Windkraft : Die weißen Riesen kommen

Letzte große Hürde ist genommen: Die Landesbehörde SGD Nord hat die Windkraftpläne der VG Wittlich-Land genehmigt.

Im Vergleich zu den meisten anderen Verbandsgemeinden in der Region hinkt die VG Wittlich-Land mit ihrer Windkraftplanung etwas hinterher. „Das ist hauptsächlich der Fusion der beiden ehemaligen Verbandsgemeinden Manderscheid und Wittlich-Land, die 2014 erfolgt ist, geschuldet“, erklärt Günter Weins, Fachbereichsleiter bei der VG Wittlich-Land. „Die beiden Flächennutzungspläne mussten zusammengeführt werden, unter anderem hatten die beiden Verbandsgemeinden teilweise unterschiedliche Ausschlusskriterien für Windkraftanlagen.“

So dreht sich bis heute im Wittlicher Land kein einziges Stahlrad am Himmel. Doch das soll sich bald ändern. Denn der VG-Rat hat bei der Planung nun die letzte große Hürde genommen: Die zuständige Landesbehörde Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord hat die vier Standorte, auf denen der Rat Windparks möglich machen will, genehmigt. Sie sollen im Raumordnungsplan des Landes sowie im Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde als Vorrangflächen für Windkraft ausgewiesen werden. Allerdings ist von der zu Beginn anvisierten Fläche nicht mehr all zu viel übrig geblieben. Zahlreiche angepeilte Standorte wie beispielsweise Meerfeld, Bettenfeld und Eisen-
schmitt sind aus dem Rennen. Die beiden letztgenannten Orte aus Gründen der Flugsicherheit, da sie in der Einflugschneise der Airbase Spangdahlem liegen.  So werden von den anfänglich angepeilten fünf Prozent der VG-Fläche für Windkraft nach Abschluss der Planung aller Voraussicht nach nur 1,2 Prozent übrig bleiben. Damit bleibt die VG unter den von der Landesregierung geforderten Vorgabe von zwei Prozent.

Weins: „Wenn wir nicht mehr geeignete Flächen haben, können wir uns nicht noch zusätzliche aus den Ärmeln schütteln.“ Das Ergebnis anhand der übriggebliebenen Flächen, die nun auch von der Landesbehörde genehmigt wurden, zeige aber, dass die VG Wittlich-Land in Bezug auf Landschaft und Tourismus eine sehr sensible Verbandsgemeinde sei. „Wir mussten viele Abstriche machen. Letztlich haben wir aber einen Konsens gefunden zwischen Landschafts- und Naturschutz sowie den Vorgaben des Gesetzgebers, der Windkraft substantiell Raum zu geben.“

Von den 2160 Hektar, die man zu Beginn als Windkraftflächen ins Auge gefasst hatte, ist zum Schluss mit 470 Hektar nur ein Bruchteil übriggeblieben. Zahlen oder Schätzungen dazu, wie viele Windräder auf dieser Fläche errichtet werden können, sagt Weins, gebe es  nicht. Die Standorte im Einzelnen:

Hasborn/Niederöfflingen Nahe der A1 sollen auf den Gemarkungen beider Ortschaften Windräder möglich werden. Der Standort umfasst zwei nahegelegene Flächen mit 48 Hektar.

Niederscheidweiler Auf den Flächen der Gemeinde sollen 32,6 Hektar für die Windkraft bereitgestellt werden.

Bergweiler/Hupperath/Bruch Dort sollen auf drei Parzellen insgesamt 86,4 Hektar für den Bau von Windrädern zur Verfügung stehen.

Heidweiler/Niersbach Der größte Windpark in der VG Wittlich-Land soll auf den Gemarkungen der Gemeinden Heidweiler und Niersbach entstehen, wo 301 Hektar für die Windkraft reserviert werden sollen.

Ausschlusskriterien Doch weswegen bleibt zum Schluss von der anfänglich ins Auge gefassten Fläche relativ wenig übrig? Zunächst einmal muss sich die VG an die Vorgaben des Landes halten. Das heißt: Windräder dürfen nur in einer Entfernung von 1000 Metern zur Wohnbebauung errichtet werden. Für weiße Riesen, die höher als 200 Meter sind, gelten 1100 Meter Abstand.  Zudem hat sich der der VG-Rat dazu entschieden, keine Flächen kleiner als 20 Hektar, auf denen nicht mindestens drei Windräder Platz finden, auszuweisen. Erlaubt sind  auch mehrere naheliegende Flächen, die man zusammenhängend als Windpark sehen kann. Weins: „Mit diesen Windparks wollen wir einer Verspargelung der Landschaft entgegenwirken.“ Zudem habe man auch aufgrund touristischer Interessen Wert darauf gelegt, dass bestimmte Sichtachsen wie am Meerfelder Maar freigehalten würden, sagt Weins.

Die drastischsten und umfangreichsten Abschnitte habe man bei der Planung aber wegen der US Airbase Spangdahlem machen müssen, erklärt Weins. „Innerhalb der Einflugschneise wären aufgrund der Flugsicherheit nur Windräder mit einer Höhe von maximal 100 Metern möglich gewesen. Solche Windräder baut aber heute niemand mehr, da sie unwirtschaftlich sind. Deshalb haben wir diese Standorte ganz gestrichen.“ Aber auch um so manches Brutgebiet von Schwarzstörchen und Rotmilanen mussten die Planer einen Bogen machen – sowie um zahlreiche Trinkwasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete.  Bürgermeister Dennis Junk: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es ist nach vielen Jahren teils kontroverser Diskussionen ein vernünftiger Kompromiss, der den unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Interessen gerecht wird. Wichtig ist aber auch, dass das ganze Thema nun ein Ende findet.“

Finale Trotz der Genehmigung durch die Landesbehörde ist die Planung noch nicht in trockenen Tüchern. Die Pläne sollen nach der VG-Ratssitzung am 21. März in eine letzte Offenlage gehen. Ziel sei es, sagt Weins, die Windkraftplanung noch mit dem bestehenden Verbandsgemeinderat und damit vor der Kommunalwahl am 26. Mai abzuschließen. Die  letzte Sitzung des bestehenden Verbandsgemeinderates ist am Donnerstag, 16. Mai.