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Wittlich hat die passende Kita für Früh- und Spätdienstler

Frühe Vögel und Nachteulen : Wittlich hat die passende Kita für Früh- und Spätdienstler

In Wittlich wird in vielen Firmen rund um die Uhr gearbeitet. Im Vitelliuspark gibt es einen Kindergarten, der schichtweise Betreuung anbietet. Und das Konzept, das die Einrichtung als erste in Rheinland-Pfalz umgesetzt hat, hat nicht nur für die Eltern Vorteile.

Eine Woche Frühdienst, eine Woche Spätdienst, dann wieder Frühdienst – viele Eltern brauchen ordentlich Organisationstalent, um ihren Nachwuchs bei so einem Arbeitsplan in einer guten Betreuung unterzubringen. Im Evangelischen Kindergarten Vitelliuspark in Wittlich müssen sich die Eltern darum keine Gedanken machen – denn es gibt dort das Schichtmodell. Petra Becker, die Kindergartenleiterin, erklärt: „Vor allem für Alleinerziehende im Schichtdienst ist es schwer, eine gute Betreuung zu finden. Da geht das Kind morgens auch schon mal durch drei Hände, bevor es dann um acht in der Kita angekommen ist. Das wollen wir den Kindern einfach ersparen.“

Die Betreuung für die Frühdienst-Kinder beginnt ab 5.30 Uhr. Diese Kindergruppe werden Frühaufsteher genannt. Das Gegenstück sind die Nachteulen – die Spätschicht endet in dem Kindergarten um spätestens 22.30 Uhr. Und das Konzept gefällt laut Becker vielen Eltern. Eine alleinerziehende Mutter, die gerade ihre Tochter abholt, sagt: „Es ist wirklich perfekt. Ohne die Regelung könnte ich gar nicht arbeiten gehen.“ Seit fast drei Jahren bringt sie ihre Tochter in die Wittlicher Kita. Und auch Becker sagt: „Wir haben 15 Schichtplätze und die werden sehr gut angenommen.“ Insgesamt gibt es 75 Kinder in dem Kindergarten, die von 18 pädagogischen Mitarbeitern betreut werden. Mike Winter von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich sagt dazu: „Aus Sicht der Kreisverwaltung als Bedarfsplanungsbehörde ist der bestehende Bedarf damit aktuell abgedeckt.“

Allerdings weiß die Leiterin auch, dass dem Modell nicht jeder positiv gegenübersteht. Warum? „Das Wort ‚abschieben’ hören wir in dem Zusammenhang öfter mal“, sagt sie. Dabei sei es gar nicht möglich oder erwünscht, sein Kind über den kompletten Zeitraum in die Kindertagesstätte abzugeben. Denn laut Gesetz dürfe ein Kind ohnehin nicht länger als neun Stunden am Tag in der Einrichtung bleiben. Trotzdem gebe es Menschen, die die Schichtmodell-Eltern dafür kritisieren, sie würden das Kind zu den Zeiten abgeben, um sich selbst Luxus zu verschaffen.

Becker sagt, das entspreche nicht der Realität. „Wenn ich einen alleinerziehenden Elternteil oder auch beide Elternteile habe, die im Schichtdienst arbeiten, dann machen die das, um den Kühlschrank zu füllen und nicht für Luxus. Meiner Erfahrung nach sind das ganz normale Menschen.“ Seit fünf Jahren leitet sie mittlerweile die Kindertagesstätte im Vitelliuspark, die im Jahr 2012 eröffnet hat.

Neben dem Vorteil, dass Eltern im Schichtdienst ihre Kinder zu den entsprechenden Zeiten in Betreuung geben können, gibt es aber auch noch weitere Vorteile des Kita-Modells. Zum Beispiel der Personalschlüssel in der Betreuung der Schichtkinder. Da es nur 15 Stück sind, ergibt es sich automatisch, dass frühmorgens oder später am Abend immer nur sehr wenige Kinder in der Kita sind. Dadurch bleibe viel mehr Zeit, sich intensiver um einzelne Kinder zu kümmern und sich auch bewusster mit ihnen zu beschäftigen. Zum Beispiel gebe es für die Nachteulen die Möglichkeit, abends baden zu gehen. Das sei während der Zeit, in der 75 Kinder im Haus sind, einfach nicht möglich.