Wittlich ist bereit für die Säubrennerkirmes

Säubrennerkirmes in Wittlich : Kirmes feiern heißt nach Hause kommen

Wittlich ist bereit für die Säubrennerkirmes. Das Echo der Bürger zeigt, dass sich der Großteil auf das Fest freut. Besonders ein Befragter kann es kaum erwarten – für ihn ist es das erste Fest seit zwei Jahrzehnten.

Christian Wagners Augen funkeln, als er den Wittlicher Marktplatz betritt. Er hält kurz inne, schaut sich um und genießt die Heimat. Diese bedeutet ihm einiges, ist er doch seit 20 Jahren nicht in der Säubrennerstadt gewesen. Sein Beruf – er ist Koch – hat ihn ins Ausland geführt. Nun freut er sich zurückgekehrt zu sein. Und ganz besonders auf die Kirmes.

„Das ist eine dumme Frage“, antwortet der 45-Jährige darauf, ob er sich auf die Kirmes freut. „Jeder Wittlicher freut sich, das ist doch klar.“ Schnell redet er sich in einen Fluss, erzählt von seiner Arbeit und philosophiert ganz nebenbei über die Geschichte der Stadt. Die altbekannte Sage vom Schwein, dem Stadttor und der Rübe, der die Stadt ihren Beinamen und die Kirmes ihre Bezeichnung verdankt, geht ihm leicht über die Lippen. Man merkt ihm an, dass Wittlich für ihn nicht nur eine Stadt und die Kirmes nicht nur ein Fest ist.

Zu ihm gesellt sich Raimund Thiel. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren und teilen neben ihrer Freundschaft auch die Meinung zur Kirmes: „Natürlich freue ich mich“, erklärt der 47-Jährige. „Ich treffe Leute, die ich sonst das ganze Jahr nicht sehe. Das macht ein solches Fest aus.“

Auch er ist nicht oft in seiner Heimatstadt, da er in Grevenmacher arbeitet. Zur Kirmes gehen bedeutet für ihn nach Hause kommen und bekannte Gesichter treffen. Von Kirmesverdrossenheit ist auch bei ihm keine Spur. Oft werden als mögliche Gründe dafür der Lärm und die Verkehrssituation angeführt.

Für Jürgen Kleinschmidt sind auch solche Dinge kein Problem. Zwar wohnt der 64-Jährige nicht unmittelbar im Epizentrum der Lärmbelastung, doch auch er hört die Kirmes, wenn er zu Hause ist: „Natürlich bekomme ich das mit. Aber ein solches Fest macht halt Lärm, das gehört dazu.“ Feste wie die Säubrennerkirmes gebe es in allen Städten, das sei normal.

Er und seine Frau sind begeisterte Kirmesgänger. Allgemein scheint die Stadt bereit für die Kirmes, der Großteil der Bürger kann kaum abwarten, dass es losgeht. Am Freitag, 17. August, ist es so weit, dann wird Wittlich wieder für vier Tage zur Festhochburg der Region.

Plötzlich sucht tosender Lärm den Marktplatz heim. Es klingt fast so, als sei die Kirmes vorverlegt worden. Dem ist natürlich nicht so. Etwa 30 Motorräder der Marke Harley Davidson rollen auf den Platz. Ihre Motoren sorgen dafür, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, ihre glänzenden Karosserien ziehen die Blicke aller Marktbesucher auf sich.

Auch Christian Wagner und Raimund Thiel sind begeistert: „Was passiert denn hier jetzt?“, fragt Wagner. Es stellt sich heraus, dass die Biker nicht wegen der Kirmes, sondern wegen einer Hochzeit aus verschiedenen Regionen in die Säubrennerstadt gekommen sind.

„Das ist Wittlich. So etwas gibt es nur hier“, sagt Christian Wagner. Genau solche Dinge sind es, wegen denen er froh ist zu Hause zu sein – und bleiben wird: „Ich habe Angebote wieder ins Ausland zu gehen, aber nun bleibe ich hier.“

Am Ende zitiert er einen Spruch von Fußball-Legende Fritz Walter: „Daheim ist daheim“. Und daheim ist da, wo seine Augen zu funkeln beginnen.

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