Wittlich wächst

Zahlenspiele bei der Einwohnerversammlung: Den Gästen wurden aktuelle Infos zu Rufbus und Bevölkerungsentwicklung serviert.

Nur knapp die Hälfte der Sitzplätze ist gefüllt, als Bürgermeister Joachim Rodenkirch am Mittwochabend auf die Minute pünktlich die Einwohnerversammlung in der Wittlicher Synagoge eröffnet: "Ich sage nicht, dass sie zahlreich erschienen sind, aber sie sind erschienen", kommentierte er diesen Umstand augenzwinkernd. "Ich deute diese geringe Beteiligung auch als Zeichen der Zufriedenheit." Der Bürgermeister und die Vertreter der Stadt schnürten ein großes, buntes Infopaket:

Rufbus: "Die Zahlen könnten besser sein", sagte Fachbereichsleiter Jan Mußweiler, tat aber gleichzeitig viel dafür, beim Thema Rufbus keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen: 4494 Fahrgäste wurden seit Start des Pilotprojekts befördert. Bis August waren es noch 3300 gewesen. Die Stadt zahlt 15,02 Euro pro Fahrt drauf. Das klingt nach sehr viel, war aber auch schonmal mehr - im August war noch von rund 20 Euro Zuschuss pro Fahrgast die Rede. Die mit Abstand am meisten genutzten der 70 verfügbaren Haltestellen sind und bleiben ZOB und Krankenhaus. Für mehr Nutzung sollen unter anderem Werbung, Plakate, Flyer und Informationsstände sorgen. Zudem wird eine App geplant, mit der der Bus übers Internet bestellt werden kann. "Die Fahrtzeiten sind für mich das größte Manko", gab Mußweiler zu. Derzeit sind die Busse nur montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr unterwegs. Eine Ausdehnung der Fahrtzeiten auf 5 bis 24 Uhr werde geprüft. Auch Samstagsfahrten stehen auf der To-Do-Liste. Ob der Bus irgendwann auch sonntags fahren könnte, sei aber noch nicht sicher. Nach den Plänen der Stadt soll außerdem ein zweiter Bus angeschafft werden - "alles innerhalb des beschlossenen finanziellen Rahmens", wie Mußweiler und Rodenkirch versicherten.

Bevölkerungsentwicklung: Wittlich wächst kontinuierlich. Nach aktuellem Stand leben 18 996 Menschen in der Stadt (2004: 18 019, 2014: 18 405). Vor drei Jahren hatte eine Statistik zur Bevölkerungsentwicklung ein langsameres Wachstum vorhergesagt, das klar überboten wurde. "Das liegt auch an den Entscheidungen der Gremien, beispielsweise im Hinblick auf die Neubaugebiete", lobte Bürgermeister Rodenkirch.
In der Stadt leben Menschen aus 86 Nationen, der Ausländeranteil liegt bei 15 Prozent und damit zwar unter dem Durchschnittswert für Gesamtdeutschland (22 Prozent), aber über dem Durchschnittswert von Rheinland-Pfalz (10 Prozent).
Auch die zunehmende Alterung der Gesellschaft wurde auf der Einwohnerversammlung thematisiert: Der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahren soll in Zukunft auf Werte im 30-Prozentbereich steigen, referierte Rodenkirch. "Bereits jetzt machen Senioren einen großen Anteil an den Gremien, unter den Ortsvorstehern und im Stadtrat aus. Das bildet die Zustände in der Gesellschaft ab, und der Anteil wird noch steigen." Er schätze die Erfahrung dieser Menschen, sehe in der Alterung und dem richtigen Umgang damit aber auch eine große Aufgabe der Zukunft.

Flächennutzungsplan: Bauverwaltungsleiter Hans Hansen stellte den aktuellen Flächennutzungsplan vor. In einem solchen Plan werden mögliche und geplante städtebauliche Entwicklungen festgehalten - beispielsweise, wo neue Neubaugebiete ausgewiesen werden können. 50,8 Hektar stehen in Wittlich noch potentiell für Wohnflächen zur Verfügung, nur noch 21,3 Hektar für Gewerbe. "Bei den Wohnflächen haben wir noch Potential, beim Gewerbe sieht es ein wenig eng aus", kommentierte Rodenkirch die Lage. Im Neubaugebiet Hofflürchen II in Bombogen sind laut Hansen inzwischen alle Grundstücke verkauft.

Und sonst so? Der Schuldenstand der Stadt wurde leicht reduziert und liegt inzwischen bei 31,5 Millionen Euro. "Und zwar trotz der vielen Investitionen. Wir stehen gut da", fasste Bürgermeister Rodenkirch zusammen.
Im nächsten Jahr soll ein Carsharing-Projekt auf die Beine gestellt werden. Gemeinsam mit dem Energiekonzern Innogy gebe es derzeit Überlegungen in diese Richtungen, verriet Jan Mußweiler. Rodenkirch betonte den Wert der ehrenamtlichen Arbeit in Wittlich. Er würdigte vor allem die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren mehr als 300 Einsätzen im vergangenen Jahr, aber auch das Engagement der mehr als 100 Vereine der Stadt und der Wahlhelfer bei der Bundestagswahl.Extra: DER WITTLICHER RUFBUS


Der Rufbus kutschiert seit dem 1. August 2016 Fahrgäste durch Wittlich. Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre festgelegt und kostet die Stadt 135 000 Euro. Der Shuttlebus fährt montags bis freitags von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr auf telefonische Bestellung rund 70 Haltestellen an. Eine Fahrt kostet drei Euro. Die Fahrten können zwischen 7 und 18 Uhr unter der Telefonnummer 06571/172999 angemeldet werden.