Wittlicher Cityhotel schrumpft in der Planung

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus : Wittlicher City-Hotel schrumpft in der Planung

Vier statt sechs Geschosse, keine Ausfahrt zum Kreisverkehr und viele weitere Planänderungen: Die Hotelbaupläne für das Wittlicher Stadtzentrum werden aufgrund zahlreicher Anregungen aus der Bürgerschaft sowie Belange des Brandschutzes und der Denkmalpflege reduziert.

  Wird der Gegenwind der Anwohner am Wittlicher Kurfürstenplatz und der ansässigen Hoteliers zu stark? Die Planer des City-Hotels scheinen offensichtlich zurückzurudern. Am Dienstagabend stellte Architekt Jan Berdi den Mitgliedern des Bauausschusses in einer öffentlichen Sitzung im Stadthaus den aktuellen Stand der Planung vor. Die Pläne für das Hotel und dessen Infrastruktur werden reduziert.

Geschosse Statt sechs Geschossen solle das Gebäude nun bloß mehr vier Geschosse hoch werden, sagte Berdi. Die Reduzierung des Gebäudes sei in Absprache mit dem Amt für Denkmalschutz erfolgt. Das Amt fordere, dass die Gebäudehöhe des Hauses der Jugend, das in sanierter Form Teil des Hotelkomplexes werden soll, nicht überschritten werden dürfe.

Wie Bürgermeister Joachim Rodenkirch ergänzte, seien diese Änderungen auch aufgrund weiterer „planungsrelevanter Anregungen“ aus dem Verfahren notwendig. Die Nachbarn, die Eigentümer und Bewohner des Fürstenhofes, gehen nämlich bereits seit geraumer Zeit anwaltlich gegen das Hotelbauprojekt vor ihrer Haustür vor (der TV berichtete). Sie sehen ihre Immobilienwerte in Gefahr und fürchten, dass ein Hotel, größer als der Fürstenhof, ihren Wohnungen und der Ladenzeile das Tageslicht rauben würde. Rodenkirch: „Wir versuchen, den vorgetragenen Anregungen Rechnung zu tragen.“

Mit der Reduzierung der Gebäudehöhe um zwei Geschosse und rund fünf Meter reduziert sich natürlich auch die Zimmerzahl. Auf Servicewohnungen, größere Hotelzimmer für Dauermieter, werde mit der Planung nun gänzlich verzichtet, erklärte Berdi.

Hinterhof Die Reduzierung der Gebäudehöhe sowie eine weitere Rückversetzung der Obergeschosse plane man auch, um die von den Bewohnern des Fürstenhofes gefürchtete „Hinterhof-Situation“  zu entschärfen. Zudem werde der Zugang zu dem geplanten Nahversorger nun an einer hinteren Gebäudeecke in Richtung des Kurfürstenplatzes installiert. So werde auch das bestehende Gewerbe am Kurfürstenplatz besser eingebunden, sagte Berdi. Da der Einkaufsmarkt in Richtung des Fürstenhofes eine über mehrere Meter reichende Glasfront erhalte, werde in diese Richtung Transparenz geschaffen. Eine Hinterhofsituation zwischen Hotel und Fürstenhof werde damit vermieden.

Hotels Können die ansässigen Hotelbetreiber in Wittlich aufatmen? Sie befürchten, dass ein City-Hotel im Zentrum ihre Existenz bedrohen könne (der TV berichtete). Wie Rodenkirch zum Sachstand der Planung erklärte, sollen vor Abschluss der Planung nun auch die Auswirkungen eines City-Hotels auf andere Hotels untersucht werden. „Wir brauchen noch eine qualifizierte Bewertung, wie sich das auf die bestehenden Hotels auswirkt“, sagte der Bürgermeister. Für die weitere Planung sei dies erforderlich.

Ausfahrt Auf eine Ausfahrt der Tiefgarage zum Kreisverkehr an der Burgstraße werde verzichtet, erklärte Architekt Berdi. Das geschehe jedoch nicht wegen des Hotels. Denn über die Tiefgarage, so die ehemalige Planung, sollten auch Häuser angefahren werden, die hinter dem Hotel gebaut werden sollen. Solch ein Einbahnstraßensystem durch die Tiefgarage, so Berdi, hätten der Landesbetrieb Mobilität und auch die Kreisverwaltung aus brandschutztechnischen Gründen nicht akzeptiert. Deshalb erfolge die Ein- und Ausfahrt zur Tiefgarage des Hotels nun allein über eine einspurige Zufahrt von der Kurfürstenstraße, die mit einer Ampel gesteuert werde. Rodenkirch: „So ist es in vielen großen Städten State of the Art.“

Verfahren Nicht nur eine Formalie ist die beabsichtigte Umstellung des Verfahrens von einem angebotsbezogenen auf einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Klingt kompliziert, ist aber recht einfach: Im Rahmen des vorhabenbezogenen Bebauungsplans könnte die Stadt mit dem Investor einen Durchführungsvertrag mit der Verpflichtung zur Realisierung des Vorhabens innerhalb einer zeitlichen Frist schließen.  Damit würde sich der Investor zur Errichtung eines Hotels mit Lebensmittelmarkt verpflichten. Nach dem  Bauausschuss, welcher der geänderte Objektplanung bei nur einer Enthaltung zustimmte, wird sich nun auf einer seiner beiden Sitzungen am Dienstag oder Donnerstag, 10. oder 12. Dezember, der Wittlicher Stadtrat mit dem Thema City-Hotel befassen. Der Stadtrat entscheidet, ob die Planung auf dieser Grundlage weiter vorangetrieben wird.