Wittlich schafft Platz für Häuslebauer

Neubaugebiet : Wittlich schafft Platz für Häuslebauer

Soll man viergeschossige Bauten mit Flachdächern zulassen? Oder sollen im Neubaugebiet in Wittlich-Dorf bloß gewöhnliche Einfamilienhäuser mit Satteldächern stehen dürfen, die sich in den Bestand einfügen? Der Bauausschuss diskutierte hitzig.

Das Büfett ist abgeräumt: Alle städtischen Baugrundstücke sind verkauft. Dabei hat die Stadt Wittlich gerade erst die 20 000-Einwohner-Marke geknackt und kräftigen Zuzug zu verzeichnen.
Neben der Nachverdichtung, die in der Innenstadt vorangetrieben wird, will man in der Säubrennerstadt deshalb dringend neues Bauland schaffen.

Auf seiner jüngsten Sitzung hat der Bauausschuss die Entwicklung eines Neubaugebietes im Stadtteil Wittlich-Dorf vorangebracht. Alle benötigten Grundstücke für das geplante Neubaugebiet „In der Spitz“ sind mittlerweile im Eigentum der Stadt.
35 bis 40 Baustellen sollen in Wittlichs kleinstem Stadtteil auf einem Plangebiet von 3,7 Hektar entstehen – mit einer durchschnittlichen Größe von 500 Quadratmetern. Nach einer kontroversen Diskussion über neue Wohnformen wie Mehrfamilienhäuser, den Sinn und Nutzen öffentlicher Grünflächen und viele weitere Aspekte hat man sich im Bauausschuss auf ein erstes Bebauungskonzept geeinigt.

Bauformen Niedrige Neubauten mit Giebeldächern fügen sich in den Bestand ein „und eigentlich wollen wir ja eine angepasste Bebauung“, sagte Bürgermeister Joachim Rodenkirch in der Ausschusssitzung. Aber andererseits sei die Stadt auch dazu verpflichtet, günstigen Wohnraum zu schaffen und „wenn man das will, dann muss man den Geschossbau erlauben“. Erst kürzlich hatte der Bauausschuss Pläne für ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus mit Flachdach im Fallerweg nahe der Weilersiedlung abgelehnt (der TV berichtete). Der Ausschuss urteilte damals, dass sich ein Gebäudekomplex mit 18 Wohneinheiten  nicht in den Bestand einfüge. Im Neubaugebiet in Wittlich-Dorf könnten Doppelhäuser, Mehrfamilienhäuser mit mehreren Geschossen und Flachdächern aber möglicherweise zugelassen werden.

Wie auch der Bürgermeister können sich dort auch viele Ausschussmitglieder neue Bauformen vorstellen. „Wir müssen den neuen Bauformen Rechnung tragen und sollten auch Staffelgeschossbauten zulassen“, sagte Michael Scheid (FWG). Nicht an der Schokoladenseite aber im Osten des Neubaugebietes sollte man den Geschosswohnungsbau in den Bebauungsplan aufnehmen, erklärte auch Jan Salfer (CDU). „Außerdem sind Flachdächer heutzutage zeitgemäß – auch zur Energieerzeugung.“
Peter van der Heyde (CDU) sprach sich ebenfalls dafür aus, den drei- bis viergeschossigen Wohnungsbau „In der Spitz“ zu genehmigen.
Darf es noch etwas mehr sein? Ausschussmitglied Michael Wagner (Gruene) kritisierte die Planung für das Zentrum des Neubaugebiets als zu luftig und locker: „Da könnte ich mir mehr vorstellen. Mit Doppelhäusern wäre dort auch mehr möglich“, sagte Wagner zum Vorentwurf, der im Zentrum nur Einfamilienhäuser mit großen Gartenflächen  vorsieht.

„Häuser mit vier bis fünf Wohneinheiten könnte ich mir dort schon vorstellen“, sagte Markus Blasweiler (FDP).

Diese Planung zeigt ein ehemals vom Bauausschuss abgelehntes Bauprojekt für den Fallerweg. Der Ausschuss urteilte damals, das viergeschossige Mehrfamilienhaus mit 18 Wohneinheiten füge sich nicht in die umliegende Bebauung in der Weilersiedlung ein. Im Neubaugebiet in Dorf könnten solche Bauformen jedoch möglich werden. Foto: Gemeinnützige Baugenossenschaft Wittlich

Als entschiedene Gegnerin der Komprimierung trat Landtagsmitglied Elfriede Meurer (CDU) auf: „Man sollte die geplanten Freiräume so belassen und keine erzwungenen Gemeinschaften herstellen.“

Grün Manchen Ausschussmitgliedern erscheinen auch die öffentlichen Grünflächen,  die im Vorentwurf des Planungsbüros zu sehen sind, als zu üppig. „Wir sollten nicht mehr zu viel öffentliches Grün einplanen“, sagte Meurer. „Wo später Einfamilienhäuser stehen, gibt es  nach etwa fünf bis zehn Jahren genug privates Grün.“ Diesen Fehler, also zu viel öffentliches Grün einzuplanen, meinte Meurer, solle der Ausschuss nicht mehr begehen. „Denn die Stadt muss das später alles pflegen und trägt dafür die Kosten.“ Ein gewisses Maß an öffentlichen Grünflächen sei im Neubaugebiet allerdings unverzichtbar, erklärte Stadtplaner Thomas Eldagsen. „Das ist für die Entwässerung wichtig, da Privatleute die Grünflächen oftmals mit Komposthaufen, Gartenhäusern, Rutschen und anderen Anlagen belegen, die der Entwässerung schaden.“ Neben öffentlichen Grünflächen zur Entwässerung sieht der Plan für das Neubaugebiet auch einen Kinderspielplatz vor.

Beschluss Der Bauausschuss beauftragte das Planungsbüro die vorgebrachten Anregungen der Ausschussmitglieder in die Planung aufzunehmen. Im Wesentlichen forderte das Gremium eine effizientere und wirtschaftlichere Bebauung und Ausnutzung der Fläche mit mehr Doppelhäusern oder Mehrgeschossbauten. Das Planungsbürso soll nun einen konkreten Bebauungsplanentwurf für das Neubaugebiet in Wittlich-Dorf erarbeiten. Rodenkirch: „Wenn die Anregungen des Ausschusses eingearbeitet sind, finden wir einen gangbaren Weg.“

Dorf Der Ortsbeirat Dorf sei modernen Bauformen gegenüber ebenfalls aufgeschlossen, erklärte Ortsvorsteher Holger Freund auf TV-Anfrage. „Es kann sich ja auch nicht jeder einen Neubau leisten. Deshalb wollen wir vereinzelt, da wo es passt, auch mehrgeschossige Bauten zulassen.“

Zeit und Geld Wann können die Bagger anrollen? Was wird der Quadratmeter Bauland in Dorf kosten? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen begibt man sich in den Bereich der Spekulation. Wenn die Planung reibungslos verlaufe, sagte Freund, könnten noch zwei Jahre ins Land ziehen, bis man mit den Erschließungsarbeiten beginnen könne.

Was soll erlaubt sein? Nur gewöhnliche Satteldächer oder auch Flachdächer und Geschossbauten mit drei oder vier Etagen? Im Bauausschuss der Stadt Wittlich zur Erschließung eines Neubaugebietes im Stadtteil Dorf gab es eine Menge zu diskutieren. . Foto: dpa/Bernd Wüstneck

„Jetzt Preise zu nennen wäre reine Spekulation. Wenn man nachher aufgrund von Preissteigerungen noch zehn oder zwanzig Euro draufschlagen muss, macht es keinen Sinn, jetzt Zahlen zu nennen.“ Der letzte von der Stadt Wittlich vermarktete Quadratmeter Bauland kostete 125 Euro. Die Preise in Dorf dürften darüber liegen.

Mehr von Volksfreund