Wittlich, Nepal – und das Essen

WITTLICH. Kurzbesuch in Wittlich: Helmut Hagedorn, früherer Bürgermeister Wittlichs, flanierte kürzlich durch die Stadt. Doch bei den Säubrennern hält ihn nichts mehr: An Kirmes-Sonntag bricht er auf zu seinem zweiten Nepal-Einsatz für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED).

Das Neue wagen. Helmut Hagedorn hat das gemacht und als Entwicklungshelfer in einem nepalesischen Municipality Office in der kommunalen Verwaltung sein Wissen eingebracht. Nach Ende des ersten Aufenthalts blickt er zurück: "Gut 40 Jahre, mein ganzes Berufsleben, hatte ich in deutschen Kommunalverwaltungen gearbeitet, die letzten 25 Jahre davon als Bürgermeister. Als ich im April 2004 den Flieger nach Kathmandu bestieg, war ich gerade 60 Jahre alt geworden, und meine Gefühle waren durchaus gemischt." Er kam nach Mechinagar an der indischen Grenze mit 55 000 Einwohnern. ",Nepal Paradise', sagen die Einheimischen, und ich stimme ihnen heute zu", sagt der Entwicklungshelfer zwei Jahre später. Was seine Aufgabe war? Er beschreibt es so: "Im Kern Beratung und Hilfe bei der Einführung eines neuen Steuersystems". Das zu unterstützen hatte der DED beschlossen als, so Hagedorns Worte, "man annehmen durfte, dass der Prozess der Demokratisierung des Landes fortgesetzt würde und dass weiterhin gewählte Gemeinderäte und Bürgermeister in einem System kommunaler Selbstverwaltung die ihnen anvertrauten Steuergelder für Verwaltung und für die Gemeinde einsetzen würden". Doch als Helmut Hagedorn mit dem DED-Jeep, Gepäck und Motorrad auf dem Dach in Mechinagar ankam, gab es in Nepal weder Gemeinderäte noch gewählte Bürgermeister. Vereinzelt hätten noch vom königlichen Government ernannte Bürgermeister amtiert, viele seien aber zurückgetreten, dem Druck gewichen, den die Maoisten und deren "Volkskrieg" ausgeübt hätten. Statt Bürgermeistern blieben "Secretary", Regierungsbeamte als Verwaltungschefs. In Mechinagar sollte just zu dem Zeitpunkt, als Helmut Hagedorn ankam, auch ein neuer Secretary seinen Dienst antreten. Man scheint sich gut ergänzt zu haben, schloss sogar Freundschaft. "Wie macht man das bei euch in Deutschland?"

Hilfe kam in dieser Zeit auch aus der Säubrennerstadt, in der der Ex-Stadtchef um Spenden gebeten hatte, um Computer und Drucker, die bei einem Maoisten-Anschlag zerstört oder gestohlen wurden, ersetzen zu können. Den Spendern möchte Helmut Hagedorn nochmals herzlich danken: "2500 Euro waren zusammen gekommen, eine Menge Geld, mit dem man in Nepal schon einiges bewirken kann. Ein PC mit allen Zutaten kostet umgerechnet rund 500 Euro." Helmut Hagedorn erklärt, warum die Entwicklungshelfer in die Verwaltung gehen: "Will man beim Aufbau der Demokratie in einem Land helfen, gibt es dafür keinen besseren Platz als in den Kommunalverwaltungen, nah bei den Menschen. Nachdem aber der seit Februar 2005 autokratisch regierende König keine Zweifel gelassen hatte, dass für die nächsten Jahre eine Änderung seiner Einstellung in diesem Punkt nicht erwartet werden könne, war dies nun in keiner Weise vereinbar mehr mit den Grundsätzen des DED." Es schien, als sei abzusehen, dass die Frage "Wie macht man das bei euch in Deutschland?" bald in Nepal nicht mehr gestellt werden könnte, weil der DED sich zurückziehen werde. Doch Politik ändert sich. Im Blick zurück beschreibt das Helmut Hagedorn so: "Nun ist seit kurzem und wie es scheint, endgültig, der Weg des Königs zurück ins Mittelalter gestoppt, und die Demokratie erhält eine neue Chance. Selbst die Maoisten sind verhandlungswillig." Helmut Hagedorn will nun für weitere zwei Jahre in Nepal - dieses Mal von Kathmandu aus - Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit managen. An Kirmessonntag ist Abreise. Zurück in der Fremde wird er sicher auch auf ein wichtiges Kommunikationsmittel setzen, das ihm bei seinem ersten Aufenthalt Fenster zu Freundschaften öffnete. Er sei für Kontakte sehr offen gewesen, war er doch im Umkreis von 100 Kilometern der einzige westliche Ausländer, und habe auf Elementares gesetzt, was Menschen an einen Tisch bringt: "Ich koche gern und lade mir dann Leute ein. Das habe ich auch dort so gehalten. Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, dem Begründen von Freundschaften schadet das Verfahren auch nicht." Ansonsten gilt wohl noch, was er schon 2004 gesagt hat: "Ruhig wollte ich es ja nicht haben, sonst hätte ich mich auf eine Parkbank gesetzt."

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