesamtfläche von 5881 Hektar Rebfläche, davon 2817 Hektar Steillagen (Bernkastel-Wittlich allein genommen hat 1946 Betriebe, 4205 Hektar und davon 1958 Hektar Steillagen). Der Landkreis Trier-Saarburg und die Stadt Trier haben zusammen 1556 Betriebe, 4147 Hektar und davon 1498 Hektar Steillagen, die Stadt Trier allein hat 33 Betriebe, 178 Hektar Rebfläche und davon 121 Hektar Steillagen. Hinzu komme die Bedeutung des Tourismus für die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, die mit dem Weinbau eng verflochten ist, so Port weiter. "Das Zentrum gehört hierher, hier sind die Steillagen. Und unsere Politiker müssen uns dabei helfen", sagte Ratsmitglied Theo Pastor (CDU). Pastor treibt die Sorge, dass Bernkastel-Kues nachher wieder mit leeren Händen dastehen könnte, und erinnerte daran, dass in den letzten zehn Jahren 14 Behörden aus der Stadt abgezogen wurden. In diese Richtung zielte auch der Vorstoß von Ernst Schreiner (CDU): "Wir sollten darauf hinwiesen, dass uns bei der Zusammenlegung der Kreise Bernkastel und Wittlich gewisse Behörden als Ausgleich zugesagt wurden." "Wichtig ist auch, dass die angeblich bessere Verkehrsanbindung Triers keine treffendes Argument ist", sagte Karl-Heinz Seidel (Unabhängige Bürgerunion). Für Winzer aus dem Kreis Cochem- Zell sei Trier sehr weit und bis man in der Innenstadt sei, vergehe ohnehin viel Zeit. Schließlich las der Stadtbürgermeister seine eigene Version eines Schreibens nach Mainz vor, was Weydert und Gelz immer noch zu lasch formuliert war. "Wir sollten nicht zu bescheiden sein und das Zentrum fordern", sagte Will-Feld. Auch Bernd Gelz bestand auf dem Zusatz: "Wir fodern". Schließlich gab der Stadtbürgermeister nach und nahm die Formulierung auf: "Der Stadtrat fordert, dass die Landesregierung bei ihrer Entscheidung für Bernkastel-Kues bleibt." Dem stimmten alle Ratsmitglieder zu.